CO₂-Zertifikate gelten für viele Anleger als Möglichkeit, von der zunehmenden Bedeutung des Klimaschutzes und internationaler Emissionshandelssysteme zu profitieren. Gleichzeitig ist der Markt komplex, wenig transparent und in Teilen anfällig für betrügerische Geschäftsmodelle. Immer wieder berichten Anleger davon, dass ihnen vermeintlich wertvolle CO₂-Zertifikate oder Emissionsrechte mit hohen Renditeaussichten angeboten wurden – häufig verbunden mit dem Versprechen eines lukrativen Wiederverkaufs oder einer sicheren Wertsteigerung. Nicht selten stellt sich später heraus, dass die Zertifikate kaum handelbar sind oder der gesamte Vertrieb auf einer Täuschung beruhte.
Für Betroffene stellt sich dann eine Reihe wichtiger Fragen: Handelt es sich lediglich um eine riskante Geldanlage oder liegt ein Betrugsfall vor? Welche rechtlichen Möglichkeiten bestehen, investiertes Kapital zurückzufordern? Welche Unterlagen sollten gesichert werden und welche Fehler sollten Anleger vermeiden?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Ob Ansprüche gegen Anbieter, Vermittler oder weitere Beteiligte bestehen, hängt stets von den Umständen des Einzelfalls ab. Umso wichtiger ist eine frühzeitige rechtliche Einordnung.
Was sind CO₂-Zertifikate überhaupt?
CO₂-Zertifikate sind handelbare Berechtigungen, eine bestimmte Menge an Kohlendioxid oder anderen Treibhausgasen auszustoßen oder durch Klimaschutzmaßnahmen einzusparen. Sie spielen insbesondere im internationalen Emissionshandel eine wichtige Rolle und dienen dazu, Emissionen wirtschaftlich zu steuern.
Grundsätzlich wird zwischen verschiedenen Arten von Zertifikaten unterschieden:
- Emissionsberechtigungen aus staatlich regulierten Handelssystemen
- freiwillige Klimaschutz- oder Kompensationszertifikate (Voluntary Carbon Credits)
- projektbezogene Emissionsgutschriften
- Zertifikate aus Aufforstungs-, Waldschutz- oder Klimaschutzprojekten
Während große Unternehmen solche Zertifikate im Rahmen gesetzlicher Vorgaben handeln, richtet sich ein Teil des Marktes inzwischen auch an Privatanleger. Genau hier entstehen häufig erhebliche Risiken.
Warum sind CO₂-Zertifikate für Betrüger attraktiv?
Der Markt für CO₂-Zertifikate weist mehrere Besonderheiten auf, die unseriöse Anbieter gezielt ausnutzen können.
Viele Privatanleger verfügen nur über begrenzte Kenntnisse des Emissionshandels. Gleichzeitig handelt es sich um einen internationalen Markt mit unterschiedlichen Handelsplätzen, Projektarten und Bewertungsmaßstäben. Der tatsächliche Wert eines Zertifikats lässt sich für Außenstehende oftmals nur schwer überprüfen.
Hinzu kommt, dass Klimaschutz und Nachhaltigkeit bei vielen Anlegern positiv besetzt sind. Angebote werden daher nicht selten mit ökologischen Argumenten verbunden. Die emotionale Komponente kann dazu führen, dass wirtschaftliche Risiken oder fehlende Plausibilität weniger kritisch hinterfragt werden.
Seriöse Investitionen in diesem Bereich sind zwar grundsätzlich möglich. Allerdings nutzen Betrüger gerade die fehlende Markttransparenz, um unrealistische Versprechen glaubwürdig erscheinen zu lassen.
Typische Betrugsmaschen bei CO₂-Zertifikaten
Die Erscheinungsformen können unterschiedlich sein. Viele Fälle weisen jedoch ähnliche Muster auf.
Verkauf praktisch wertloser Zertifikate
In zahlreichen Fällen erwerben Anleger Zertifikate, die zwar tatsächlich existieren, für private Investoren jedoch kaum oder gar nicht handelbar sind.
Der Käufer erhält Unterlagen über den Erwerb eines Zertifikats oder einer Emissionsgutschrift. Erst später zeigt sich, dass kein funktionierender Zweitmarkt existiert oder ein Verkauf praktisch ausgeschlossen ist.
Allein der Besitz eines Zertifikats bedeutet daher noch nicht, dass dieses jederzeit zu einem marktgerechten Preis veräußert werden kann.
Unrealistische Gewinnversprechen
Ein häufiges Warnsignal sind Aussagen wie:
- sichere Wertsteigerungen
- garantierte Rückkäufe
- fest zugesagte Renditen
- stark steigende Nachfrage in kurzer Zeit
- angeblich bereits vorhandene Kaufinteressenten
Der tatsächliche Wert von CO₂-Zertifikaten hängt jedoch von zahlreichen wirtschaftlichen, regulatorischen und marktbezogenen Faktoren ab. Seriöse Anbieter werden deshalb regelmäßig auf bestehende Risiken hinweisen und keine garantierten Gewinne versprechen.
Der angebliche Zweitmarkt
Besonders häufig berichten geschädigte Anleger von einem versprochenen Zweitmarkt.
Bereits beim Erwerb wird erklärt, dass die Zertifikate nach kurzer Zeit mit erheblichem Gewinn weiterverkauft werden könnten. Teilweise wird sogar ein konkreter Käufer genannt oder ein Rückkaufvertrag angekündigt.
Nach dem Kauf verschiebt sich der Verkauf jedoch immer wieder oder findet überhaupt nicht statt. In anderen Fällen existiert der behauptete Käufer nie.
Ob tatsächlich ein funktionsfähiger Markt vorhanden ist, sollte daher bereits vor einer Investition sorgfältig geprüft werden.
Cold Calls und aggressive Vertriebsstrategien
Viele Geschädigte berichten von unerwarteten Telefonanrufen oder intensiven Vertriebsmaßnahmen.
Typisch sind beispielsweise:
- überraschende Kontaktaufnahme ohne vorherige Geschäftsbeziehung,
- hoher Zeitdruck,
- angeblich nur kurzfristig verfügbare Angebote,
- mehrfaches Nachfassen durch verschiedene Mitarbeiter,
- Hervorhebung angeblicher Exklusivität.
Teilweise werden Interessenten über Wochen hinweg telefonisch begleitet, bis sie schließlich investieren.
Gerade wenn erheblicher Zeitdruck aufgebaut wird, ist besondere Vorsicht geboten. Seriöse Anlageentscheidungen erfordern ausreichend Zeit für eine eigenständige Prüfung.
Nachforderungen nach dem Kauf
Ein weiteres häufiges Muster besteht darin, dass nach dem Erwerb zusätzliche Zahlungen verlangt werden.
Begründet werden diese beispielsweise mit:
- Handelsgebühren,
- internationalen Steuern,
- Freigabekosten,
- Depotkosten,
- Verwaltungsentgelten,
- angeblichen Transfergebühren.
Den Anlegern wird erklärt, dass erst nach Zahlung dieser Beträge ein Verkauf möglich sei. In vielen Betrugsfällen folgen jedoch immer neue Forderungen, ohne dass jemals eine Auszahlung erfolgt.
Woran Anleger unseriöse Angebote erkennen können
Nicht jede risikobehaftete Kapitalanlage ist betrügerisch. Dennoch gibt es Warnsignale, die eine besonders sorgfältige Prüfung nahelegen.
Dazu gehören insbesondere:
- außergewöhnlich hohe oder angeblich sichere Renditen,
- fehlende nachvollziehbare Informationen über den Anbieter,
- unklare Eigentumsverhältnisse an den Zertifikaten,
- intransparente Vertragsunterlagen,
- Druck zu einer schnellen Entscheidung,
- fehlende Hinweise auf Risiken,
- unklare Handelsmöglichkeiten,
- unrealistische Aussagen über zukünftige Preisentwicklungen,
- komplizierte internationale Firmenstrukturen,
- ausschließliche Kommunikation per Telefon oder Messenger.
Je mehr dieser Merkmale zusammentreffen, desto genauer sollte das Angebot geprüft werden.
Nicht jede verlustreiche Geldanlage ist automatisch Betrug
Für Anleger ist diese Unterscheidung besonders wichtig.
Kapitalanlagen sind grundsätzlich mit Risiken verbunden. Auch seriöse Investitionen können an Wert verlieren. Ein Kursverlust allein begründet daher noch keinen Betrugsverdacht.
Anders kann die Situation zu beurteilen sein, wenn beispielsweise
- wesentliche Informationen verschwiegen wurden,
- Risiken bewusst verharmlost wurden,
- falsche Tatsachen behauptet wurden,
- Rückkaufmöglichkeiten lediglich vorgetäuscht wurden,
- der tatsächliche Marktwert bewusst falsch dargestellt wurde,
- die angebotenen Zertifikate überhaupt nicht den gemachten Angaben entsprechen.
Ob lediglich ein wirtschaftliches Risiko verwirklicht wurde oder rechtlich relevante Pflichtverletzungen oder sogar strafbares Verhalten vorliegen, lässt sich regelmäßig erst nach einer sorgfältigen Prüfung der Vertragsunterlagen, der Kommunikation mit dem Anbieter und der konkreten Vertriebsumstände beurteilen.
Typische Mandantensituationen aus der Praxis
In der anwaltlichen Beratung ähneln sich viele Sachverhalte, auch wenn jeder Fall eigene Besonderheiten aufweist.
Häufig schildern Anleger unter anderem folgende Situationen:
Fallgruppe 1: Der versprochene Wiederverkauf bleibt aus
Ein Anleger investiert in CO₂-Zertifikate, nachdem ihm ein kurzfristiger Wiederverkauf mit Gewinn in Aussicht gestellt wurde. Monate später ist der Ansprechpartner nicht mehr erreichbar oder der Verkauf wird immer wieder verschoben.
Fallgruppe 2: Immer neue Gebühren
Nach der Investition erhält der Anleger mehrfach Zahlungsaufforderungen für angebliche Steuern, Freigaben oder internationale Bearbeitungskosten. Trotz weiterer Zahlungen erfolgt keine Auszahlung.
Fallgruppe 3: Plötzlicher Kontakt durch einen neuen Vermittler
Ein unbekanntes Unternehmen erklärt, die bereits gekauften Zertifikate vermitteln oder zurückkaufen zu können. Voraussetzung sei jedoch zunächst eine weitere Zahlung. Auch solche Konstellationen verdienen besondere Aufmerksamkeit, da Betrüger teilweise gezielt frühere Anleger erneut kontaktieren.
Erste Schritte bei einem Betrugsverdacht
Wer Zweifel an einer Investition in CO₂-Zertifikate hat, sollte überlegt handeln und vorschnelle Entscheidungen vermeiden.
Sinnvoll kann insbesondere sein:
- sämtliche Vertragsunterlagen aufzubewahren,
- Kontoauszüge und Zahlungsbelege zu sichern,
- E-Mails, Chatverläufe und Gesprächsnotizen zu dokumentieren,
- keine weiteren Zahlungen ohne vorherige Prüfung zu leisten,
- Ansprechpartner und beteiligte Unternehmen zu dokumentieren,
- den bisherigen Ablauf möglichst chronologisch festzuhalten.
Diese Unterlagen können später eine wichtige Grundlage für die rechtliche Bewertung bilden. Gleichzeitig lässt sich häufig besser nachvollziehen, welche Zusagen tatsächlich gemacht wurden und welche Beteiligten an der Vermittlung oder Abwicklung mitgewirkt haben.
Welche rechtlichen Ansprüche kommen bei betrügerischen CO₂-Zertifikaten in Betracht?
Erweist sich eine Anlage in CO₂-Zertifikate als problematisch, stellt sich häufig die Frage, ob investiertes Kapital zurückgefordert werden kann. Dabei gibt es regelmäßig nicht nur einen möglichen Anspruchsgegner. Je nach Sachverhalt kommen Ansprüche gegen den Anbieter, Vermittler oder weitere Beteiligte in Betracht.
Welche rechtliche Grundlage einschlägig ist, muss anhand des Einzelfalls geprüft werden. Häufig überschneiden sich mehrere Anspruchsgrundlagen.
Schadensersatz wegen fehlerhafter Beratung oder Aufklärung
Wurden Anleger vor Vertragsschluss unzutreffend informiert oder über wesentliche Risiken nicht aufgeklärt, können unter bestimmten Voraussetzungen Schadensersatzansprüche bestehen.
Zu prüfen ist insbesondere,
- welche Informationen tatsächlich erteilt wurden,
- welche Risiken verschwiegen oder verharmlost wurden,
- ob Angaben objektiv falsch waren,
- welche Erwartungen dadurch beim Anleger geweckt wurden.
Nicht jede unzutreffende Einschätzung begründet automatisch einen Schadensersatzanspruch. Entscheidend ist unter anderem, ob Aufklärungs- oder Beratungspflichten verletzt wurden und ob diese Pflichtverletzung für die Anlageentscheidung ursächlich war.
Ansprüche wegen arglistiger Täuschung
Hat ein Anbieter oder Vermittler bewusst falsche Angaben gemacht oder wesentliche Tatsachen verschwiegen, kann unter Umständen eine arglistige Täuschung vorliegen.
Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn
- ein tatsächlich nicht vorhandener Zweitmarkt behauptet wurde,
- Rückkaufzusagen lediglich vorgetäuscht wurden,
- der Wert der Zertifikate bewusst falsch dargestellt wurde,
- die tatsächliche Handelbarkeit verschleiert wurde.
Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine Anfechtung des Vertrags oder ein Schadensersatzanspruch in Betracht kommen. Ob die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind, bedarf jedoch stets einer sorgfältigen Prüfung.
Vertragliche Ansprüche
Auch der geschlossene Vertrag selbst kann Ansatzpunkte bieten.
Zu untersuchen sind unter anderem folgende Fragen:
- Welche Leistungen wurden konkret zugesagt?
- Wurden zugesicherte Eigenschaften tatsächlich erfüllt?
- Enthält der Vertrag Rückkaufvereinbarungen oder Garantien?
- Wurden vereinbarte Leistungen überhaupt erbracht?
Gerade bei internationalen Vertragsgestaltungen ist häufig zusätzlich zu klären, welches nationale Recht überhaupt Anwendung findet.
Deliktische Ansprüche
Neben vertraglichen Ansprüchen können auch gesetzliche Schadensersatzansprüche in Betracht kommen.
Dies gilt insbesondere dann, wenn vorsätzlich sittenwidriges Verhalten oder eine vorsätzliche Schädigung vorliegen könnte. Die Anforderungen hierfür sind allerdings hoch und müssen im jeweiligen Einzelfall nachgewiesen werden.
Welche Rolle spielt das Strafrecht?
Viele Anleger fragen sich, ob Strafanzeige erstattet werden sollte.
Besteht der Verdacht, dass Vermögenswerte durch Täuschung erlangt wurden, kann eine Strafanzeige wegen Betrugs oder anderer Vermögensdelikte sinnvoll sein.
Dabei sollte jedoch zwischen strafrechtlichen und zivilrechtlichen Verfahren unterschieden werden.
Ein Strafverfahren dient in erster Linie der Aufklärung möglicher Straftaten und der Ahndung strafbaren Verhaltens. Die Rückzahlung des investierten Kapitals erfolgt dadurch nicht automatisch.
Parallel kann es erforderlich sein, zivilrechtliche Ansprüche eigenständig geltend zu machen. Welche Vorgehensweise im konkreten Fall sinnvoll ist, hängt von der jeweiligen Sachlage ab.
Beweisfragen: Welche Unterlagen sind besonders wichtig?
Ob Ansprüche erfolgreich durchgesetzt werden können, hängt häufig entscheidend von der Beweislage ab.
Je früher relevante Unterlagen gesichert werden, desto besser lassen sich spätere Sachverhalte nachvollziehen.
Von besonderer Bedeutung sind häufig:
- Kauf- und Vermittlungsverträge,
- Zeichnungsscheine,
- Rechnungen,
- Zahlungsnachweise,
- Kontoauszüge,
- E-Mail-Korrespondenz,
- Messenger-Nachrichten,
- Gesprächsnotizen,
- Werbebroschüren,
- Präsentationen,
- Screenshots von Internetseiten,
- Telefonprotokolle.
Auch Aussagen von Zeugen können im Einzelfall eine wichtige Rolle spielen, etwa wenn Beratungsgespräche gemeinsam geführt wurden.
Nicht selten werden Internetseiten später abgeschaltet oder Ansprechpartner sind nicht mehr erreichbar. Deshalb empfiehlt es sich, vorhandene Informationen frühzeitig zu sichern.
Besondere Schwierigkeiten bei internationalen Anbietern
Viele Anbieter von CO₂-Zertifikaten haben ihren Sitz außerhalb Deutschlands oder nutzen internationale Unternehmensstrukturen.
Dies kann zusätzliche rechtliche Fragen aufwerfen:
- Welches Gericht ist zuständig?
- Welches nationale Recht gilt?
- Gegen welche Gesellschaft bestehen überhaupt Ansprüche?
- Wo befinden sich Vermögenswerte?
- Wie lassen sich Entscheidungen vollstrecken?
Internationale Konstellationen machen die Rechtsdurchsetzung häufig komplexer. Sie schließen Ansprüche jedoch nicht von vornherein aus.
Gerade deshalb ist eine genaue Analyse der Vertragsgestaltung sowie der beteiligten Unternehmen regelmäßig von erheblicher Bedeutung.
Verjährung: Warum Zeit ein wichtiger Faktor ist
Viele Betroffene warten zunächst ab und hoffen, dass versprochene Rückzahlungen oder Wiederverkäufe doch noch erfolgen.
Dadurch kann wertvolle Zeit verloren gehen.
Schadensersatzansprüche unterliegen grundsätzlich gesetzlichen Verjährungsfristen. Wann diese beginnen und welche Frist im Einzelfall gilt, hängt von verschiedenen rechtlichen Voraussetzungen ab.
Von Bedeutung können insbesondere sein:
- der Zeitpunkt der Investition,
- die Kenntnis von möglichen Pflichtverletzungen,
- spätere Täuschungshandlungen,
- Hemmungs- oder Unterbrechungstatbestände.
Da die Verjährung erhebliche Auswirkungen auf die Durchsetzbarkeit von Ansprüchen haben kann, sollte die Fristenlage frühzeitig geprüft werden.
Kostenrisiken richtig einschätzen
Viele geschädigte Anleger befürchten zusätzliche finanzielle Belastungen durch rechtliche Schritte.
Tatsächlich hängen die entstehenden Kosten von verschiedenen Faktoren ab.
Eine Rolle spielen unter anderem:
- die Höhe des geltend gemachten Schadens,
- die Erfolgsaussichten,
- die Anzahl der Anspruchsgegner,
- die internationale Ausgestaltung des Falls,
- der Umfang notwendiger Ermittlungen.
Teilweise besteht eine Rechtsschutzversicherung, die unter bestimmten Voraussetzungen Kosten übernehmen kann. Ob Versicherungsschutz besteht, sollte im Einzelfall geprüft werden.
Ebenso ist nicht in jedem Fall sofort ein Gerichtsverfahren erforderlich. Häufig wird zunächst untersucht, welche Ansprüche bestehen und gegen wen sie sinnvoll geltend gemacht werden können.
Häufige Fehler geschädigter Anleger
Nach dem Bekanntwerden möglicher Unregelmäßigkeiten reagieren viele Betroffene verständlicherweise unter erheblichem Druck. Gerade dann werden jedoch Fehler gemacht, die eine spätere Rechtsdurchsetzung erschweren können.
Dazu zählen insbesondere:
- weitere Zahlungen aufgrund neuer Versprechungen,
- vorschnelles Vernichten von Unterlagen,
- fehlende Dokumentation von Telefonaten,
- eigenständige Verhandlungen ohne ausreichende Kenntnis der Rechtslage,
- langes Abwarten trotz bestehender Zweifel,
- ungeprüfte Vergleichsangebote.
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn sich nach dem ursprünglichen Investment plötzlich neue Unternehmen melden und behaupten, den entstandenen Schaden kurzfristig beheben zu können.
Wann empfiehlt sich eine anwaltliche Prüfung?
Nicht jede problematische Kapitalanlage führt automatisch zu rechtlichen Ansprüchen. Ebenso bedeutet ein Wertverlust allein noch nicht, dass rechtswidriges Verhalten vorliegt.
Eine anwaltliche Prüfung kann jedoch insbesondere dann sinnvoll sein, wenn
- erhebliche Geldbeträge investiert wurden,
- Rückzahlungen ausbleiben,
- zugesagte Rückkäufe nicht erfolgen,
- der Anbieter nicht mehr erreichbar ist,
- weitere Zahlungen verlangt werden,
- Zweifel an der Echtheit oder Handelbarkeit der Zertifikate bestehen,
- internationale Gesellschaften beteiligt sind,
- Verjährungsfristen drohen.
Im Rahmen einer rechtlichen Prüfung werden regelmäßig unter anderem folgende Fragen untersucht:
- Wer ist tatsächlich Vertragspartner?
- Welche Zusagen wurden nachweisbar gemacht?
- Welche Ansprüche kommen in Betracht?
- Gegen wen können diese geltend gemacht werden?
- Welche Fristen sind zu beachten?
- Welche Beweise stehen zur Verfügung?
- Welche wirtschaftlich sinnvolle Vorgehensweise bietet sich an?
Gerade bei Kapitalanlagen im Bereich der CO₂-Zertifikate zeigt sich häufig, dass die rechtliche Bewertung wesentlich von Details der Vertragsgestaltung und der konkreten Kommunikation zwischen Anleger und Anbieter abhängt. Eine sorgfältige Analyse des Einzelfalls bildet daher regelmäßig die Grundlage für jede weitere Entscheidung.
Fazit: CO₂-Zertifikate als Anlage sorgfältig prüfen
CO₂-Zertifikate können in regulierten Märkten eine wichtige wirtschaftliche und klimapolitische Funktion erfüllen. Für private Anleger ist der Markt jedoch häufig schwer durchschaubar. Gerade diese Komplexität wird von unseriösen Anbietern genutzt, um vermeintlich sichere und besonders renditestarke Anlagen zu verkaufen.
Ein Betrugsverdacht sollte nicht vorschnell, aber auch nicht zu spät geprüft werden. Entscheidend ist, ob falsche Angaben gemacht, Risiken verschwiegen, Rückkaufmöglichkeiten nur vorgetäuscht oder nicht handelbare Zertifikate als werthaltige Anlage verkauft wurden.
Betroffene Anleger sollten Unterlagen sichern, weitere Zahlungen vermeiden und die rechtliche Situation strukturiert prüfen lassen. Ob Ansprüche bestehen und gegen wen sie durchgesetzt werden können, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab. Eine frühzeitige rechtliche Bewertung kann helfen, Handlungsmöglichkeiten realistisch einzuschätzen und vermeidbare Fehler zu verhindern.
FAQ zu CO₂-Zertifikaten als Anlage
Sind CO₂-Zertifikate für Privatanleger grundsätzlich unseriös?
Nein. CO₂-Zertifikate sind nicht automatisch unseriös. Problematisch wird es jedoch, wenn privaten Anlegern hohe oder sichere Gewinne versprochen werden, ohne die Handelbarkeit, Risiken und Kosten transparent darzustellen. Entscheidend ist die konkrete Ausgestaltung des Angebots.
Woran erkenne ich Betrug bei CO₂-Zertifikaten?
Warnsignale sind insbesondere garantierte Renditen, angebliche Rückkaufzusagen, hoher Zeitdruck, unklare Anbieterstrukturen, fehlende Risikoaufklärung und nachträgliche Zahlungsforderungen. Je mehr dieser Punkte zusammentreffen, desto genauer sollte der Fall geprüft werden.
Kann ich mein Geld zurückfordern?
Das ist möglich, aber nicht automatisch der Fall. Ansprüche können etwa wegen Falschberatung, Täuschung, Pflichtverletzungen oder deliktischem Verhalten bestehen. Ob eine Rückforderung Aussicht auf Erfolg hat, hängt von Vertrag, Kommunikation, Beweislage und Anspruchsgegnern ab.
Sollte ich bei Verdacht auf Betrug Strafanzeige erstatten?
Eine Strafanzeige kann sinnvoll sein, wenn der Verdacht besteht, dass Anleger bewusst getäuscht wurden. Sie ersetzt jedoch nicht zwingend die zivilrechtliche Geltendmachung von Rückzahlungs- oder Schadensersatzansprüchen.
Welche Unterlagen sollte ich aufbewahren?
Wichtig sind Verträge, Rechnungen, Zahlungsnachweise, E-Mails, Chatverläufe, Werbeunterlagen, Gesprächsnotizen, Screenshots und alle Nachweise über Zusagen des Anbieters oder Vermittlers. Diese Unterlagen können für die spätere rechtliche Prüfung entscheidend sein.
Wolfgang Herfurtner | Rechtsanwalt | Geschäftsführer | Gesellschafter
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