Gewinnspiel Betrug – Die Nachricht von scheinbar hohen Gewinnen ist eine häufige Masche von Betrügern.

Stets ähnlich ist dabei die angewendete Strategie: Die Opfer werden aufgefordert, im Gegenzug für einen Gewinn, aktiv zu werden, z. B. „Gebühren“ zu zahlen, kostenpflichtige Telefonanrufe zu tätigen, persönliche Daten preiszugeben oder an Veranstaltungen wie Kaffeefahrten teilzunehmen, bei denen minderwertige Waren zu überhöhten Preisen verkauft werden.

Dabei gehen die Betrüger sehr kreativ vor und ändern ihr Vorgehen ständig. Ihr Ziel ist aber stets dasselbe: An sensible Daten und Finanzen ihrer Betrugsopfer zu gelangen.

Weitere Informationen zum Thema und beispielhaft dargestellte Betrugsmethoden finden Sie hier in diesem Beitrag – bereitgestellt von den Rechtsanwälten der Kanzlei Herfurtner.

Inhaltsverzeichnis

  1. Gewinnspiel Betrug – Abzocke mit Methode
    1.1 Bearbeitungsgebühr für Gewinnauszahlung?
    1.2 Persönliche Daten – ein wertvolles Gut
  2. Konkrete Hinweise auf Gewinnspiel Betrug
    2.1 Betrugsopfer zum Kauf drängen
    2.2 Scammer täuschen Behörden
    2.3 Bedrohung von Betrugsopfern
    2.4 Anweisung zu dubiosen Zahlungen
    2.5 Betrüger geben sich fälschlicherweise als Rechtsanwälte aus
    2.6 Täter simulieren echte Telefonnummern
  3. Falsche Gewinnversprechen: Verhaltenshinweise
    3.1 Gewinnspiel Betrug entlarven
    3.2 Kostenfalle Warteschleife Telefon
    3.3 Persönliche Gewinnübergabe
  4. Gewinnspiel Betrug: was tun? Anwalt berät
  5. 11 Ratschläge zu Ihrem Schutz vor Fake-Gewinnspielen
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Abzocke mit Methode: Gewinnspiel Betrug

Falsche Gewinnversprechen: Wer eine Mitteilung per Telefon, E-Mail oder Brief erhält, die zu einem überraschenden Gewinn gratuliert, sollte vorsichtig sein. Sie können sich nicht daran erinnern, an einem Gewinnspiel teilgenommen zu haben? Dann handelt es sich höchstwahrscheinlich um den Versuch eines Gewinnspiel Betruges.

So ist seit 2010 die Zahl der Strafverfahren wegen falscher Gewinnversprechen am Telefon bundesweit stetig gestiegen. In einzelnen Fällen sind Schäden im fünfstelligen Euro-Bereich entstanden.

Der vermeintliche Gewinn wird dem Gewinner per Brief oder Telefon übermittelt. Statt den Gewinn direkt zu erhalten, sollen die glücklichen Gewinner in Vorleistung gehen – Verbraucherschützer warnen vor irreführenden Gewinnzusagen.

„Bearbeitungsgebühr“ für Gewinnauszahlung?

Die Betrüger kontaktieren ihre Opfer in der Regel per Telefon oder Post und gelegentlich auch per E-Mail. In einigen Fällen versendeten die Täter auch SMS oder WhatsApp-Nachrichten.

Gegenüber den potenziellen Betrugsopfern behaupten die Kriminellen, sie hätten bei einer Lotterie eine hohe Geldsumme, ein hochwertiges Auto, eine luxuriöse Fernreise oder einen anderen wertvollen Gegenstand gewonnen.

Der Gewinn kann jedoch angeblich erst ausgezahlt werden, wenn eine „Bearbeitungsgebühr“ oder Selbstkostenbeitrag (bei einer Reise) entrichtet worden ist.

Eben jene vermeintliche Gebühr streichen sich die Täter jedoch selbst ein. Die Aushändigung eines Gewinns bleibt aus.

Persönliche Daten – ein wertvolles Gut

Persönliche Daten sind das Einzige, was die dubiosen Anbieter von Gewinnspielen interessiert, abgesehen von den angegebenen Bearbeitungsgebühren.

Diese Informationen werden an Organisationen und Firmen verkauft, die bestimmte Personengruppen mit Werbemaßnahmen ansprechen wollen. Selbstverständlich ohne deren Einwilligung.

Je nach Qualität des Datensatzes können die Täter fünf bis zehn Euro pro illegal verkauften Satz erzielen – ein lukratives Geschäft. Jeder Datensatz kann auch mehrfach verkauft werden.

Sind Ihre Daten erst einmal verkauft, besteht keine bzw. kaum eine Chance:

  1. herauszufinden an welche und wie viele Unternehmen sie verkauft wurden,
  2. sie löschen zu lassen.

Konkrete Hinweise auf Gewinnspiel Betrug

„Herzlichen Glückwunsch, Sie haben eine Reise nach Mauritius gewonnen!“

„Sie dürfen sich freuen – Sie sind Gewinner von 50.000 Euro“

Solche und ähnliche Formulierungen für angebliche Gewinne finden sich häufig in den Briefkästen der Verbraucher, insbesondere bei älteren Menschen. Statt eines großen Preises handelt es sich dabei jedoch meist um eine Masche, um Kunden anzulocken.

Das Ziel ist es, Sie dazu zu bewegen:

  • eine Anzahlung/Bearbeitungsgebühr/Selbstkostenbeitrag zu leisten
  • sensible Daten preiszugeben
  • zum Kauf anzuregen oder auf Verkaufsveranstaltungen wie Kaffeefahrten zu locken

Vor allem Versandhändler nutzen diese Strategie gerne, um für ihre Waren zu werben. Viele Verbraucher bestellen, weil die Werbung so schön formuliert ist. Der erhoffte Gewinn bleibt häufig aus, oder wenn er tatsächlich ausgehändigt wird, dann in einer sehr schlechten Qualität.

Betrugsopfer zum Kauf drängen

Preisversprechen kommen in verschiedenen Formen vor, darunter Direktwerbung, E-Mails und sogar Telefonanrufe. Manchmal werden auch Sachpreise versprochen.

In den allermeisten Fällen handelt es sich jedoch um den Versuch, Sie auf Verkaufsveranstaltungen zu locken und Sie dort mit gewissen Methoden unter Druck zu setzen oder zum Kauf zu überreden.

In jedem Fall wird versucht, den Kunden mit dem angeblichen Gewinn zum Konsum zu bewegen.

Nur wer das „Kleingedruckte“ liest, erkennt, dass es keinen Preis gibt. Stattdessen werden Warengutscheine ausgegeben, die eine Nachbestellung erforderlich machen oder eine Art Abonnement beinhalten.

Gewinnspiel Betrug: Scammer täuschen Behörden

Das alles ist natürlich nicht legal. Für den Versand von Werbe-SMS ist eine informierte Einwilligung des Empfängers erforderlich. Das gilt auch für die Weiterverwendung der Daten.

Die dubiosen Gewinnspielanbieter verwenden aus diesem Grund häufig fiktive Nummern oder nutzen Rufumleitungen. Dadurch können die Behörden den Inhaber nicht ermitteln.

Da die Anbieter zudem häufig im Ausland sitzen, ist die Durchsetzung von Ansprüchen schwierig.

Bedrohung von Betrugsopfern

Wenn der Angerufene skeptisch ist und sich nicht leicht überreden lässt, kommt es in vielen Fällen dazu, dass die Betrüger enormen Druck auf ihre Opfer ausüben und sie bedrohen.

Zahlt das Opfer jedoch, kontaktieren die Täter das Opfer wiederholt, um unter fadenscheinigen Gründen Geld zu verlangen.

Die Opfer hingegen sehen den versprochenen Gewinn nie. Und die von ihnen überwiesenen Gelder sind verschwunden.

Anweisung zu dubiosen Zahlungen

Die Täter schicken ihre Opfer zum Beispiel zu ihrer Bank, um die vermeintlichen Gebühren – die von einigen hundert bis über tausend Euro reichen können – per Bargeldtransfer zu überweisen.

Alternativ bewegen sie ihre Opfer dazu, Prepaid-Karten für Online-Transaktionen zu kaufen.

Diese Karten können in Form von Gutscheinen an einer Vielzahl von Tankstellen und Einzelhandelsgeschäften erworben werden. Der Käufer erhält mit dem Prepaid-Gutschein eine individuelle Nummer (PIN).

Diese Nummer ist praktisch Bargeld, denn mit ihr kann jeder, der sie besitzt, im Internet Transaktionen durchführen.

Deshalb bitten die Betrüger ihre Opfer um die Gutscheinnummer.

Betrüger treten als falsche Rechtsanwälte auf

Die Zielgruppe der kriminellen, gut organisierten Betrügergruppen besteht vor allem aus älteren Personen. Die Anrufer wirken versiert in der Gesprächsführung und überzeugend.

Sie geben vor, im Namen von Rechtsanwälten und Notaren anzurufen und bieten den angeblichen Gewinnern eine Rückrufnummer für die weitere Bearbeitung der Gewinne an, um ihre Opfer in falscher Sicherheit zu wiegen.

Wenn sich die „Gewinner“ mit den „Notaren“ oder „Anwälten“ in Verbindung setzen, werden sie aufgefordert, angebliche Kosten zu bezahlen, die vor dem Erhalt der Belohnung angefallen sind.

Täter simulieren echte Telefonnummern

Die Kriminellen verwenden für ihre Anrufe ein spezielles Verfahren, das es ihnen ermöglicht, auf dem Anrufer-ID-Display der Telefone ihrer Opfer eine andere Nummer anzuzeigen. Oft sind dies Telefonnummern von seriösen Institutionen wie Polizeibehörden oder Notare.

Falsche Gewinnversprechen: So sollten Sie sich verhalten

Wie bereits festgehalten, gibt es in der Regel keinen Gewinn. Dieser ist erfunden und erlogen.

Stattdessen versuchen die Anbieter und ihre Partner, Geld von Gewinnspielteilnehmern zu erpressen, indem sie sie am Telefon dazu überreden, Gewinnspielbeiträge, Zeitschriften oder fiktive Dienstleistungen zu abonnieren.

Die Kunden sollen die Gebühr im Hinblick auf einen vermeintlich kostenlosen Urlaub akzeptieren.

Gewinnspiel Betrug entlarven

Die Absender von falschen Gewinnversprechen wenden gezielt Marketingstrategien an. Durch bewusst eingesetzte Reize werden u. a. Teile des Gehirns aktiviert, die den Kunden dazu bringen, ohne nachzudenken zu kaufen.

Die Briefe enthalten sogenannte call-to-Actions (Aufforderungen zur Handlung). Fiktive Abgabefristen signalisieren eine Dringlichkeit (dieses Angebot gilt nur solange der Vorrat reicht!). Sowie eine persönliche Ansprache, die den Druck erhöhen und Vertrauen schaffen sollen.

Die Briefe sind häufig an eine ältere Zielgruppe adressiert und enthalten grafische Elemente wie Unterschriften, die u.a. an Sütterlin-Kalligrafie erinnern. Dies geschieht in der Absicht, gezielt Vertrauen zu schaffen.

Kostenfalle Warteschleife Telefon

Kommerzielle „Gewinnspiel“-Anbieter fordern ihre Opfer auch auf, eine bestimmte Telefonnummer zu wählen, um sich einen vermeintlichen Gewinnanspruch zu sichern, und zwar so schnell wie möglich.

Ein Anrufer kann sie auch anweisen, eine bestimmte Ziffer oder Ziffernfolge zu drücken. Wer dies tut, gerät zunächst in eine lange Warteschleife, bevor ein Gesprächspartner das Betrugsopfer bewusst lange an das Telefonat bindet.

Dies hat nur ein Ziel: den Anrufer so lange wie möglich in der Leitung zu halten, um überhöhte Telefongebühren zu kassieren.

Auf diese Weise wurden von vielen Opfern bereits mehrere hundert Euro wegtelefoniert.

Die Betrüger verwenden häufig gefälschte Straßen- und geografische Angaben, so dass es schwierig ist, zu überprüfen, wer hinter den Mailings steckt.

Persönliche Übergabe des Gewinns = Kaffeefahrten & Verkaufsveranstaltungen

Betrüger kontaktieren Sie nicht nur per Telefon oder E-Mail, sondern auch per Brief. Sie senden ihren Opfern Anschreiben in buntem Layout, in denen sie dem „glücklichen Gewinner“ hohe Geldpreise versprechen, die sie angeblich gewonnen haben.

Die Gewinner müssen sich lediglich für eine Veranstaltung anmelden, bei der das Geld angeblich ausgehändigt wird. Außerdem wird mit kostenlosen Mahlzeiten und Getränken sowie einer kostenfreien Busfahrt zum Treffen geworben. Ebenso werden die Betrugsopfer mit Zusatzpräsenten in die Verkaufsfalle gelockt.

Bei dieser Methode hoffen die Betrüger, die glücklichen „Gewinner“ zu einer Verkaufsaktion zu bewegen, bei dem minderwertige Waren zu überhöhten Preisen angeboten werden.

Rechtzeitige Rücksendung von bestellten Artikeln: In diesem Zusammenhang bestellte Waren können oft innerhalb der angegebenen Fristen zurückgeschickt werden. Wichtig ist auch eine Erklärung, dass Sie keine weiteren Werbe- oder Gewinnversprechen von diesem Anbieter erhalten möchten.

Gewinnspiel Betrug: was tun? Anwalt berät

Jeder, der Gewinnversprechen erhält, sollte sich überlegen, ob er an einer Verlosung teilgenommen hat.

Verbraucher sollten sich weigern, irgendwelche Vorleistungen zu erbringen, z. B. Artikel zu bestellen, Gebühren zu bezahlen oder ihre Kontonummer preiszugeben, wenn sie dazu aufgefordert werden.

Verbraucherorganisationen raten davon ab, Ausgaben oder Käufe zu tätigen, die man auch dann nicht tätigen würde, wenn man keinen Preis versprochen bekommt.

Die Verbraucherzentralen, Betrugsanwälte und die Polizei raten den Verbrauchern im Allgemeinen dringend, nicht auf angebliche Gewinnangebote einzugehen.

Wer dies dennoch tut, muss damit rechnen, dass er mit weiteren solchen Angeboten bombardiert wird.

Der Vermerk „Zurück an den Absender“ auf dem ungeöffneten Brief ist eine Möglichkeit, die Gewinnversprechen einzudämmen.

11 Ratschläge zu Ihrem Schutz vor Gewinnspiel Betrug

Hier lesen Sie 11 konkrete Handlungshinweise, mit denen Sie sich vor einem Gewinnspiel Betrug schützen können:

  1. Denken Sie daran, dass Sie nichts gewinnen können, wenn Sie nicht an einer Lotterie teilgenommen haben!
  2. Überprüfen Sie mindestens einmal im Monat Ihre Kontoauszüge und Ihre Telefonrechnung.
  3. Unberechtigte Abbuchungen sind in Deutschland eine Form des Betrugs gemäß § 263 des Strafgesetzbuches. Im Zweifelsfall sollten Sie sich an die Polizei und an einen Rechtsanwalt für Betrug wenden.
  4. Lehnen Sie unberechtigte Geldanfragen ab.
  5. Geben Sie niemals Geld aus, um einen Gewinn zu erhalten, zahlen Sie keine Gebühren und wählen Sie keine gebührenpflichtigen Sonderrufnummern. Gebührenpflichtige Sonderrufnummern beginnen z. B. mit den Vorwahlen: 0180… oder 0900…
  6. Eine gute Möglichkeit, sich zu schützen, ist es, einen vermeintlichen Vertrag zu widerrufen und wegen falscher Angaben anzufechten.
  7. Gehen Sie am Telefon keine Verpflichtungen ein. Machen Sie keine Zusagen. Vermeiden Sie es, Äußerungen einfach zu bejahen, sondern machen Sie unmissverständlich in ganzen Sätzen klar, dass Sie keinerlei Interesse haben.
  8. Lassen Sie unzulässige Abbuchungen von Ihrer Bank oder Sparkasse rückgängig machen. Sie können den Abbuchungen problemlos widersprechen, wenn Sie dies innerhalb einer bestimmten Frist tun. Wenden Sie sich außerdem umgehend an Ihren Rechtsanwalt.
  9. Geben Sie niemals persönliche Informationen wie Telefonnummern, Adressen, Kontodaten, Bankleitzahlen, Kreditkartennummern oder ähnliche Informationen weiter.
  10. Fragen Sie den Anrufer nach seinem Namen, seiner Adresse und seiner Telefonnummer sowie nach Informationen über das Gewinnspiel und den Preis, den Sie gewonnen haben. Erstellen Sie eine Liste der Antworten.
  11. Informieren Sie Ihren Telefondienstanbieter so schnell wie möglich über die ungerechtfertigte Forderung. Der Anbieter kann sich dann dafür entscheiden, nur den Teil der Rechnung einzuziehen, der gerechtfertigt ist. Wenn bereits eine Abbuchung über den gesamten Betrag erfolgt ist, sollten Sie diese bei Ihrem Finanzinstitut anfechten und nur den Teil der Telefonrechnung bezahlen, der gerechtfertigt ist.

Sie vermuten, Opfer von Gewinnspiel Betrug zu sein und benötigen eine Rechtsberatung? Kontaktieren Sie die Rechtsanwälte der Kanzlei Herfurtner.

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