Envion AG – der Skandal weitet sich offenbar aus. Aktuell finden sich vermehrt Berichte über das Start-Up Unternehmen, das von dem Konzept ICO profitierte.

Die Firma Envion AG verwendete Token als Finanzierungsmöglichkeit und sammelte durch den Verkauf dieser firmeneigenen Token mehr als 100 Mio USD ein.

Die Geschäftsidee von Envion klingt zu gut, um wahr zu sein. Ebenso wie viele vergleichbare Firmen bot Envion als Dienstleistung an, Bitcoins zu schürfen bzw. zu „minen.“

Die größte Schwachstelle des BitCoins soll hierbei allerdings umgangen werden. Bekanntermaßen handelt es sich bei dieser Kryptowährung um das Produkt komplizierter Rechenleistungen. Hierbei entsteht ein enormer Energiebedarf, da die erforderlichen Hochleistungs-PCs Unmengen von Strom verbrauchen.

An den Ausmaßen des aktuellen Skandals zeigt sich, dass hierbei ein erhebliches Missbrauchspotential besteht.

Envion Token – Bitcoin-Mining für Jedermann durch Mining-Pools

Wollen Anleger in BitCoin investieren, werden Sie regelmäßig von den Material- und Verbrauchskosten abgeschreckt. Als Reaktion hierauf bieten verschiedene Firmen an, Serverleistung zu mieten, sogenannte „Mining Pools“.

Oftmals wird die Miete in Euro bezahlt, während der Ertrag dann direkt in BitCoin gutgeschrieben wird.

Was auf den ersten Blick praktisch und denkbar einfach klingt, birgt bei näherem Hinsehen viele Gefahren. Die Anleger, die oft ohnehin nur ein begrenztes technisches Verständnis für die hochkomplexen Themen rund um Kryptowährungen und Bitcoin haben dürften, begeben sich mit der Teilnahme an Mining-Pools in die Abhängigkeit der Anbieter wie Envion.

Wird diese Lage durch die Anbieter augenutzt, kann dies zu hohen Verlusten führen. Einige Mining-Pools stehen in dem Verdacht, als sogenannte Schneeballsysteme ausgestaltet zu sein.

Lassen sich hierfür genug Anhaltspunkte finden, haben die Anleger möglicherweise das Recht, Ihre Investition nach §§ 823 Abs. 2 BGB i.V.m. § 263 StGB zurückzufordern.

Auch Ansprüche aufgrund von unzureichender Informationen der Anleger im Vorwege sind denkbar (sog. Prospekthaftung gem. § 311 BGB). Auch ist es nicht ausgeschlossen, dass die zugrunde liegenden Verträge im Einzelnen widerruflich sein könnten, wenn die hierbei verwendete Belehrung fehlerhaft sein könnte.

Sollte eine Empfehlung oder Beratung hinsichtlich des Erwerbs von Tokens im Wege des ICO stattgefunden haben, wären weiterhin Ansprüche aufgund von Falschberatung denkbar.

Envion Betrug? Update Juni 2018

Envion – undurchsichtiges Geschäftsmodell durch Vergabe von Token?

Anders als Börsenkurse, welche die Werthaltigkeit real existierender Unternehmen abbilden, ist das Schürfen von Bitcoins weder messbar noch durch die Endkunden überprüfbar.

Generell gültige Standards gibt es nicht, ebenso wenig eine Aufsichtsbehörde. In der Theorie könnten die Mining-Unternehmen wie Envion Ihre Schürfergebnisse selbst festlegen, da eine Kontrolle über die Richtigkeit dieser Zahlen nicht stattfindet und kaum darstellbar wäre.

Envion- innovatives Start-Up oder ICO als Abzocke?

Die Envion AG ist ein junges Unternehmen, das eine neuartige Geschäftsidee durch ein ICO finanzieren wollte. Das hierbei verfolgte Ziel erscheint zunächst ideal.

Um die anfallenden Energiekosten möglichst niedrig zu halten, erstellte man das Konzept eines mobilen Mining-Pools. Dieser sollte dann an Orten platziert werden, die einen direkten Zugriff auf die jeweilige Energiequelle haben.

In dem aussagekräftigen Werbevideo befindet sich die gesamt Mining-Hardware in einem LKW, der zum Beispiel mitten in einem Feld voller Solar-Panels abgestellt werden kann. Das Video ist auf der Homepage des Schweizer Envion-AG abrufbar https://www.envion.org/en/.

Durch diesen Ansatz wollte Envion sich am Markt etablieren. Um das Vorhaben, mit mobilen Serverstationen weltweit zu den günstigsten Bedingungen auf Energie zugreifen zu können, wurde ein ICO ins Leben gerufen, durch das über 100 Mio USD zusammenkamen.

Dies wären ausreichend Mittel gewesen, um den Geschäftsbetrieb aufzunehmen. Stattdessen hat es den Anschein, als seien die Einnahmen möglicherweise auf unerklärliche Weise verschwunden.

Auch viele Deutsche investierten auf diese Weise, zumal es um ein Unternehmen handelt, dessen CEO, Matthias Woestmann aus Berlin stammt:

Anbieter von Mining-Kapazitäten mit Betrugsvorwürfen konfrontiert

Ob es sich bei dem vielversprechenden Projekt allerdings wirklich um ein seriöses Geschäft handelte, scheint zunehmend fraglich. Die Gründer verklagen sich gegenseitig. Es wird der Verdacht laut, dass die durch das ICO eingesammelten Gelder durch die Envion AG nicht sachgemäß genutzt wurden. Scheinbar sind mehrere Millionen Euro nicht auffindbar.

Die Anleger zeigen sich besorgt, die Entwicklung wird bereits als Skandal bezeichnet. Das firmeneigene Token fiel rapide im Wert. Zunächst war es statt des Startpreises von 1 USD pro Token auf 30 Cent, dann auf 15 Cent gesunken. Mittlerweile steht der Kurs offenbar auf 7 Cent für ein Token.

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft aufgrund des ICOs der Firma Envion

Es stehen verschiedene Vorwürfe im Raum, zum Beispiel wären mehr als 20 Millionen Tokens mehr verkauft worden als vorhanden gewesen seien.

Offenbar wurden durch den Geschäftsführer der Envion AG in Berlin Strafanzeige gegen die Gründer des Unternehmens gestellt. Die Schweizer Firma wehrt sich gegen die Vorwürfe und kündigten Gegenmaßnahmen an. Diese internen Unstimmigkeiten haben bereits in den einschlägigen Blogs, Foren und Online-Magazinen für Aufsehen gesorgt.

The Worst ICO of 2018? Programmer explains Envion.

Envion möglicherweise ohne funktionsfähigen Geschäftsbetrieb- was können Investoren tun?

Wenn sich herausstellen sollte, dass das ICO tatsächlich nicht dazu führen konnte, dass die Firma Envion ihren Betrieb wieder aufnehmen kann, wären die firmeneigenen Token quasi wertlos.

Anstatt der versprochenen Rendite von mehr als 150% würden die Investoren leer ausgehen. Enttäuschte Anleger stellen sich die Frage, ob sie einen Anspruch auf Schadensersatz haben und wie dieser durchzusetzen ist.

Wer sich unsicher ist, sollte sich im Zweifel durch einen auf dem Gebiet des Bank- und Kapitalanlagenrechts beraten lassen, der sich schwerpunktmäßig mit den Problemstellungen, die sich im Zusammenhang mit Kryptowährungen ergeben, befasst.

Neben der Prüfung und rechtlichen Einordnung der Ansprüche der Geschädigten kann ein Anwalt sie dabei unterstützen, außergerichtliche Lösungen zu finden. Darüber hinaus steht in der Regel auch der Zivil-Klageweg offen.