Ein Betriebsübergang ist ein komplexes rechtliches Ereignis, das sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer betreffen kann. In diesem umfassenden Blog-Beitrag erfahren Sie alles, was Sie über Betriebsübergänge, die damit verbundenen Rechtsfolgen, die Rechte von Arbeitnehmern und die Notwendigkeit einer rechtlichen Beratung wissen müssen. Dieser Artikel ist eine umfassende Ressource für alle, die sich mit diesem wichtigen rechtlichen Thema auseinandersetzen möchten.

Definition und Voraussetzungen eines Betriebsübergangs

Ein Betriebsübergang ist ein Vorgang, bei dem ein Unternehmen oder ein Betriebsteil auf einen anderen Inhaber übergeht. Dies kann auf verschiedene Weise geschehen, beispielsweise durch eine Fusion, einen Verkauf oder eine Umstrukturierung. Die Voraussetzungen für einen Betriebsübergang sind im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) und im Kündigungsschutzgesetz (KSchG) geregelt.

Die folgenden Kriterien müssen erfüllt sein, damit von einem Betriebsübergang gesprochen werden kann:

  • Übergang von wesentlichen Betriebsmitteln oder Betriebsteilen
  • Fortführung der Betriebsidentität
  • Übergang der Rechte und Pflichten aus den Arbeitsverhältnissen

Übergang von wesentlichen Betriebsmitteln oder Betriebsteilen

Ein Betriebsübergang setzt voraus, dass wesentliche Betriebsmittel oder Betriebsteile auf einen neuen Inhaber übergehen. Hierzu zählen beispielsweise Gebäude, Maschinen, Lagerbestände oder auch immaterielle Vermögenswerte wie Patente oder Kundenstämme. Es genügt jedoch nicht, wenn lediglich einzelne Betriebsmittel übertragen werden. Es muss vielmehr eine Gesamtheit von Betriebsmitteln oder Betriebsteilen vorliegen, die eine wirtschaftliche Einheit bilden.

Fortführung der Betriebsidentität

Damit ein Betriebsübergang vorliegt, muss die Betriebsidentität gewahrt bleiben. Das bedeutet, dass der neue Inhaber den Betrieb oder Betriebsteil im Wesentlichen unverändert fortführen muss. Hierbei ist insbesondere auf die Art der Tätigkeiten, die Organisation und die Belegschaft abzustellen. Eine bloße Fortführung der Geschäftstätigkeit durch den neuen Inhaber genügt nicht.

Übergang der Rechte und Pflichten aus den Arbeitsverhältnissen

Ein Betriebsübergang hat zur Folge, dass die Rechte und Pflichten aus den Arbeitsverhältnissen auf den neuen Inhaber übergehen. Dies umfasst insbesondere die arbeitsvertraglichen Vereinbarungen sowie die Mitgliedschaften in Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen. Die Arbeitnehmer müssen in der Regel nicht zustimmen, damit der Übergang wirksam wird.

Rechtsfolgen eines Betriebsübergangs

Ein Betriebsübergang hat zahlreiche Rechtsfolgen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Im Folgenden werden die wichtigsten Aspekte dargestellt.

Übergang der Arbeitsverhältnisse

Wie bereits erwähnt, führt ein Betriebsübergang dazu, dass die Arbeitsverhältnisse auf den neuen Inhaber übergehen. Dies bedeutet, dass der neue Arbeitgeber in die Rechte und Pflichten aus den Arbeitsverträgen eintritt. Der alte Arbeitgeber haftet gemeinsam mit dem neuen Arbeitgeber für die Erfüllung der arbeitsvertraglichen Verpflichtungen, die vor dem Übergang entstanden sind. Diese Haftung ist jedoch auf ein Jahr nach dem Betriebsübergang begrenzt.

Änderungen von Arbeitsbedingungen

Ein Betriebsübergang an sich führt nicht automatisch zu Änderungen der Arbeitsbedingungen. Die Arbeitsverträge bleiben in der Regel unverändert. Allerdings kann der neue Arbeitgeber nach dem Übergang Änderungen an den Arbeitsbedingungen vornehmen, beispielsweise im Hinblick auf Arbeitszeiten, Vergütung oder Tätigkeitsbereiche. Solche Änderungen bedürfen jedoch der Zustimmung der Arbeitnehmer oder einer entsprechenden Regelung in einem Tarifvertrag oder einer Betriebsvereinbarung.

Kündigungen im Zusammenhang mit einem Betriebsübergang

Kündigungen, die ausschließlich aufgrund eines Betriebsübergangs erfolgen, sind nach dem Kündigungsschutzgesetz unwirksam. Allerdings können sowohl der alte als auch der neue Arbeitgeber kündigen, wenn betriebsbedingte Gründe vorliegen, beispielsweise aufgrund einer Umstrukturierung oder einer schlechten wirtschaftlichen Lage. Dabei müssen die Vorgaben des Kündigungsschutzgesetzes beachtet werden, insbesondere die Sozialauswahl und die Anhörung des Betriebsrats.

Informations- und Konsultationsrechte des Betriebsrats

Im Falle eines Betriebsübergangs hat der Betriebsrat verschiedene Informations- und Konsultationsrechte. Der alte und der neue Arbeitgeber sind verpflichtet, den Betriebsrat rechtzeitig und umfassend über den geplanten Betriebsübergang zu informieren. Darüber hinaus muss der Betriebsrat bei allen Maßnahmen, die im Zusammenhang mit dem Betriebsübergang stehen und die Arbeitnehmer betreffen, beteiligt werden.

Arbeitnehmerrechte im Falle eines Betriebsübergangs

Arbeitnehmer haben im Zusammenhang mit einem Betriebsübergang verschiedene Rechte, die ihren Schutz und ihre Interessen sichern sollen. Im Folgenden werden die wichtigsten Arbeitnehmerrechte dargestellt.

Widerspruchsrecht der Arbeitnehmer

Arbeitnehmer haben das Recht, dem Übergang ihres Arbeitsverhältnisses auf den neuen Arbeitgeber zu widersprechen. Dieses Widerspruchsrecht muss innerhalb einer Frist von einem Monat nach Erhalt der Information über den Betriebsübergang ausgeübt werden. Im Falle eines wirksamen Widerspruchs bleibt das Arbeitsverhältnis beim alten Arbeitgeber bestehen. Allerdings besteht dann die Gefahr einer betriebsbedingten Kündigung, wenn der Betrieb oder Betriebsteil beim alten Arbeitgeber nicht mehr fortgeführt wird.

Informationsrecht der Arbeitnehmer

Arbeitnehmer haben das Recht, vom alten und vom neuen Arbeitgeber über den Betriebsübergang informiert zu werden. Die Information muss schriftlich erfolgen und folgende Angaben enthalten:

  • den Zeitpunkt des Übergangs,
  • den Grund für den Übergang,
  • die rechtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Übergangs für die Arbeitnehmer und
  • die geplanten Maßnahmen in Bezug auf die Arbeitnehmer.

Die Information muss den Arbeitnehmern spätestens einen Monat vor dem Betriebsübergang zugehen. Bei Verstößen gegen diese Informationspflicht können Arbeitnehmer Schadensersatzansprüche geltend machen.

Fortgeltung von Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen

Im Falle eines Betriebsübergangs gelten die bisherigen Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen grundsätzlich weiter. Der neue Arbeitgeber ist an die Regelungen gebunden, es sei denn, er ist selbst Mitglied in einem anderen Arbeitgeberverband oder hat eigene Tarifverträge abgeschlossen. In diesem Fall können die bisherigen Regelungen durch die neuen Regelungen ersetzt werden. Allerdings ist ein gewisser Mindestschutz für die Arbeitnehmer vorgesehen, etwa in Bezug auf Vergütung und Arbeitszeiten.

Rechtliche Beratung bei Betriebsübergängen

Angesichts der Komplexität und der weitreichenden Folgen eines Betriebsübergangs ist eine rechtliche Beratung sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer unerlässlich. Ein erfahrener Rechtsanwalt kann dabei helfen, die rechtlichen Risiken und Chancen zu erkennen, die Interessen der Beteiligten zu wahren und geeignete Lösungen und Strategien zu entwickeln.

Die rechtliche Beratung kann sich insbesondere auf folgende Themen beziehen:

  • Prüfung der Voraussetzungen eines Betriebsübergangs,
  • Erstellung und Prüfung von Informations- und Konsultationsunterlagen,
  • Begleitung von Verhandlungen mit Betriebsräten und Gewerkschaften,
  • Unterstützung bei der Gestaltung von Arbeitsverträgen und Betriebsvereinbarungen,
  • Prüfung und Durchsetzung von Kündigungsschutzansprüchen,
  • Beurteilung von Schadensersatzansprüchen und
  • Vertretung in gerichtlichen Verfahren.

Ein kompetenter Rechtsanwalt kann Ihnen dabei helfen, die rechtlichen Herausforderungen eines Betriebsübergangs zu meistern und Ihre Interessen erfolgreich zu vertreten.

Was ist ein verdeckter Betriebsübergang und warum ist er von Bedeutung?

Ein verdeckter Betriebsübergang tritt auf, wenn ein Unternehmen von einer juristischen Person auf eine andere übergeht, ohne dass die betroffenen Arbeitnehmer ausreichend über diesen Vorgang informiert werden. Dies kann dazu führen, dass Arbeitnehmer ihre Arbeitsplätze, arbeitsrechtlichen Rechte und Ansprüche verlieren und in rechtliche Schwierigkeiten geraten, wenn sie nicht wissen, wie sie auf die neue Situation reagieren sollen.

Verdeckte Betriebsübergänge können aus verschiedenen Gründen erfolgen, beispielsweise im Zuge der Verschmelzung von Unternehmen, des Verkaufs von Geschäftsbereichen oder aufgrund von Änderungen in der Geschäftsstrategie. In vielen Fällen werden die Verträge für einen solchen Übergang ohne die Zustimmung der Arbeitnehmer abgeschlossen, was eine ungünstige Situation für sie schafft.

Arbeitnehmerrechte bei verdeckten Betriebsübergängen

Im Falle eines Betriebsübergangs haben die Arbeitnehmer verschiedene Rechte, die sie schützen sollen. Hier sind einige der wichtigsten Schutzmaßnahmen, die Arbeitnehmer bei verdeckten Betriebsübergängen genießen:

Fortbestand des Arbeitsverhältnisses: Der Übergang von einem Unternehmen auf ein anderes darf keine negativen Auswirkungen auf das bestehende Arbeitsverhältnis der betroffenen Arbeitnehmer haben. Dies bedeutet, dass sie ihren Arbeitsplatz und ihre bisherigen Vertragsbedingungen beibehalten, es sei denn, es bestehen triftige Gründe, die eine Änderung rechtfertigen.

Arbeitsbedingungen: Die neuen Arbeitgeber sind verpflichtet, die gleichen Arbeitsbedingungen und Sozialleistungen anzubieten, die den Mitarbeitern vor dem Übergang zustanden. Einschließlich Gehalt, Arbeitszeit, Urlaubsanspruch und sonstiger betrieblicher Vereinbarungen.

Betriebsbedingte Kündigungen: Sollte der Betriebsübergang Anlass für betriebsbedingte Kündigungen geben, so müssen diese auf objektiven Gründen beruhen. Das bedeutet, dass Arbeitnehmer nicht aufgrund des Betriebsübergangs allein gekündigt werden dürfen, sondern eine detaillierte Begründung für die Kündigung vorliegen muss.

Mitbestimmung: Arbeitnehmer haben das Recht, über den geplanten Betriebsübergang informiert und beteiligt zu werden. Bei Fehlen eines Betriebsrats sind die Arbeitnehmer persönlich darüber zu unterrichten. Die Mitbestimmungsrechte der Arbeitnehmer müssen im gesamten Übergangsprozess gewahrt bleiben.

Informationspflicht: Die Unternehmen sind verpflichtet, die Arbeitnehmer oder ihre Vertreter über den bevorstehenden Betriebsübergang zu informieren, einschließlich des Zeitpunkts, des Grundes und der möglichen Folgen für die Arbeitnehmer und ihre Arbeitsbedingungen.

Erkennen eines verdeckten Betriebsübergangs

Es ist für Arbeitnehmer nicht immer einfach, einen verdeckten Betriebsübergang zu erkennen, da sie in solchen Fällen häufig von den Unternehmen im Unklaren gelassen werden. Folgende Anzeichen können auf einen verdeckten Betriebsübergang hindeuten:

  1. Geheime Verhandlungen oder Treffen zwischen dem alten und dem neuen Arbeitgeber
  2. Wechsel von Führungskräften oder Verantwortlichen in Ihrem Arbeitsbereich
  3. Änderungen in den Geschäftspraktiken und -strukturen ohne angemessene Begründung oder Ankündigung
  4. Nichtverlängerung von Arbeitsverträgen oder Einstellung neuer Mitarbeiter ohne nähere Angaben
  5. Betriebsinterne Umstrukturierungen, Umzüge oder Schließungen von Abteilungen

FAQs zum Betriebsübergang

Wann liegt ein Betriebsübergang vor?

Ein Betriebsübergang liegt vor, wenn wesentliche Betriebsmittel oder Betriebsteile auf einen neuen Inhaber übergehen, die Betriebsidentität gewahrt bleibt und die Rechte und Pflichten aus den Arbeitsverhältnissen übergehen.

Was passiert mit den Arbeitsverhältnissen beim Betriebsübergang?

Beim Betriebsübergang gehen die Arbeitsverhältnisse automatisch auf den neuen Inhaber über, es sei denn, der Arbeitnehmer widerspricht dem Übergang innerhalb der vorgegebenen Frist.

Kann ich im Falle eines Betriebsübergangs gekündigt werden?

Eine Kündigung, die ausschließlich aufgrund eines Betriebsübergangs erfolgt, ist unwirksam. Allerdings können sowohl der alte als auch der neue Arbeitgeber kündigen, wenn betriebsbedingte Gründe vorliegen.

Was sind meine Rechte als Arbeitnehmer im Falle eines Betriebsübergangs?

Als Arbeitnehmer haben Sie im Falle eines Betriebsübergangs verschiedene Rechte, insbesondere ein Widerspruchsrecht gegen den Übergang Ihres Arbeitsverhältnisses, ein Informationsrecht über den Betriebsübergang und den Fortbestand der bisherigen Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen.

Warum sollte ich einen Rechtsanwalt bei einem Betriebsübergang konsultieren?

Ein Rechtsanwalt kann Ihnen bei einem Betriebsübergang helfen, Ihre Rechte und Interessen zu wahren, mögliche rechtliche Risiken zu erkennen und geeignete Lösungen und Strategien zu entwickeln. Die Beratung durch einen erfahrenen Anwalt ist sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer unerlässlich, um rechtliche Fallstricke zu vermeiden und eine erfolgreiche Abwicklung des Betriebsübergangs zu gewährleisten.

Wie erkenne ich, ob es sich bei meinem Arbeitsplatz um einen verdeckten Betriebsübergang handelt?

Einige Anzeichen können auf einen verdeckten Betriebsübergang hindeuten, wie oben aufgeführt. Wenn Sie einen solchen Verdacht haben, kann die Konsultation eines erfahrenen Rechtsanwalts helfen, die Situation zu klären und Ihnen bei der Wahrung Ihrer Rechte zu unterstützen.

Was kann ich tun, wenn ich glaube, dass mein Arbeitsplatz von einem verdeckten Betriebsübergang betroffen ist?

Suchen Sie rechtzeitig eine Anwaltskanzlei auf, um Ihre Situation zu besprechen und Ihre Rechte und Ansprüche zu erörtern. Je früher Sie aktiv werden, desto besser können Sie Ihre Interessen sicherstellen.

Wie kann ich mich im Falle eines verdeckten Betriebsübergangs schützen?

Informieren Sie sich über Ihre Rechte, dokumentieren Sie alle Informationen und Vorgänge, die auf einen verdeckten Betriebsübergang hindeuten könnten, und ziehen Sie rechtliche Beratung und Unterstützung heran, um Ihre Interessen zu wahren.

Fazit

Ein Betriebsübergang ist ein komplexes rechtliches Ereignis, das sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer erhebliche Konsequenzen haben kann. Um die rechtlichen Risiken und Herausforderungen zu bewältigen, ist es wichtig, sich umfassend über die rechtlichen Rahmenbedingungen, die Rechte und Pflichten der Beteiligten und die Rechtsfolgen eines Betriebsübergangs zu informieren. Eine rechtliche Beratung durch einen erfahrenen Rechtsanwalt ist dabei unerlässlich und kann Ihnen helfen, Ihre Interessen erfolgreich zu vertreten und den Betriebsübergang reibungslos und erfolgreich abzuwickeln.

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