Erbfolge ohne Kinder: In Deutschland leben immer mehr Menschen kinderlos, was dazu führt, dass die Frage nach der Erbfolge ohne Kinder zunehmend an Bedeutung gewinnt. Dabei möchten viele Menschen wissen, wie die gesetzliche Regelung ist, was mit ihrem Vermögen geschieht, wenn sie keine Kinder haben und wie sie ihre Angehörigen oder andere Personen ihres Vertrauens am besten absichern können. Wir Ihnen die Grundlagen der Erbfolge ohne Kinder, die gesetzlichen Vorschriften und die verschiedenen Möglichkeiten der Nachlassplanung, um Ihnen einen umfassenden Überblick und praktische Ratschläge zu bieten.

Inhaltsverzeichnis:

  • Gesetzliche Erbfolge ohne Kinder: Eltern und Geschwister
  • Pflichtteilsberechtigte Personen: Wer hat Anspruch?
  • Erbvertrag und Testament zur individuellen Erbfolge-Regelung
  • Praxisbeispiel: Erbfolge ohne Kinder und bei Ehegatten
  • Erben und Beschenken zu Lebzeiten
  • Stiftungen und Vermächtnisse: Eine alternative Erbfolge ohne Kinder
  • Abschließende Gedanken zur Erbfolge ohne Kinder

Gesetzliche Erbfolge ohne Kinder: Eltern und Geschwister

Das Gesetz bietet eine Regelung für die Erbfolge, die in Kraft tritt, wenn der Verstorbene keine eigenen Kinder hinterlässt. Die gesetzliche Erbfolge sieht vor, dass die Eltern und die Geschwister des Verstorbenen zum Zuge kommen. Grundsätzlich wird dabei unterschieden zwischen der höchsten Ordnung Verwandter, die zum Zeitpunkt des Todes noch am Leben sind:

  • 1. Ordnung: Kinder des Verstorbenen (für diesen Fall nicht zutreffend)
  • 2. Ordnung: Eltern des Verstorbenen und deren Abkömmlinge (Geschwister, Nichten, Neffen)
  • 3. Ordnung: Großeltern des Verstorbenen und deren Abkömmlinge (Onkel, Tanten, Cousins, Cousinen)
  • 4. Ordnung: Urgroßeltern des Verstorbenen und deren Abkömmlinge

Bei einer kinderlosen Erbfolge steht im Fokus die 2. Ordnung. Leben zum Zeitpunkt des Erbfalls noch beide Elternteile, erhalten diese das Vermögen zu jeweils gleichen Teilen. Sind die Eltern bereits verstorben, wird das Erbe auf die Geschwister des Verstorbenen verteilt. Hierbei gilt zusätzlich die Unterteilung in Halb- und Vollgeschwister und deren Abkömmlinge. Sind auch keine Geschwister vorhanden, rückt die nächsthöhere Ordnung in die Erbfolge auf.

Pflichtteilsberechtigte Personen: Wer hat Anspruch?

Selbst wenn in einem Testament oder Erbvertrag die gesetzliche Erbfolge umgangen wird, bestehen Pflichtteilsansprüche. Diese Rechte gelten unabhängig davon, ob eine Person in der gewillkürten Erbfolge berücksichtigt wurde oder nicht. Im Falle einer Erbfolge ohne Kinder sind Pflichtteilsberechtigte:

  • Der überlebende Ehe- oder eingetragene Lebenspartner
  • Die Eltern des Verstorbenen
  • Volljährige, nichteheliche Kinder des Verstorbenen

Der Pflichtteil besteht aus der Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils der pflichtteilsberechtigten Person. Hierbei handelt es sich ausschließlich um Geldforderungen gegen den oder die Erben. Ein Anspruch auf persönlichen Besitz des Verstorbenen besteht im Rahmen des Pflichtteils nicht.

Erbvertrag und Testament zur individuellen Erbfolge-Regelung

Um sicherzustellen, dass das eigene Vermögen nach dem Tod gemäß den persönlichen Vorstellungen verteilt wird, ist es ratsam, Vorsorge zu treffen. Dies kann beispielsweise durch einen Erbvertrag oder ein Testament erfolgen.

Erbverträge sind schriftliche Vereinbarungen zwischen Erblasser und Erben. Sie müssen notariell beurkundet werden und sind für alle Beteiligten bindend. Im Gegensatz dazu kann ein Testament vom Erblasser jederzeit geändert oder widerrufen werden, solange er geschäftsfähig ist. Testamente müssen handschriftlich verfasst und unterschrieben sein, können jedoch auch notariell beurkundet werden, um Rechtsstreitigkeiten im Erbfall vorzubeugen.

Bei der Regelung der Erbfolge ohne Kinder haben Testament und Erbvertrag den Vorteil, dass der Erblasser selbst bestimmen kann, wer sein Vermögen erben soll. Dies können neben Ehe- oder Lebenspartner auch Freunde, Nichten und Neffen und entferntere Verwandte sein. Es ist auch möglich, eine Erbengemeinschaft zu bilden oder eine sogenannte Testamentsvollstreckung anzuordnen. Damit kann der Erblasser sicherstellen, dass bestimmte Vermögenswerte für einen bestimmten Zweck verwendet werden.

Praxisbeispiel: Erbfolge ohne Kinder und bei Ehegatten

Anhand eines konkreten Falles möchten wir Ihnen die verschiedenen Aspekte der Erbfolge ohne Kinder verdeutlichen:

Herr Müller ist kinderlos und verheiratet mit Frau Müller. Das Ehepaar besitzt ein Haus sowie zwei Auto und ein gemeinsames Bankkonto. Herr Müller hat neben seiner Ehefrau eine Schwester. Seine Eltern sind bereits verstorben. Herr Müller möchte sicherstellen, dass seine Frau bestmöglich abgesichert ist und auch seine Schwester von seinem Vermögen profitiert.

Ohne Testament oder Erbvertrag tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft. Infolgedessen würden Frau Müller drei Viertel des Vermögens erhalten, während die Schwester den restlichen Viertel bekommen würde.

Um den letzten Willen besser zu steuern, entscheidet sich Herr Müller jedoch dafür, ein Testament zu verfassen. Darin setzt er seine Frau als Alleinerbin ein. Gleichzeitig verfügt er, dass seine Schwester nach dem Tod von Frau Müller sein Vermögen erben soll. Damit wird die Schwester im konkreten Erbfall zunächst übergangen und erst nach dem Tod von Frau Müller zur Erbin. Herr Müller hat somit seine Frau bestmöglich abgesichert und gleichzeitig seine Schwester berücksichtigt.

Erben und Beschenken zu Lebzeiten

Eine weitere Möglichkeit, die Erbfolge ohne Kinder zu gestalten, ist die Schenkung von Vermögen zu Lebzeiten. Hierbei können verschiedene Gründe eine Rolle spielen:

  • Die Möglichkeit, nahestehenden Personen eine finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen
  • Die Vermeidung von Streitigkeiten im Rahmen der Erbfolge
  • Die Steuerersparnis, da Schenkungen alle zehn Jahre steuerfrei erfolgen können

Wichtig bei Schenkungen ist jedoch, dass sie als solche rechtswirksam vereinbart und vollzogen werden. Andernfalls könnten sie im Erbfall angefochten werden.

Stiftungen und Vermächtnisse: Eine alternative Erbfolge ohne Kinder

Wer bei der Erbfolge ohne Kinder einen guten Zweck fördern möchte, kann sein Vermögen einer gemeinnützigen Stiftung oder Organisation vermachen. Hierbei besteht die Möglichkeit, eine eigene Stiftung ins Leben zu rufen oder bestehenden Stiftungen Vermögenswerte zukommen zu lassen. Ebenso können Vermächtnisse eingesetzt werden, um einzelne Personen, Institutionen oder Projekte zu unterstützen.

Durch Stiftungen und Vermächtnisse lassen sich individuelle Vorstellungen und Wünsche bei der Erbfolge realisieren, während gleichzeitig gemeinnützige Zwecke gefördert werden können.

Abschließende Gedanken zur Erbfolge ohne Kinder

Die Erbfolge ohne Kinder ist ein Thema, das immer mehr Menschen betrifft. Als erfahrene Anwaltskanzlei empfehlen wir Ihnen, sich frühzeitig um die passenden Regelungen zur Verteilung Ihres Vermögens nach Ihrem Tod zu kümmern. Durch sorgfältige Nachlassplanung kann man sicherstellen, dass die eigenen Wünsche und Vorstellungen auch ohne eigene Kinder berücksichtigt werden. Ob durch ein Testament, einen Erbvertrag, Schenkungen, Stiftungen oder Vermächtnisse – es gibt zahlreiche Möglichkeiten, um die Lebenspartner, Verwandten und Freunde, die einem am Herzen liegen, abzusichern und im Erbfall zu berücksichtigen.

Häufig gestellte Fragen zur Erbfolge ohne Kinder: Steuern, gemeinnützige Organisationen und Partnerabsicherung

FAQ 1: Kann ich mein Vermögen komplett einer gemeinnützigen Organisation vererben?

Ja, es ist möglich, Ihr gesamtes Vermögen einer gemeinnützigen Organisation zu vererben. Dies kann durch ein Testament oder einen Erbvertrag geschehen. Hierbei empfiehlt es sich, eine genaue Formulierung zu wählen, damit Ihre Wünsche eindeutig sind und im Erbfall keine Streitigkeiten entstehen. Allerdings sollten Sie beachten, dass pflichtteilsberechtigte Personen wie Ihr Ehepartner oder Ihre Eltern einen Anspruch auf ihren Pflichtteil haben. Dieser beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils.

FAQ 2: Welche steuerlichen Aspekte sind bei der Erbfolge ohne Kinder zu berücksichtigen?

Bei der Erbfolge ohne Kinder spielen Steuern eine Rolle, insbesondere die Erbschaftsteuer. Je nach Verwandtschaftsgrad zwischen Erblasser und Erben gelten unterschiedliche Freibeträge und Steuersätze. Ehe- und Lebenspartner haben beispielsweise einen Freibetrag von 500.000 Euro, Geschwister einen Freibetrag von 20.000 Euro. Es ist ratsam, bei der Nachlassplanung steuerliche Aspekte zu berücksichtigen, um möglichen Steuerbelastungen für die Erben entgegenzuwirken. Eine Möglichkeit ist die Schenkung von Vermögen zu Lebzeiten, da Schenkungen alle zehn Jahre steuerfrei erfolgen können.

FAQ 3: Wie kann ich verhindern, dass mein Lebenspartner bei der Erbfolge übergangen wird?

Um sicherzustellen, dass Ihr Lebenspartner bei der Erbfolge nicht übergangen wird, sollten Sie ein Testament verfassen oder einen Erbvertrag abschließen. Im Testament können Sie Ihren Lebenspartner als Erben einsetzen und damit sicherstellen, dass er von dem Erbe profitiert. Ein Erbvertrag bietet zusätzliche Sicherheit, da er für alle Beteiligten bindend ist und nur gemeinschaftlich geändert oder aufgehoben werden kann. Beachten Sie jedoch, dass auch pflichtteilsberechtigte Personen weiterhin einen Anspruch auf ihren Pflichtteil haben und dieser bei der Nachlassplanung berücksichtigt werden sollte.

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