Deutschland hat einen hohen Stand der Professionalität und Ethik im Rechtssystem und ein wesentlicher Teil dieser Professionalität und Ethik ist die Regelung, dass ein Anwalt ohne Mandat in der Regel nicht tätig wird. Es ist eine Frage, die von vielen nicht verstanden oder oft übersehen wird, aber es ist eine wichtige, denn sie betrifft die Grundlagen unseres Rechtssystems und der Praxis des Anwaltsberufs.

Definition: Was ist ein Mandat?

Ein Mandat ist eine Vereinbarung zwischen einem Rechtsanwalt und einem Mandanten, die den Anwalt bevollmächtigt, im Namen des Mandanten Rechtshandlungen vorzunehmen. Es ist die Grundlage der Beziehung zwischen Anwalt und Mandant und besteht im Allgemeinen aus zwei Teilen: Die Erteilung der Vollmacht durch den Mandanten und die anwaltliche Akzeptanz dieser Vollmacht. Es ist im Grunde genommen der Vertrag, der den Anwalt dazu berechtigt, im Namen des Mandanten zu agieren.

Gesetzliche Grundlage: Anwaltschaft ohne Mandat

Die Regeln für das Verhalten von Anwälten sind im Rechtsanwaltsgebührengesetz (RVG) und in der Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) festgelegt. In Deutschland muss ein Anwalt ein Mandat haben, um im Namen von Mandanten handeln zu können. Er kann das Mandat annehmen oder ablehnen, aber wenn er es einmal angenommen hat, ist er gesetzlich dazu verpflichtet, das Mandat gewissenhaft und im besten Interesse des Mandanten auszuführen.

  • § 43 Abs. 2 BRAO besagt, dass Anwälte „die ihnen aufgrund ihrer Stellung obliegenden Pflichten gewissenhaft zu erfüllen haben.“
  • § 43a Abs. 1 BRAO sieht vor, dass Anwälte „die ihnen durch Gesetz, die Standesregelungen und durch diese Bundesrechtsanwaltsordnung obliegenden Pflichten nachkommen müssen.“

Aus diesem Grund ist es grundsätzlich nicht gestattet, dass ein Anwalt ohne Mandat handelt. Es besteht jedoch eine wichtige Ausnahme: Ein Anwalt darf ohne eindeutiges Mandat tätig werden, wenn er für sich selbst handelt. Das ergibt sich aus § 43a Abs. 2 BRAO, der vorschreibt, dass ein Anwalt keine Interessen vertreten darf, die mit seinen eigenen Interessen kollidieren.

Beispiele: Anwälte ohne Mandat und ihre Folgen

Ein kritisches Beispiel, um das Konzept des Handelns ohne Mandat zu veranschaulichen, ist die Situation, in der ein Anwalt ohne Mandat Erklärungen abgibt. In solchen Fällen gilt die Regel, dass Erklärungen eines Anwalts, die er ohne ausdrückliche Bevollmächtigung abgibt, für den Mandanten unwirksam sind.

Es gibt zahlreiche Fälle, in denen Anwälte ohne Mandat handelten und die Folgen katastrophal waren. Ein prominentes Beispiel ist der Fall eines Anwalts, der ohne Mandat in einem Schadensersatzprozess aufgetreten ist. Der Anwalt führte den Prozess fort, verlor aber und wurde vom Mandanten auf Schadensersatz verklagt. In diesem Fall entschied der Bundesgerichtshof (BGH, Urteil vom 6. Juli 2017, IX ZR 355/14), dass ein Anwalt, der ohne Mandat handelt, persönlich für den entstandenen Schaden haftet.

Anwaltspraxis ohne Mandat: Die Rolle der Deutschen Anwaltsausbildung

In der Deutschen Anwaltsausbildung wird großer Wert darauf gelegt, die Wichtigkeit des Juristenamts und das Mandatsverhältnis hervorzuheben. Ein Anwalt ist ein unabhängiger Berater und Vertreter in allen rechtlichen Angelegenheiten. Dabei steht der Schutz der Rechte des Mandanten stets an erster Stelle. Der Verstoß gegen die Berufspflichten kann schwerwiegende disziplinarische Konsequenzen haben, einschließlich der Entfernung aus der Anwaltschaft.

FAQs: Gemeinsame Fragen über das Anwaltshandeln ohne Mandat

Lassen Sie uns Ihnen mit den häufigsten Fragen und ihren Antworten weiterhelfen.

Kann ein Anwalt ohne Mandat gerichtlich tätig werden?

Nein, ein Anwalt kann nicht ohne Mandat gerichtlich tätig werden. Es wäre ein offensichtlicher Verstoß gegen das Gesetz und der Anwalt könnte disziplinarische Maßnahmen riskieren.

Kann ein Anwalt ohne Mandat Beratungen durchführen?

Ein Anwalt kann Beratungen durchführen, solange er nicht im Namen einer speziellen Person handelt oder Rechtsratschläge gibt, die auf die individuellen Umstände einer bestimmten Person zugeschnitten sind. Bei allgemeinen rechtlichen Fragen, die nicht auf eine individuelle Person zugeschnitten sind, kann ein Anwalt Beratungen durchführen, zum Beispiel bei Vorträgen oder in der juristischen Ausbildung.

Kann ein Anwalt ohne Mandat rechtlich bindende Erklärungen abgeben?

Erklärungen eines Anwalts, der ohne ausdrückliche Bevollmächtigung handelt, sind für den Mandanten unwirksam. Wenn ein Anwalt ohne Mandat handelt und rechtliche Erklärungen abgibt, können diese von dem (vermeintlichen) Mandanten widersprochen werden.

Fazit

Die Frage, ob ein Anwalt ohne Mandat tätig werden darf, ist eine komplexe und facettenreiche. Die Regeln und Bestimmungen, die diesen Bereich regulieren, sind nicht nur streng, sondern auch sorgfältig durchdacht, um sowohl die Verbraucher als auch die Integrität des Rechtssystems zu schützen. Ein Anwalt, der ohne Mandat handelt, ist ein Anwalt, der sich auf sehr dünnes Eis begibt, und das kann sowohl für den Anwalt als auch für den Mandanten schwerwiegende Folgen haben.

Es bleibt der Grundsatz: Die Beziehung zwischen Anwalt und Mandant basiert auf Vertrauen. Ein Anwalt sollte nie ohne Mandat tätig werden und Mandanten sollten immer sicherstellen, dass sie eine klare und genaue Vereinbarung mit ihrem Anwalt haben. Bei Unsicherheiten oder Unklarheiten empfiehlt es sich, juristischen Rat einzuholen und die Situation zu klären.

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