Abzocke im Internet2021-11-22T14:57:23+01:00

Abzocke im Internet – so gehen die Betrüger vor

Abzocke im Internet ist eine weitverbreitete „Disziplin“. Dabei kommen verschiedene Maßnahmen zum Einsatz, die Betrüger nutzen, um ihre Opfer finanziell zu erleichtern. Vor allem geben hierzulande angebliche Erbschaften, kostenlose Produktproben oder auch Phishing-Attacken oftmals Anlass zu Ärger.

Unsere Rechtsanwälte haben zusammengetragen, woran man Abzocke im Internet erkennt, wie man sich schützt und was sich unternehmen lässt, wenn man einem betrügerischen Anbieter auf den Leim gegangen ist.

Inhaltsverzeichnis

Online-Abzocke und rechtliche Hintergründe

Unseriöse Websites verstecken Gebühren häufig im Kleingedruckten oder in ihren allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Ein rechtsverbindlicher Vertrag kann aber nur zustande kommen, wenn man als Kunde vorher ausreichend über den Abschluss des Kaufs informiert wurde.

Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) gilt seit 2012 die sogenannte „Button-Lösung“. Der Gesetzgeber bestimmt in 312j Abs. 3 BGB, dass es für den Nutzer offensichtlich sein muss, ob ein Angebot kostenlos ist oder nicht.

Deshalb müssen kostenpflichtige Online-Angebote im Bestellvorgang vor dem Kauf einen Bestellbutton mit einem expliziten Hinweis wie „kostenpflichtig bestellen“ oder ähnlich haben.

Diese Information sollte für den Nutzer leicht zugänglich sein. Denn ohne einen solchen Hinweis ist ein geschlossener Vertrag nicht rechtsverbindlich. Darüber hinaus sind Kinder in Abhängigkeit ihres Alters entweder geschäftsunfähig oder nur eingeschränkt geschäftsfähig.

Daher sind Verträge wertlos, solange die Eltern dem Geschäft nicht zugestimmt haben, und das Unternehmen kann den Eltern des Kindes den Kauf nicht in Rechnung stellen.

Wenn Sie trotz Ihrer Bemühungen Opfer eines Betrugs werden oder der Händler sich weigert, Ihre Rechte als Käufer anzuerkennen, sollten Sie sich an Ihre örtliche Verbraucherzentrale oder an einen Rechtsanwalt wenden.

Vorgehensweise bei Online-Abzocke

Bei vielen Arten der Online-Abzocke ähnelt sich die Vorgehensweise. Die Angebote stellen sich oft so dar, dass die Nutzung auf den ersten Blick kostenlos zu sein scheint. Gleichzeitig wird häufig mit der Teilnahme an einem großen Gewinnspiel mit hohen Geld- oder Sachpreisen gelockt.

Tatsächlich zahlt man entweder einen einmaligen Betrag im mittleren zweistelligen Bereich oder schließt sofort eine dauerhafte Mitgliedschaft ab (z. B. ein Abonnement für ein Magazin).

So werben die Betreiber derartiger Websites beispielsweise damit, dass der x-te Besucher eine aktuelle Gaming-Konsole von Sony oder Microsoft erhalte.

Es gibt aber auch andere Anbieter, die behaupten, anhand von „wissenschaftlich fundierten“ Methoden das zukünftige Alter oder den Intellekt einer Person vorhersagen zu können. Außerdem werden vielerorts angeblich kostenlose Einkaufsgutscheine ausgelobt.

Auch WhatsApp und andere Anwendungen werden genutzt, um diese Art von Betrug zu begehen. Um die gewünschten Informationen, die Spielkonsole, den Gutschein oder die Testergebnisse zu erhalten, müssen die Teilnehmer auch persönliche Daten wie ihr Alter und Geschlecht sowie ihren vollständigen Namen und ihre Postanschrift angeben.

Jedoch verbergen sich hinter diesen Angeboten häufig Fallen für ahnungslose Kunden. Das Kleingedruckte erschwert es, herauszufinden, ob die Kunden nach Angabe der geforderten Informationen tatsächlich Gebühren zahlen müssen oder nicht.

In den meisten Fällen können diejenigen, die durch unzureichende Preisangaben getäuscht werden, ihre Unschuld beweisen und die Zahlung abwenden.

Da sie wissen, dass sie vor Gericht keine Chance haben, versuchen die Betreiber dieser Websites mit Einschüchterungstaktiken wie dem Versand von Inkassoschreiben, ihre Kunden zu einer Zahlung zu bewegen.

Angebote gründlich prüfen

Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Sie bei Anzeigen für „Clubmitgliedschaften“, „Gewinnspiele“, „Gratisangebote“ usw. immer auf versteckte Preisangaben achten. Wenn Sie das Wort „umsonst“ oder „gratis“ in einer Anzeige sehen, sollten Sie vorsichtig sein.

Sobald man Sie auffordert, persönliche Daten zu offenbaren, sollten Sie auf der Hut sein. So können Sie Betrugsversuche erkennen und abwehren:

  • Lesen Sie die Vertragsbedingungen sorgfältig durch, bevor Sie Ihre Anmeldung oder Ihren Kauf online bestätigen. Vertragslaufzeiten oder Kündigungsfristen sind meist Indizien für eine vertragliche Verpflichtung, die Kosten nach sich zieht.
  • Hat man Sie über Ihr Widerrufsrecht aufgeklärt? Es ist üblich, dass man einen online abgeschlossenen Vertrag innerhalb der ersten zwei Wochen widerrufen kann, ohne Angabe einer Begründung. Wenn Sie vom Anbieter nicht ordnungsgemäß über Ihr Widerrufsrecht aufgeklärt wurden, haben Sie noch mehr Zeit, um aus dem Vertrag auszusteigen.
  • Lesen Sie immer das Kleingedruckte (Geschäftsbedingungen) und scrollen Sie bis zum Ende einer Website, bevor Sie einen Kauf tätigen. Schauen Sie dann in den Dokumenten nach, ob Sie irgendwelche versteckten Gebühren finden. Auch wenn das Lesen der Geschäftsbedingungen mühsam sein mag, ist es fast die einzige Möglichkeit, um zu wissen, worauf man sich beim Einkaufen im Internet wirklich einlässt.
  • Prüfen Sie, ob im Rahmen einer Bestellung unnötige Kästchen angekreuzt wurden. Manchmal werden lediglich Asteriske (*) in hochgradig betrügerischen Situationen verwendet, und die dazu passende Beschreibung der Bedingung oder der entstehenden Kosten verstecken sich irgendwo am Ende der Seite.
  • Die Aussicht zur Teilnahme an einem fantastischen Gewinnspiel sollte nicht ausreichen, um Sie zu verlocken. Denn die angebotenen Prämien sind meistens dazu da, um arglose Teilnehmer von den tatsächlichen Kosten abzulenken.
  • Geben Sie niemals Ihre persönlichen Daten weiter, wenn Sie sich über deren Verwendung und beim Empfänger nicht zu einhundert Prozent sicher sind, dass Sie Betrug ausschließen können. Überprüfen Sie vor allem, wem Sie Ihre Finanzdaten offenlegen und zu welchem Zweck.
  • Vergewissern Sie sich, dass Sie wissen, wie Sie mit dem Dienstleister in Kontakt treten können. Das heißt, es muss auf der Website ein Impressum geben, das den Namen und die Adressdaten des Anbieters enthält. Ein Postfach sollte nicht die einzige Adresse sein, die hier angegeben ist. Zudem kann es schwierig sein, Ihre Rechte durchzusetzen, wenn der Diensteanbieter seinen Sitz im Ausland hat.

Abzocke im Internet – welche Rolle spielen gefälschte Online-Shops?

Auch beim Shopping im Internet ist äußerste Vorsicht geboten, um nicht Opfer von Internetbetrug oder Datendiebstahl zu werden. Denn Kunden- und Zahlungsdaten können leicht gestohlen werden, wenn ein Nutzer unvorsichtig ist oder das Gerät Sicherheitslücken aufweist.

Grundsätzlich gilt daher, dass man Online-Shopping-Angebote nicht ausschließlich nach dem niedrigsten Preis auswählen und sogenannte „Fake-Shops“ unbedingt meiden sollte.

Diese gefälschten Internetshops sind in der Regel auf den ersten Blick schwer zu erkennen. Denn oft handelt es sich hierbei um nahezu exakte Nachbildungen anderer, seriöser Internet-Händler.

Gefälschte Shops sind häufig auf schön gestalteten und professionell aussehenden Websites zu finden, aber sie sind nur für kurze Zeit online und verschwinden dann wieder. Allerdings existieren einige Möglichkeiten, um zu erkennen, ob ein Internet-Händler oder ein Angebot vertrauenswürdig ist.

Um ein Angebot zu bewerten, sollten Sie sich zunächst die Produktpreise des Anbieters ansehen. Wenn die Preise deutlich unter dem Marktdurchschnitt liegen, sollten Sie vorsichtig sein. Auch das Fehlen eines rechtsverbindlichen Impressums deutet in der Regel auf einen fragwürdigen Anbieter hin.

Wenn es zwar ein Impressum gibt, aber keine offizielle und prominent ausgewiesene Möglichkeit, den Inhaber zu kontaktieren, ist das ein Warnsignal. Es wäre schwierig, einen Artikel in solch einer Situation zurückzugeben.

Ein Blick auf die Kundenrezensionen kann bei der Auswahl ebenfalls von Vorteil sein. Da der Anbieter jedoch die Kontrolle über den Kommentarbereich hat, besteht die Möglichkeit, dass die Zahl der gefälschten oder nur guten Bewertungen zunimmt.

Daher ist es empfehlenswert, sich über die Erfahrungen anderer Kunden mit dem Händler zu informieren, am besten über eine neutrale und fälschungssichere Bewertungsplattform.

Die Limitierung auf die drei Zahlungsmöglichkeiten Vorkasse, Überweisung oder Nachname kann ebenfalls ein Zeichen für Betrug sein. Denn wenn man ein Problem mit dem Dienstleister hat, wird es schwieriger sein, sein Geld bei diesen Zahlungsmöglichkeiten zurückzubekommen.

Phishing-Attacken erkennen und abwehren

Phishing-Angriffe auf Internetnutzer werden immer häufiger. Über sogenannte „Phishing“-E-Mails ist es Betrügern möglich, sensible Daten wie Kreditkarteninformationen, PINs und Kundennummern (z. B. für das Online-Banking) abzugreifen.

Dabei geben sich die Internet-Betrüger als Bank, Auktionshaus, Online-Shop oder Ähnliches aus, um E-Mail-Nutzer zu betrügen, indem sie deren E-Mail-Design und Website imitieren.

In der Phishing-E-Mail wird das Opfer aufgefordert, eine scheinbar seriöse Website, z. B. die einer Bank, zu besuchen und dort persönliche Daten, wie z. B. das Passwort, zu ändern, um weiterhin die volle Funktionalität der Website und des Angebots zu gewährleisten.

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