Gehalt Anwalt – Bei der Vergütung von Juristen sorgen viele Faktoren für deutliche Unterschiede. Vor allem spielt dabei das zweite Staatsexamen eine wichtige Rolle. Neben den akademischen Noten sind aber auch andere im Studium erworbene Qualifikationen, die Wahl der Rechtsgebiete, die Größe der Kanzlei, das Land, in dem sie ansässig ist, und die Berufserfahrung wichtige Faktoren für das Gehalt.

In der Regel verdienen Anwälte, die sich auf Wirtschafts-, Gesellschafts-, Insolvenz-, Bank- oder Kapitalmarktrecht spezialisiert haben, deutlich mehr als der Durchschnittsanwalt. Dagegen verdienen Anwälte, die sich auf Sozial-, Straf-, Familien- und Mietrecht fokussieren, durchschnittlich weniger Geld.

Auch der Standort hat einen Einfluss auf das Anwaltsgehalt: In den Großstädten Frankfurt, Hamburg, München, Stuttgart und Köln ist mit üppigen Gehältern zu rechnen, in den neuen Bundesländern hingegen vor allem mit niedrigeren.

Gehalt Anwalt – Auswirkungen des Fachkräftemangels

Die Coronapandemie hat sich auf den Arbeitsmarkt für Juristen und Anwälte ausgewirkt, aber inzwischen hat sich die Lage wieder beruhigt. Dennoch ist es unmöglich, die langfristigen Auswirkungen vorherzusagen.

Auch im Jahr 2022 können sich angehende Anwälte auf hohe Einstiegsgehälter freuen. Im Vergleich zu anderen Berufen waren diese schon immer großzügig, aber in den letzten Jahren ist das Leistungsniveau deutlich gestiegen.

Einstiegsgehalt für qualifizierte Juristen

Absolventen mit zwei oder mehr vorbereitenden Prüfungen sowie einer Bewertung von mindestens 90 % haben hervorragende Berufsaussichten. Sie sind als Arbeitskraft sehr geschätzt, da nur ein kleiner Prozentsatz der jährlich 7.500 Jura-Absolventen das zweite Staatsexamen mit derlei guten Noten besteht.

Der Bedarf an diesen hochqualifizierten Fachkräften ist groß. Entsprechend hoch sind die Einstiegsgehälter: Sechsstellige Eurobeträge waren 2018 noch die Ausnahme, sind aber in den renommiertesten Kanzleien der Welt immer häufiger anzutreffen.

In renommierten Großkanzleien kann das Jahresgehalt bis zu 150.000 EURO betragen.

Gehalt von angestellten Anwälten

Kanzleisitz und Unternehmensgröße sind entscheidende Faktoren für das Gehalt von Anwälten. Laut Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) verdienten angestellte Anwältinnen und Anwälte in Einzelkanzleien 2018 durchschnittlich 45.000 Euro pro Jahr, in Sozietäten 67.000 Euro pro Jahr.

Laut STAR-Bericht 2020 der BRAK gibt es speziell zwischen Groß- und Kleinstädten starke Unterschiede, wenn es um das Gehalt für einen Anwalt geht. In deutschen Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern liege der durchschnittliche Bruttoverdienst bei 83.000 Euro, in kleineren oder mittleren Städten dagegen bei 43.000 bis 45.000 Euro.

In Boutique-Kanzleien, d. h. Kanzleien mit weniger als 50 Anwälten, liegt das durchschnittliche Einstiegsgehalt bei 75.000 EURO. In kleinen Kanzleien mit 10 oder weniger Anwälten, die den deutschen Rechtsdienstleistungsmarkt dominieren, liegt das durchschnittliche Einstiegsgehalt für einen jungen Anwalt bei 50.000 EURO pro Jahr.

Gehalt Anwalt – eine lange Karriere zahlt sich aus

Die Gehälter von Anwälten steigen oft mit der Anzahl der Berufsjahre. Das ist vor allem in den großen Kanzleien zu sehen, wo Gehaltserhöhungen mit der Zeit üblich sind. Boutique-Kanzleien mit weniger als 50 Beschäftigten und noch kleinere Unternehmen sind bei Lohnstreitigkeiten häufiger an Partnerschaftsverträge gebunden.

Managing Associates oder Senior Associates mit drei bis sieben Jahren Erfahrung bei den großen Kanzleien können zwischen 150.000 und 200.000 Euro pro Jahr verdienen, wobei der Durchschnitt eher bei 125.000 Euro liegt.

Eine Promotion öffnet für Anwälte nicht nur Türen, die sonst verschlossen bleiben, sondern zahlt sich auch finanziell aus. Promovierte Anwältinnen und Anwälte verdienen im Durchschnitt 33.000 Euro mehr im Jahr. Früher war es für viele der Top-50-Kanzleien Voraussetzung, einen Doktortitel und/oder einen LL.M. (Master of Laws) einer ausländischen Universität zu haben, was heute aufgrund der hohen Nachfrage nach gut ausgebildeten Anwälten meist nicht mehr der Fall ist.

Wie hoch ist das Einkommen eines Kanzleipartners?

Partner in einer großen Anwaltskanzlei können mit einem Jahreseinkommen von etwa einer halben Million Euro rechnen. In diesem Fall können die Einkommen der Partner um bis zu 50 % variieren. Nachwuchskräfte erhalten oft ein festes Gehalt plus Zusatzleistungen, wobei in Deutschland ein Jahresgehalt von etwa 200.000 Euro die Regel ist.

Gehälter von Syndikusanwälten

„Syndikusanwalt“ bezeichnet einen Juristen, der nicht in einer Kanzlei arbeitet, sondern als Rechtsberater eines Unternehmens tätig ist. Die in letzter Zeit heiß umkämpften Stellen in den Rechtsabteilungen dieser Betriebe sind eine interessante Alternative zu den Großkanzleien.

Auch Associates, die lange Zeit in Großkanzleien gearbeitet haben, schlagen häufig diesen Weg ein. Wer nicht zum Partner befördert wird oder einfach nicht mehr so viel arbeiten will, geht und verlässt das Unternehmen. Dies schlägt sich meist auch darin nieder, wie viel Gehalt der Anwalt bezieht.

Wer hier viel Geld verdienen will, muss Verantwortung übernehmen. Denn das zahlt sich fast immer aus. Wer zum Beispiel als Syndikus in der Pharmabranche in einem Unternehmen mit 500 oder mehr Mitarbeitern arbeitet und Personalverantwortung hat, kann mit einem Jahresgehalt von 113.500 Euro rechnen.

In der Spitzengruppe dieser Kategorie werden Gehälter von weit über 125.000 Euro erzielt. Kleine Kanzleien und mittelständische Unternehmen zahlen frischgebackenen Juristen je nach Größe und Branche Gehälter zwischen 48.000 und 68.000 Euro.

Gehalt von Staatsanwälten: Unterschiede in den Bundesländern

Staatsanwälte und Staatsanwältinnen sind aufgrund ihrer Berufsbezeichnung Staatsbedienstete. In der Besoldungsordnung R (Richter und Staatsanwälte) ist ihre Besoldung festgelegt. Diese wird nach verschiedenen Kriterien in Gruppen eingeteilt. Je höher die Besoldungsgruppe des Staatsanwalts ist, desto höher fällt auch sein Einkommen aus.

Gleichzeitig ist das mögliche Gehalt von Bundesland zu Bundesland sehr variabel. Das sind die vom Deutschen Richterbund (DRB) veröffentlichten Richtwerte für 2020:

In Mecklenburg-Vorpommern verdient ein leitender, kinderloser Staatsanwalt im ersten Berufsjahr (Besoldungsgruppe R1) im Jahr 2020 51.288 Euro brutto, in Bayern sind es 58.008.

Selbst unter den Staatsanwälten mit jahrzehntelanger Erfahrung gibt es ein deutliches Verdienstgefälle. So verdient ein verheirateter Bundesstaatsanwalt mit zwei Kindern im Jahr 2020 im Bundesdienst in der Besoldungsgruppe R2/Endstufe fast 5.000 Euro mehr als vergleichbare Kollegen in Bremen.

Folgende Angaben sind Beispiele für das jährliche Bruttoeinkommen als Angehöriger des Bundesjustizdienstes, die beim Bundesgerichtshof arbeiten:

  • Staatsanwälte der Besoldungsgruppe R 2: rund 67.500 Euro
  • Oberstaatsanwälte der Besoldungsgruppe R 6: über 127.000 Euro
  • Generalbundesanwalt: rund 155.000 Euro

Ost-West-Vergleichbarkeit von Anwaltsgehältern

Wie bei vielen anderen Berufe auch, fallen die Gehälter von Anwälten in den alten Bundesländern höher aus als in den neuen. In der Anwaltschaft ist das Einkommensgefälle deutlich ausgeprägter.

Nach Angaben der BRAK, die sich auf Daten des statistischen Berichtssystems STAR stützen, lag das durchschnittliche Jahresgehalt von vollzeitbeschäftigten Rechtsanwälten im Jahr 2016 in den alten Bundesländern bei 76.000 Euro, während es in den neuen nur 37.000 Euro betrug.

Auch im Jahr 2022 dürfte sich an dieser Verteilung kaum etwas geändert haben.