Gelegenheits-Geschenke – Steuerfreie Ausnahmen und deren Bedeutung für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Ein spannender Aspekt des deutschen Steuerrechts sind die steuerfreien Ausnahmen bei sogenannten Gelegenheits-Geschenken. Dabei handelt es sich um Zuwendungen, die ein Arbeitgeber seinen Arbeitnehmern unabhängig vom Arbeitslohn machen kann, ohne dass diese als geldwerter Vorteil angesehen werden und deshalb steuerfrei bleiben. Doch welche Gelegenheits-Geschenke sind davon genau betroffen, unter welchen Voraussetzungen gelten sie als steuerfrei, und welche Bedeutung hat das für Arbeitnehmer und Arbeitgeber? Dieser Blog-Artikel widmet sich diesen Fragen und gibt wertvolle Hinweise für die steuerliche Praxis.

Inhaltsverzeichnis:

  • Definition und Bedeutung von Gelegenheits-Geschenken im Steuerrecht
  • Steuerliche Freigrenzen und lohnsteuerliche Behandlung von Gelegenheits-Geschenken
  • Steuerfreie Gelegenheits-Geschenke: Anlässe und Sachbezüge
  • Abgrenzung zu anderen steuerfreien Zuwendungen
  • Praxisbeispiele: Anwendung der steuerfreien Ausnahmen bei Gelegenheits-Geschenken
  • Checkliste: Steuerfreie Gelegenheits-Geschenke in der Lohnbuchhaltung berücksichtigen
  • FAQs: Häufig gestellte Fragen und Antworten zum Thema Gelegenheits-Geschenke und steuerfreie Ausnahmen

Definition und Bedeutung von Gelegenheits-Geschenken im Steuerrecht

Gelegenheits-Geschenke sind Zuwendungen, die Arbeitgeber ihren Arbeitnehmern aus besonderem Anlass gewähren, beispielsweise zu Geburtstagen, Hochzeiten oder Jubiläen. Sie sind vom Arbeitslohn zu unterscheiden, da sie nicht in direktem Zusammenhang zur Arbeitsleistung stehen, sondern vielmehr als persönliche Anerkennung oder Wertschätzung zu verstehen sind. Im deutschen Steuerrecht sind solche Gelegenheits-Geschenke unter bestimmten Voraussetzungen von der Lohnsteuer befreit, sodass die betreffenden Mitarbeiter nicht mit zusätzlichen steuerlichen Belastungen rechnen müssen.

Steuerliche Freigrenzen und lohnsteuerliche Behandlung von Gelegenheits-Geschenken

Die Lohnsteuerbefreiung für Gelegenheits-Geschenke ist in § 8 Abs. 2 S. 11 EStG geregelt. Demnach gelten Sachbezüge, die aus Anlass eines besonderen Ereignisses neben dem ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gewährt werden, als steuerfrei, sofern sie die Freigrenze von insgesamt 60 Euro pro Anlass und Arbeitnehmer nicht überschreiten. Werden mehrere Gelegenheits-Geschenke über das Kalenderjahr verteilt gewährt, bleibt die 60-Euro-Freigrenze pro Anlass bestehen.

Überschreitet der Wert eines Gelegenheits-Geschenks die Freigrenze, so ist nur der übersteigende Betrag steuerpflichtig. Dies gilt auch bei mehreren Zuwendungen im Rahmen eines Anlasses: Übersteigen die Geschenke zusammen den Freibetrag von 60 Euro, ist der überschreitende Betrag zu versteuern.

Steuerfreie Gelegenheits-Geschenke: Anlässe und Sachbezüge

Die steuerliche Begünstigung von Gelegenheits-Geschenken ist an bestimmte Anlässe und Voraussetzungen geknüpft. Dazu zählen:

  • Geburtstag
  • Hochzeit oder eingetragene Lebenspartnerschaft
  • Jubiläum oder Betriebszugehörigkeit
  • Geburt eines Kindes
  • Erfolgreicher Abschluss einer beruflichen Fortbildung oder Weiterbildung

Wichtig ist, dass die Zuwendung in Form von Sachbezügen erfolgt, also kein Bargeld oder geldwerte Vorteile darstellt. Typische Gelegenheits-Geschenke können beispielsweise Gutscheine, Präsentkörbe oder andere Sachprämien sein. Eine finanzielle Zuschussleistung oder eine Gehaltsaufstockung zählt hingegen nicht zu den steuerfreien Gelegenheits-Geschenken.

Abgrenzung zu anderen steuerfreien Zuwendungen

Die steuerfreien Gelegenheits-Geschenke sind nicht die einzigen Ausnahmen im Einkommensteuergesetz, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber steuerlich entlasten können. Weitere Beispiele sind:

Es ist jedoch wichtig, zwischen den verschiedenen steuerfreien Zuwendungen zu unterscheiden, sodass keine unzulässigen Kombinationen entstehen, die zu einer Überschreitung der einzelnen Freibeträge führen könnten.

Praxisbeispiele: Anwendung der steuerfreien Ausnahmen bei Gelegenheits-Geschenken

Nachfolgend finden Sie einige Beispiele aus der Praxis, die verdeutlichen, wie die steuerfreien Ausnahmen bei Gelegenheits-Geschenken angewendet werden können.

  1. Herr Müller erhält anlässlich seines Geburtstags von seinem Arbeitgeber einen Gutschein im Wert von 50 Euro. Die Freigrenze von 60 Euro wird nicht überschritten, sodass das Gelegenheits-Geschenk steuerfrei bleibt.
  2. Frau Schneider erhält zur Hochzeit einen Sachwert in Form eines Geschirrsets im Wert von 80 Euro. Da die Freigrenze überschritten wird, sind die übersteigenden 20 Euro steuerpflichtig.
  3. Zum 10-jährigen Firmenjubiläum bekommt Herr Meier im Laufe des Jahres zwei Geschenke im Wert von jeweils 40 Euro. Da die Freigrenze von 60 Euro für jeden Anlass gilt, sind beide Geschenke steuerfrei.

Checkliste: Steuerfreie Gelegenheits-Geschenke in der Lohnbuchhaltung berücksichtigen

Denken Sie über steuerfreie Gelegenheits-Geschenke für Ihre Mitarbeiter nach? Diese Checkliste hilft Ihnen, die steuerlichen Aspekte in der Lohnbuchhaltung zu beachten:

  • Identifizieren Sie die besonderen Anlässe, zu denen Sie Gelegenheits-Geschenke gewähren möchten (Geburtstage, Hochzeiten, Jubiläen etc.).
  • Stellen Sie sicher, dass die Zuwendungen in Form von Sachbezügen gewährt werden, um die steuerliche Freigrenze von 60 Euro pro Anlass und Arbeitnehmer in Anspruch nehmen zu können.
  • Überprüfen Sie, ob die 60-Euro-Freigrenze pro Anlass und Arbeitnehmer eingehalten wird. Beachten Sie dabei auch die Zusammenrechnung von Geschenken im Rahmen desselben Anlasses.
  • Dokumentieren Sie die Gelegenheits-Geschenke in Ihrer Lohnbuchhaltung, um eine ordnungsgemäße Erfassung für eventuelle Prüfungen durch das Finanzamt zu gewährleisten.
  • Haben Sie die steuerlichen Besonderheiten und möglichen Abgrenzungen zu anderen steuerfreien Zuwendungen im Blick.

FAQs: Häufig gestellte Fragen und Antworten zum Thema Gelegenheits-Geschenke und steuerfreie Ausnahmen

Die gängigsten Fragen und Antworten haben wir im Folgenden für Sie aufgeführt.

Kann ein Arbeitgeber mehrere Gelegenheits-Geschenke im Jahr steuerfrei gewähren?
Ja, solange die 60-Euro-Freigrenze pro Anlass und Arbeitnehmer nicht überschritten wird.

Gilt die steuerliche Freigrenze für Gelegenheits-Geschenke auch für Gutscheine?
Ja, sofern es sich um Sachgutscheine handelt und nicht um Geldgutscheine oder solche, die in Bargeld umgetauscht werden können.

Sind Gelegenheits-Geschenke immer steuerfrei, wenn die 60-Euro-Freigrenze eingehalten wird?
Grundsätzlich ja, allerdings müssen die Voraussetzungen wie Sachbezug und Anlass zutreffen. Zudem ist es wichtig, dass keine unzulässigen Kombinationen mit anderen steuerfreien Zuwendungen entstehen.

Muss ich steuerfreie Gelegenheitsgeschenke in der Lohnbuchhaltung dokumentieren?
Ja, es empfiehlt sich, alle Gelegenheitsgeschenke ordnungsgemäß zu erfassen, um bei eventuellen Prüfungen durch das Finanzamt keine Schwierigkeiten zu bekommen.

Kann ich als Arbeitgeber statt der Sachbezüge auch Geldzuwendungen als Gelegenheits-Geschenke gewähren?
Geldzuwendungen oder Gehaltsaufstockungen gelten nicht als steuerfreie Gelegenheits-Geschenke. Nur Sachbezüge können unter den Voraussetzungen des § 8 Abs. 2 S. 11 EStG steuerfrei bleiben.

Abschließende Gedanken

Die steuerlichen Ausnahmen bei Gelegenheits-Geschenken bieten Arbeitgebern eine gute Möglichkeit, ihre Mitarbeiter bei besonderen Anlässen wertzuschätzen, ohne dass diese steuerliche Nachteile in Kauf nehmen müssen. Dazu ist es jedoch wichtig, die Voraussetzungen und Besonderheiten im Steuerrecht zu kennen und entsprechend anzuwenden. In diesem Artikel haben wir die Grundlagen erläutert, Praxisbeispiele dargelegt und eine Checkliste für die Lohnbuchhaltung gegeben. Bei weiteren Fragen oder konkreten Anliegen empfiehlt es sich, fachkundigen Rat von einem erfahrenen Rechtsanwalt oder Steuerberater einzuholen.

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