Firmenwertabschreibung – Der Begriff „Firmenwert“ oder Goodwill ist in der Unternehmenswelt von zentraler Bedeutung. Er repräsentiert den immateriellen Wert eines Unternehmens und ist oft entscheidend für fundierte Wertentscheidungen. Aber was genau bedeutet das? Und warum spielt die Firmenwertabschreibung in der Bilanzierung und im Controlling eine so kritische Rolle?

In diesem umfassenden Artikel wird die Firmenwertabschreibung detailliert beleuchtet, ihre Anwendung, rechtliche Grundlagen sowie Beispiele aus der Praxis und häufig gestellte Fragen.

Bevor wir in die Tiefe gehen, ist es wichtig, dass wir den Begriff des Firmenwerts klären. Unter dem Firmenwert versteht man den Betrag, um den die Kosten für ein Unternehmen den beizulegenden Zeitwert seiner identifizierbaren Vermögenswerte und Schulden übersteigen. Einfach ausgedrückt, ist es das, was ein Käufer bereit ist, über den reinen Buchwert der physischen Vermögenswerte hinaus für ein Unternehmen zu zahlen.

Dies geschieht oft aufgrund von nicht greifbaren Faktoren wie dem Ruf des Unternehmens, Kundenbeziehungen, Markenwert oder technologischen Fähigkeiten. Nun zur eigentlichen Frage: Was ist eine Abschreibung des Firmenwerts?

Was ist Firmenwertabschreibung?

Der Firmenwert bzw. Goodwill stellt einen wesentlichen Posten in der Bilanz eines Unternehmens dar, insbesondere nach einer Unternehmensübernahme. Doch anstatt diesen Betrag ewig in der Bilanz zu halten, muss er systematisch abgeschrieben werden. Dies bezeichnet man als Firmenwertabschreibung. Die Abschreibung erfolgt über einen bestimmten Zeitraum und berücksichtigt dabei den möglichen Wertverlust durch Marktveränderungen oder sonstige Faktoren. Verfahren zur Firmswertabschreibung sind sowohl im Handelsgesetzbuch (HGB) als auch in den International Financial Reporting Standards (IFRS) geregelt.

Rechtliche Grundlagen der Firmenwertabschreibung

Die rechtlichen Grundlagen für die Firmenwertabschreibung finden sich im

    • Handelsgesetzbuch (HGB)

Nach § 246 Abs. 1 HGB ist der erworbene Firmenwert in die Bilanz eines Unternehmens aufzunehmen und über seine voraussichtliche Nutzungsdauer abzuschreiben. Dabei ist gem. § 253 Abs. 3 HGB eine planmäßige lineare Abschreibung innerhalb von maximal 10 Jahren vorgesehen, wenn keine verlässliche Nutzungsdauer ermittelt werden kann.

    • International Financial Reporting Standards (IFRS)

Nach IFRS wird der Goodwill ebenfalls aktiviert und nicht planmäßig abgeschrieben, sondern einmal jährlich einem sogenanntes „Impairment Test“ gemäß IAS 36 unterzogen. Hierbei wird der Goodwill auf seine Werthaltigkeit geprüft und bei Bedarf wertberichtigt.

Anwendungsbeispiele der Firmenwertabschreibung

Die Bedeutung der Firmenwertabschreibung kann am besten durch konkrete Anwendungsbeispiele verdeutlicht werden. Stellen wir uns vor, ein Unternehmen kauft ein anderes für einen Preis, der den Buchwert der akquirierten Vermögenswerte übersteigt. Der Differenzbetrag wird als Goodwill in der Bilanz des Käuferunternehmens erfasst.

Anonymisierte Mandantengeschichte: Übernahme der XYZ GmbH

Beispielsweise übernahm die ABC AG die XYZ GmbH für 5 Millionen Euro, obwohl der Buchwert der erworbenen Vermögenswerte nur 3 Millionen Euro beträgt. Die Differenz von 2 Millionen Euro wird als Goodwill verbucht.

  • Kaufpreis: 5 Millionen Euro
  • Buchwert der erworbenen Vermögenswerte: 3 Millionen Euro
  • Goodwill: 2 Millionen Euro

Gemäß HGB wäre diese 2 Millionen Euro über 10 Jahre linear abzuschreiben, d.h., jährlich 200.000 Euro. Nach IFRS müsste jedoch ein Impairment Test durchgeführt werden. Sofern etwaige Marktveränderungen oder neue Bewertungserkenntnisse den Wert des Goodwill mindern, wird diese Minderung als Abschreibung in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst.

Vorteile und Herausforderungen der Firmenwertabschreibung

Die Firmenwertabschreibung bringt verschiedene Vorteile und Herausforderungen mit sich:

  • Wertbeständigkeit: Regelmäßige Abschreibungen halten die Bilanz realistisch und beugen einer Überbewertung vor.
  • Bedingte Sicherheit: Der Fokus auf übernommene Vermögenswerte sorgt für eine realistische Unternehmensbewertung nach Akquisitionen.
  • Herausforderung der Bewertung: Die Bestimmung der genauen Abschreibungsdauer ist oftmals schwierig, insbesondere bei immateriellen Vermögenswerten wie dem Goodwill.
  • Impairment Test: Während die lineare Abschreibung relativ einfach ist, erfordert der Impairment Test eine regelmäßige und aufwändige Neubewertung.

Checkliste: Schritte zur korrekten Firmenwertabschreibung

Um sicherzustellen, dass die Abschreibung des Firmenwerts korrekt durchgeführt wird, sollten Unternehmen die folgenden Schritte beachten:

  • Ermittlung des Goodwill: Ermitteln Sie den Differenzbetrag zwischen dem Kaufpreis und dem Buchwert der erworbenen Vermögenswerte.
  • Rechtliche Grundlage: Berücksichtigen Sie die aufgrund der HGB und IFRS geltenden Vorgaben und Regelungen.
  • Abschreibungsdauer: Bestimmen Sie eine realistische Nutzungsdauer für die Abschreibung oder führen Sie jährliche Impairment-Tests durch.
  • Dokumentation: Halten Sie sämtliche Bewertungen und Abschreibungsmethoden detailliert und nachvollziehbar fest.
  • Berichterstattung: Stellen Sie sicher, dass Goodwill und dessen Abschreibung in den Finanzberichten korrekt ausgewiesen werden.

Häufig gestellte Fragen zum Thema Firmenwertabschreibung

Das Thema Firmenwertabschreibung wirft oft viele Fragen auf. Im Folgenden sind einige der häufigsten Fragen und ihre Antworten aufgeführt:

Was passiert, wenn die Nutzungsdauer des Goodwill falsch eingeschätzt wird?

Falls die Nutzungsdauer des Goodwill falsch eingeschätzt wird und dieser zu schnell oder zu langsam abgeschrieben wird, kann dies die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung des Unternehmens erheblich verfälschen. Eine fehlerhafte Abschreibung kann zu einer Über- oder Unterbewertung des Unternehmens führen und hat somit direkte Auswirkungen auf das Rating und mögliche Finanzierungsalternativen.

Wie oft muss ein Impairment-Test nach IFRS durchgeführt werden?

Ein Impairment Test nach IFRS muss mindestens einmal im Jahr, vorzugsweise am Bilanzstichtag, durchgeführt werden. Wenn es jedoch Anzeichen für eine Wertminderung gibt, z.B. durch Marktveränderungen oder eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage, muss der Test häufiger durchgeführt werden.

Kann Goodwill auch wieder aufgewertet werden, wenn der Wert steigt?

Eine Aufwertung des Goodwill ist nach HGB und IFRS grundsätzlich nicht zulässig. Wertsteigerungen oder eine bessere Marktstellung des Unternehmens schlagen sich nicht direkt in einer Anpassung des Goodwill nieder, sondern können lediglich durch eine Verbesserung der operative Leistung erfasst werden.

Fazit: Die Bedeutung der Firmenwertabschreibung im unternehmerischen Kontext

Die Firmenwertabschreibung ist ein entscheidendes Instrument, um die finanziellen Realitäten eines Unternehmens nach einer Akquisition realistisch abzubilden. Während das Handelsgesetzbuch eine lineare Abschreibung des Goodwill vorschreibt, bieten die International Financial Reporting Standards eine flexiblere, aber aufwendigere Methode mittels jährlicher Wertminderungstests. Beide Ansätze haben ihre Vor- und Nachteile und es ist entscheidend, dass Unternehmen die für sie passende Methode korrekt anwenden und dokumentieren. Durch eine korrekte Firmenwertabschreibung wird nicht nur die Bilanz realistisch gehalten, sondern auch potenziellen Investoren und Kreditgebern ein realistisches Bild des Unternehmenswerts präsentiert.

Die Auseinandersetzung mit dem Thema Firmenwertabschreibung kann komplex und zeitaufwendig sein, ist jedoch unerlässlich für eine fundierte Unternehmensführung. Die rechtlichen Vorgaben und Methoden zur Bilanzierung des Goodwill schaffen eine notwendige Transparenz und tragen wesentlich zur langfristigen Stabilität und Glaubwürdigkeit eines Unternehmens bei.

Für weiterführende Fragen und individuelle Beratung steht Ihnen unsere Anwaltskanzlei jederzeit zur Verfügung. Sprechen Sie uns an und lassen Sie uns gemeinsam die Herausforderungen der Firmenwertabschreibung meistern.

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