Freilandhaltung – Tierschutz und Gesetz miteinander vereint: In diesem Blog-Beitrag dreht sich alles um das Thema Freilandhaltung von Nutztieren. Wir werfen einen Blick auf den rechtlichen Rahmen, der Freilandhaltung regelt, und beleuchten, wie Gesetze und Tierschutz miteinander vereinbart werden können.

Dabei ist das Ziel, für eine artgerechte Tierhaltung zu sorgen und gleichzeitig die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen. Wir werden auch auf praktische Aspekte eingehen, die Landwirten und Tierhaltern helfen sollen, sicher in diesem Bereich zu agieren.

Inhaltsverzeichnis:

  • Rechtliche Grundlagen der Freilandhaltung
  • Freilandhaltung und die Anforderungen des Tierschutzgesetzes
  • Freilandhaltung in der Praxis: Fallbeispiele und Checklisten
  • Vorteile der Freilandhaltung für Tiere und Umwelt
  • Umgang mit Tierwohl und Freilandhaltung in der Öffentlichkeit
  • FAQs rund um die Freilandhaltung
  • Tipps für Tierhalter und Landwirte: So gelingt die Umsetzung
  • Ausnahmen und spezielle Regelungen im Blick behalten
  • Fazit: Zusammenfassung und Ausblick

Rechtliche Grundlagen der Freilandhaltung

Die Freilandhaltung von Nutztieren unterliegt in Deutschland einer Vielzahl von Gesetzen und Verordnungen. Diese rechtlichen Rahmenbedingungen sollen dafür sorgen, dass die Tierhaltung sowohl aus Sicht des Tierschutzes als auch aus Sicht der landwirtschaftlichen Betriebe nachhaltig und erfolgreich gestaltet werden kann. Im Folgenden werden die wichtigsten Gesetzesgrundlagen zur Freilandhaltung von Nutztieren aufgeführt:

  • Tierschutzgesetz: Grundlegendes Gesetz, das den Schutz und die artgerechte Haltung von Tieren in Deutschland regelt.
  • Tierhaltungsverordnung: Das zentrale Gesetz, das konkret die Anforderungen an die Haltung von Nutztieren in verschiedenen Haltungssystemen regelt, einschließlich der Freilandhaltung.
  • Tiergesundheitsgesetz: Ein weiteres relevantes Gesetz, das präventiv gegen Tierseuchen und tierärztliche Maßnahmen bei der Tierhaltung wirkt.
  • Landwirtschaftsgesetz: Dieses Gesetz betrifft neben vielen anderen Aspekten der Landwirtschaft auch die Tierhaltung und die damit verbundenen Anforderungen an Infrastruktur, Baugenehmigungen, Wasserversorgung und andere Aspekte.

Freilandhaltung und die Anforderungen des Tierschutzgesetzes

Das Tierschutzgesetz gibt Tierhaltern eine Reihe von Pflichten auf, die sie erfüllen müssen, um eine artgerechte Haltung von Tieren gewährleisten zu können. Einige der wichtigsten Anforderungen für die Freilandhaltung sind:

  • Stallbauliche Anforderungen: Ställe müssen so gestaltet sein, dass sie den artgerechten Bedürfnissen der gehaltenen Tierarten entsprechen, ausreichend Licht und Belüftung bieten und tiergerecht eingerichtet sind.
  • Freilauf: Tiere müssen die Möglichkeit haben, ihren natürlichen Bewegungsdrang auszuleben. Für verschiedene Tierarten gibt es hier unterschiedliche Anforderungen an die Größe der Freilaufflächen. Regelungen dazu finden sich in der Tierhaltungsverordnung.
  • Weidepflicht: In bestimmten Fällen besteht für landwirtschaftliche Betriebe eine Weidepflicht, d.h. sie sind verpflichtet, ihre Nutztiere auf die Weide zu bringen.
  • Medizinische Betreuung: Die Gesundheit der Tiere ist ein zentrales Anliegen des Tierschutzgesetzes. Tierhalter sind verpflichtet, regelmäßige Kontrollen und Impfungen durchzuführen und Bedingungen zu schaffen, die die Gesundheit der Tiere fördern.

Freilandhaltung in der Praxis: Fallbeispiele und Checklisten

Um einen besseren Eindruck von den praktischen Anforderungen bei der Freilandhaltung von Nutztieren zu erhalten, betrachten wir exemplarisch zwei anonymisierte Fallstudien:

Fallstudie 1: Der Milchviehbetrieb mit Freilandhaltung

In diesem Beispiel geht es um einen landwirtschaftlichen Betrieb, der sich auf die Milchproduktion spezialisiert hat und seine Kühe in einer Freilandhaltung hält. Es handelt sich um einen Familienbetrieb in Norddeutschland mit etwa 100 Milchkühen, der bereits seit vielen Jahren erfolgreich im Bereich der Freilandhaltung tätig ist.

Der Betrieb hat sich aus mehreren Gründen für die Freilandhaltung entschieden:

  • Artgerechte Haltung der Milchkühe
  • Verbesserte Tiergesundheit und damit verbunden weniger Tierarztkosten
  • Öffentlichkeitsarbeit und Imagepflege durch die transparente und ökologische Haltung
  • Familientradition im Umgang mit der Weidehaltung

In diesem Fall musste der Betrieb zunächst sicherstellen, dass sämtliche rechtlichen Anforderungen erfüllt werden. Dazu zählten unter anderem:

  • Einrichtung eines einwandfrei funktionierenden Melksystems
  • Tägliche Überprüfung und Reinigung der Tränken und Futtertröge
  • Regelmäßige Kontrolle der Weidezäune, Tore und andere Sicherheitsvorkehrungen
  • Entwicklung eines Weideplans zur Bewirtschaftung der Flächen und zur Erfüllung der Weidepflicht
  • Vermarktung der Milch als Weidemilch und Nutzung von entsprechenden Logos

Fallstudie 2: Der Schweinemastbetrieb und die Umstellung auf Freilandhaltung

Im zweiten Fall geht es um einen Schweinemastbetrieb, der sich dazu entschlossen hat, seine Haltungssysteme umzustellen. Dabei kam es zu verschiedenen Herausforderungen und Fragestellungen:

  • Wie können die Stallanlagen so umgestaltet werden, dass sie den Anforderungen der Freilandhaltung gerecht werden?
  • Wie müssen die Freiläufe gestaltet sein, um sowohl den Tieren ein artgerechtes Leben zu ermöglichen als auch den gesetzlichen Rahmenbedingungen zu entsprechen?
  • Wie hoch sind die Investitionen für die Umstellung und welche Fördermaßnahmen stehen zur Verfügung?

Der Betrieb musste zahlreiche Maßnahmen umsetzen, um die Umstellung erfolgreich zu bewerkstelligen. Die wichtigsten Schritte waren dabei:

  • Eine eingehende rechts- und beratungsseitige Analyse der Umstellungspläne
  • Einrichtung von mobilen Ställen, um den Tieren ausreichend Schutz vor Witterungseinflüssen zu bieten
  • Anschaffung von Weidekugeln und Beschäftigungsmaterial für die Schweine
  • Ausarbeitung eines Hygiene- und Gesundheitskonzeptes für die Freilandhaltung
  • Nutzung von Förderprogrammen und Zusammenarbeit mit Beratungsstellen zur finanziellen Unterstützung der Umstellung

Vorteile der Freilandhaltung für Tiere und Umwelt

Die Freilandhaltung bringt eine ganze Reihe von positiven Aspekten für Tiere, Umwelt und Landwirte mit sich:

  • Artgerechte Haltung: Die Tiere können in der Freilandhaltung ihrem natürlichen Bewegungsdrang nachgehen und haben mehr Platz und frische Luft zur Verfügung als in einer konventionellen Stallhaltung.
  • Positive Auswirkungen auf die Gesundheit der Tiere: Tiere, die in Freilandhaltung leben, haben in der Regel ein geringeres Risiko für Krankheiten und Verletzungen, da sie sich bei ausreichender Bewegung und Raum flächendeckender und stressfreier aufhalten können.
  • Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung: Freilandhaltung kann zu einer verbesserten Bodenfruchtbarkeit und einer geringeren Belastung der Umwelt durch Ausscheidungen der Tiere beitragen, was insbesondere bei der Weidehaltung von Vorteil ist.
  • Wirtschaftliche Aspekte: Die Freilandhaltung kann aufgrund der höheren Tiergesundheit und des verbesserten Tierwohls zu einer höheren Produktqualität führen, die gegebenenfalls bessere Verkaufspreise ermöglicht. Zudem können durch die geringere Anfälligkeit für Krankheiten Tierarztkosten gesenkt werden.

Umgang mit Tierwohl und Freilandhaltung in der Öffentlichkeit

Der respektvolle Umgang mit Tieren und die Freilandhaltung sind Themen, die in der Öffentlichkeit zunehmend an Bedeutung gewinnen. Viele Verbraucher legen großen Wert auf artgerecht gehaltene Tiere und sind bereit, für entsprechende Produkte mehr Geld auszugeben:

  • Transparente und nachvollziehbare Haltungssysteme gewinnen an Bedeutung
  • Verbraucher sind informierter und hinterfragen Herkunft und Haltungsbedingungen von Produkten

Um die Vorzüge der Freilandhaltung optimal zu nutzen, sollten Landwirte und Tierhalter daher einige Punkte beachten:

  • Kommunikation und Information über die Freilandhaltung direkt beim Verkauf der Produkte oder bei öffentlichen Veranstaltungen
  • Aufbau von Vertrauen und Partnerschaften mit Verbrauchern und anderen landwirtschaftlichen Betrieben
  • Zusammenarbeit mit Tierschutzorganisationen und Beratungsstellen, um die Freilandhaltung kontinuierlich zu verbessern

FAQs rund um die Freilandhaltung

Hier beantworten wir die häufigsten Fragen rund um das Thema:

Was bedeutet Freilandhaltung genau?
Die Freilandhaltung bezieht sich auf Haltungssysteme von Nutztieren, bei denen die Tiere Zugang zu Freigeländen und/oder Weideflächen haben und so weitestgehend artgerecht leben können.

Gilt Freilandhaltung automatisch als besser für das Tierwohl als Stallhaltung?
Grundsätzlich bietet die Freilandhaltung mehr Möglichkeiten für ein besseres Tierwohl als die Stallhaltung. Das bedeutet jedoch nicht, dass automatisch jede Freilandhaltung besser ist als jede Stallhaltung. Es kommt immer auf die konkrete Umsetzung und Haltungsbedingungen an.

Können in der Freilandhaltung alle Tierarten gehalten werden?
Grundsätzlich eignet sich die Freilandhaltung für eine Vielzahl von Tierarten, insbesondere für Wiederkäuer, Schweine und Geflügel. Bei exotischen Nutztieren sollte jedoch eine individuelle Abwägung stattfinden, da nicht jede Tierart für die Freilandhaltung im deutschsprachigen Raum geeignet ist.

Welche Voraussetzung müssen Landwirte erfüllen, um auf Freilandhaltung umzustellen?
Die Umstellung erfordert in der Regel Investitionen in neue oder veränderte bauliche Anlagen, Managementpraktiken und möglicherweise auch in neue Tierarten. Zudem müssen gesetzliche Anforderungen beachtet und eingehalten werden.

Tipps für Tierhalter und Landwirte: So gelingt die Umsetzung

Die Freilandhaltung bietet viele Vorteile für Tierwohl, Umwelt und Wirtschaftlichkeit von landwirtschaftlichen Betrieben. Um die Umstellung erfolgreich zu meistern, sollten Tierhalter einige Punkte beachten:

  • Ausreichende Information und Beratung zur Haltung der gewünschten Tierarten
  • Einschätzung der baulichen, finanziellen und organisatorischen Herausforderungen der Umstellung auf Freilandhaltung
  • Berücksichtigung gesetzlicher Anforderungen und Zusammenarbeit mit Behörden
  • Management von Tiergesundheit und Tierwohl in der Freilandhaltung
  • Transparente Kommunikation gegenüber Verbrauchern und der Öffentlichkeit über das Engagement für Freilandhaltung und Tierwohl

Ausnahmen und spezielle Regelungen im Blick behalten

Es ist wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, dass es sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene Ausnahmen und spezielle Regelungen zum Thema gibt. Landwirte und Tierhalter sollten daher immer auf dem Laufenden bleiben und sich über aktuelle Entwicklungen und Gesetzesänderungen in diesem Bereich informieren.

Beispiele für Ausnahmen und Regelungen im Bereich Freilandhaltung:

  • Ausnahmen bei der Weidepflicht für bestimmte Tierarten oder Betriebsgrößen
  • Unterschiedliche Vorgaben für die Gestaltung von Auslaufflächen je nach Tierart oder Tiergruppe
  • Regionsspezifische Regelungen, beispielsweise besondere Auflagen in Wasserschutzgebieten
  • Variierende Regelungen und Auflagen für biologische vs. konventionelle Landwirtschaft

Fazit: Zusammenfassung und Ausblick

Freilandhaltung: Tierschutz und Gesetz miteinander vereint – Dieser Blog-Beitrag hat Ihnen einen umfassenden Überblick über die Freilandhaltung von Nutztieren gegeben und verdeutlicht, wie Tierschutz, rechtliche Anforderungen und wirtschaftliche Bedingungen miteinander vereinbart werden können. Dabei ist es wichtig, stets auf dem Laufenden zu bleiben und sich rechtlich kompetent beraten zu lassen.

Nutzen Sie die Chancen, die sich aus der Freilandhaltung ergeben, und setzen Sie sich aktiv für artgerechte Tierhaltung und Tierwohl ein. Dies wird sich langfristig sowohl für die Tiere als auch für Ihren landwirtschaftlichen Betrieb auszahlen.

Mithilfe dieses umfangreichen Leitfadens, der Ihnen einen fundierten Einblick in das Thema Freilandhaltung bietet, können Sie Ihr Wissen im Bereich Freilandhaltung und Tierwohl vertiefen und gestärkt für das Wohl der Tiere, Ihrer Kunden und Ihres Betriebes eintreten.

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