Faktor-Zertifikate sind strukturierte Finanzprodukte, die von Banken emittiert und vorwiegend an Privatkunden verkauft werden.

Haben Sie Faktor-Zertifikate gekauft und möchten uns Ihre Erfahrungen damit berichten oder stehen vor der Entscheidung in Faktor-Zertifikate zu investieren und möchten sich über die damit verbundenen Risiken informieren?

Suchen Sie das Gespräch mit einem Rechtsanwalt, der Ihre spezifischen Fragen zu diesem Thema qualifiziert beantworten kann. Bei Fragen zum Thema Faktor-Zertifikate stehen Ihnen die Rechtsanwälte der Kanzlei Herfurtner gerne zur Verfügung.

Die Rechtsanwälte betreuen Mandanten bundesweit und sind für Sie sowohl in München als auch in Hamburg erreichbar. Für die Vereinbarung eines Termins können Sie hier direkt Kontakt aufnehmen.

Faktor-Zertifikate – Was ist das eigentlich?

Bei einem Zertifikat handelt es sich um eine Schuldverschreibung. Da ihre Wertentwicklung von der Wertentwicklung anderer Finanzprodukte abhängt, wird ein Zertifikat auch als Derivat bezeichnet.

Anders als eine einfache Anleihe gewährt ein Zertifikat keine feste Verzinsung, sondern die Teilhabe am Erfolg oder Misserfolg des zugrundeliegenden Basiswertes. Dabei kann es sich bspw. um den Deutschen Aktienindex (DAX), einer Einzelaktie oder Rohstoff-Futures handeln. Gewettet werden kann sowohl auf steigende (Long-Zertifikat), als auch fallende Kurse (Short-Zertifikat).

Der Faktor eines Zertifikats bestimmt nichts anderes als den Hebel, mit dem der Anleger überproportional an dem Erfolg oder Misserfolg der Wertentwicklung des zugrundeliegenden Basiswertes teilhaben kann. Steigt beispielsweise der Basiswert eines Faktor 5 Zertifikats um 10 % erhält das Zertifikat durch den fünffachen Hebel einen 50%igen Wertzuwachs. Gleichermaßen verliert das Zertifikat 50 % seines Wertes, wenn der Basiswert 10 % einbüßt.

Durch den Hebel-Effekt haben Anleger also die Möglichkeit nur einen Bruchteil des tatsächlich bewegten Kapitals zu investieren, der Rest wird von der Bank als Emittentin des jeweiligen Hebelpapiers finanziert. Dadurch ergibt sich die Chance mit geringem Kapitaleinsatz ein deutlich höheres Ergebnis als bei einem Direktinvestment in den Basiswert zu erzielen – mit anderen Worten: eine gehebelte Wette!

Faktor-Zertifikate – Totalverlust quasi vorprogrammiert?

Faktor-Zertifikate als strukturierte Finanzprodukte sind hochspekulativ. Je höher der Faktor, desto höher das Risiko. Selbst wenn sich der Basiswert in die gewünschte Richtung dem Wert nach entwickelt, kann sich das Faktor-Zertifikat negativ entwickeln und es drohen herbe Verluste bis hin zum Totalverlust. Er Grund dafür liegt in der sogenannten Seitwärtsrendite und der Haltedauer.

Die empfohlene Anlagedauer von Faktor-Zertifikaten beträgt einen Tag.

Eine Untersuchung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin ) hat ergeben, dass Anleger Faktor-Zertifikate im Durchschnitt 43 Tage lang halten – manche sogar über Jahre. In dieser Zeit kommt es aufgrund der volatilen Seitwärtsphasen fast immer zu erheblichen Verlusten bis hin zum Totalverlust, denn der Basiswert wird täglich neu angepasst. Die Wette lohnt sich also nur für einen – die Bank!

Denn der Basiswert entwickelt sich in den seltensten Fällen geradlinig. Der Kurs einer Aktie schwankt – mal nach oben, mal nach unten. Und genau diese Kursschwankungen führen aufgrund des vereinbarten Faktors (Hebel) über eine längere Haltedauer zu Verlusten. Ein Aufholen von Verlusten ist bei Faktor-Zertifikaten mathematisch fast ausgeschlossen. Als Faustregel kann man sagen, dass je höher der Hebel ausfällt, desto wahrscheinlicher geht das Geld verloren.

Faktor-Zertifikate – Erfahrungen

Anleger gehen regelmäßig irrtümlich davon aus, dass sich der Kauf eines Faktor-Zertifikats bereits dann lohnt, wenn sich der Basiswert langfristig in die gewünschte Richtung entwickelt. Dem ist aufgrund der Kombination des Hebeleffektes und der volatilen Seitwärtsphase jedoch nicht so. Hinzu kommt, dass bei dem Kauf von Faktor-Zertifikaten Kosten anfallen, die je nach Bank unterschiedlich hoch ausfallen.

Die Bank verkauft den Anlegern also nicht nur eine Wette, die sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit gewinnen wird, sondern lässt sich dafür von den Anlegern auch noch bezahlen. Sehr viel einfacher lässt sich für eine Bank kaum Geld verdienen.

Wer ist die Zielgruppe?

Aufgrund der empfohlenen, sehr kurzen Haltedauer von nur einem Tag eignen sich Faktor-Zertifikate nur für sogenannte Daytrader  mit Erfahrungen mit
Finanztermingeschäften. Der Durchschnitt der Personen, die einer geregelten Arbeit nachgehen und sich um ihre Familie kümmern, wird es zeitlich kaum möglich sein, stündlich oder sogar minütlich Kursentwicklungen und Finanzmarktnachrichten nachzuvollziehen, um gegebenenfalls schnellstmöglich reagieren zu können.

Nicht umsonst bezeichnet die Wirtschaftswoche Faktor-Zertifikate als „Heiße Wette“ oder „Die liebsten Zockerpapiere der Deutschen“.

Ansprüche im Zweifel prüfen lassen und geltend machen

Anleger, die in Faktor-Zertikate investiert haben, werden sich vor dem Kauf in der Regel nicht von ihrem Bankberater beraten lassen haben, sondern die Papiere aufgrund von auf den Webseiten der Emittenten bereitgestellten Produktinformationen erworben haben. Solche Informationen müssen nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) vollständig und inhaltlich richtig sein und dürfen real existierende Risiken nicht verharmlosen.

Im Rahmen des persönlichen Austauschs können Anwälte die Situation analysieren und beurteilen, ob Ansprüche gegen den Emittenten bestehen. Gab es zusätzlich auch eine Beratung können sich auch daraus Ansprüche ergeben.

Die Rechtsanwaltskanzlei Herfurtner betreut Sie in Fragen des Bankrechts, Kapitalmarktrechts, Wirtschaftsrechts, und des Anlegerschutzes. Je eher Sie Ihre Ansprüche prüfen und geltend machen , desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie Ihr investiertes Geld wiederbekommen.