Die Gründung eines Immobilienunternehmens ist ein bedeutender Schritt mit weitreichenden Konsequenzen für Vermögensbildung und Steuereffizienz. Immobilien sind seit jeher ein beliebtes Anlageobjekt, und das mit gutem Grund: Sie bieten eine stabile Wertentwicklung und regelmäßige Einkünfte aus Mieteinnahmen. Insbesondere in wirtschaftlich unsicheren Zeiten sind Immobilien oft ein sicherer Hafen für Kapital. Kluge Investoren überlegen daher, ob die Gründung einer eigenen Immobiliengesellschaft nicht der bestmögliche Weg ist, um diese Investmentstrategie zu optimieren.

Die Gründung einer Immobiliengesellschaft kann in verschiedenen Konstellationen sinnvoll sein: Sei es für die Verwaltung von Wohngebäuden, Büroimmobilien oder Mischobjekten, oder für spezifische Projekte wie den Bau von Einkaufszentren oder Ferienanlagen. Doch stellt sich dabei die Frage: Wann genau ist der richtige Zeitpunkt und welche Vorteile bietet eine solche Struktur?

Rechtliche Grundlagen und Gesellschaftsformen

Die Wahl der richtigen Gesellschaftsform ist ein entscheidender Schritt bei der Gründung einer Immobiliengesellschaft. In Deutschland stehen Ihnen verschiedene Gesellschaftsformen zur Verfügung, die sich je nach Zielsetzung und Umfang Ihrer geplanten Aktivitäten eignen:

  • Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH): Die GmbH ist die wohl bekannteste und am weitesten verbreitete Form für unternehmerische Tätigkeiten in Deutschland. Ihre Haftung ist auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt, was ein großer Vorteil ist.
  • Kommanditgesellschaft (KG): Hier haben Sie die Möglichkeit, Partner mit unterschiedlichem Haftungsumfang zu beteiligen. Der Komplementär haftet dabei unbeschränkt, während die Haftung der Kommanditisten auf ihre Einlage beschränkt ist.
  • Aktiengesellschaft (AG): Für größere Projekte und umfangreiche Investitionen kann die Gründung einer AG sinnvoll sein. Sie bietet eine hohe Kapitalisierungsmöglichkeit und erleichtert den Zugang zu Kapitalmärkten.
  • GmbH & Co. KG: Diese hybride Form kombiniert die Vorteile der GmbH und der KG und ist besonders in der Immobilienbranche beliebt. Hier übernimmt eine GmbH die Rolle des Komplementärs, wodurch die Haftung beschränkt wird.

Vor- und Nachteile der einzelnen Gesellschaftsformen

Jede dieser Gesellschaftsformen hat ihre spezifischen Vor- und Nachteile, die bei der Entscheidung berücksichtigt werden sollten.

  • GmbH:
    • Vorteile: Beschränkte Haftung, klare Strukturen, hohe Akzeptanz bei Banken und Geschäftspartnern.
    • Nachteile: Gründungskosten, formale Anforderungen, ggf. höhere Steuerbelastung im Vergleich zu Personengesellschaften.
  • KG:
    • Vorteile: Flexibilität bei der Beteiligung von Investoren, einfache steuerliche Behandlung.
    • Nachteile: Unbeschränkte Haftung des Komplementärs, Komplementär kann natürliche Person sein, was das Risiko erhöht.
  • AG:
    • Vorteile: Hohe Kapitaleinlage, Zugang zu Börse und Kapitalmarkt, beschränkte Haftung der Aktionäre.
    • Nachteile: Hohe Gründungskosten, aufwändige Verwaltung und hohe formale Anforderungen.
  • GmbH & Co. KG:
    • Vorteile: Kombination der Vorteile von GmbH und KG, beschränkte Haftung durch GmbH-Konstruktion.
    • Nachteile: Komplexere Struktur, höhere Gründungskosten im Vergleich zu KG.

Steuerliche Vorteile einer Immobiliengesellschaft

Ein wesentlicher Grund, eine Immobiliengesellschaft zu gründen, sind die damit verbundenen steuerlichen Vorteile. Diese können erhebliche Einsparungen ermöglichen und somit die Rentabilität Ihrer Investitionen steigern. Hier sind einige Kernpunkte:

  • Geringere Einkommensteuer: Gewinne, die innerhalb einer Körperschaft wie einer GmbH oder AG erzielt werden, unterliegen der Körperschaftsteuer. Diese ist in der Regel niedriger als die Einkommensteuer, die auf Gewinne einer natürlichen Person erhoben wird.
  • Optimierung der Gewerbesteuer: Mit strategischen Maßnahmen wie der Nutzung von Gewerbesteuerhebesätzen in günstigen Gemeinden oder der Reduktion durch Anrechnungsmöglichkeiten können Gewerbesteuern gesenkt werden.
  • Abschreibungen: Immobiliengesellschaften können verschiedene Abschreibungsmöglichkeiten nutzen, um die Steuerlast zu minimieren. Insbesondere AfA (Absetzung für Abnutzung) spielt hier eine große Rolle.
  • Verlustvorträge und -rückträge: Verlustvorträge und -rückträge ermöglichen es, Verluste aus einem Geschäftsjahr mit Gewinnen aus anderen Jahren zu verrechnen, was die Steuerlast weiter senken kann.

Beispiel: Steueroptimierungen durch Abschreibungen

Angenommen, Sie investieren in ein Mehrfamilienhaus und gründen dazu eine GmbH. Die Anschaffungskosten belaufen sich auf 1 Million Euro. Diese Kosten werden über mehrere Jahre abgeschrieben. Jährlich könnten Sie so einen erheblichen Betrag steuerlich geltend machen und dadurch Ihre zu versteuernden Einkünfte reduzieren.

Ein weiteres Beispiel ist die Nutzung von Sonderabschreibungen, beispielsweise bei energetischen Sanierungen. Diese können teils über mehrere Jahre verteilt und so langfristig steuerliche Vorteile generiert werden.

Kapitalbeschaffung und Finanzierung

Eine Immobiliengesellschaft bietet verschiedene Möglichkeiten der Kapitalbeschaffung, die für Einzelpersonen oder einfache Eigentümergemeinschaften oft nicht zugänglich sind. Kapitalbeschaffung kann über diverse Wege erfolgen:

  • Eigenkapital: Investoren können Anteile an der Immobiliengesellschaft erwerben und somit Eigenkapital zur Verfügung stellen.
  • Fremdkapital: Banken und andere Kreditinstitute bieten umfangreiche Finanzierungsmöglichkeiten für Gesellschaften, insbesondere wenn diese über eine solide Eigenkapitalbasis verfügen.
  • Öffentliche Fördermittel: Besonders in Bereichen wie energetischer Sanierung oder sozialem Wohnungsbau gibt es zahlreiche öffentliche Förderprogramme, die genutzt werden können.

Praxisbeispiel: Nutzung von Fremdkapital

Angenommen, Ihre Immobiliengesellschaft plant den Bau eines Bürogebäudes im Wert von 10 Millionen Euro. Durch die Einbringung von Eigenkapital in Höhe von 3 Millionen Euro und die Aufnahme eines Bankdarlehens über 7 Millionen Euro können Sie das Projekt realisieren.

Ein gut ausgearbeiteter Businessplan und eine solide Finanzierungsstruktur erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Banken bereit sind, hohe Darlehensbeträge zu gewähren. Gleichzeitig reduziert die Nutzung von Fremdkapital das Risiko und ermöglicht größere Hebelwirkungen bei der Kapitalrentabilität.

Haftung und Risikomanagement

Ein weiterer Punkt, der für die Gründung einer Immobiliengesellschaft spricht, ist das effektive Risikomanagement, insbesondere in Bezug auf Haftungsfragen. Jede unternehmerische Tätigkeit birgt Risiken und im Immobilienbereich sind diese besonders vielfältig:

  • Bauschäden und -mängel: Beim Bau oder Kauf von Immobilien können Schäden und Mängel auftreten, für die Haftung übernommen werden muss.
  • Mietausfälle: Mietausfälle durch zahlungsunfähige Mieter oder Leerstand können erhebliche finanzielle Einbußen bedeuten.
  • Markt- und Preisrisiken: Schwankungen auf dem Immobilienmarkt können sich negativ auf den Wert von Immobilien auswirken.
  • Rechtliche Risiken: Streitigkeiten mit Mietern, Behörden oder Geschäftspartnern können zu langwierigen und kostenintensiven juristischen Auseinandersetzungen führen.

Praktische Lösungsansätze zum Risikomanagement

Im Folgenden werden einige praxiserprobte Ansätze dargestellt, wie Sie diese Risiken minimieren können:

  • Versicherungen: Der Abschluss umfassender Versicherungen (wie Bauherrenhaftpflicht, Gebäudeversicherung, Mietausfallversicherung) hilft, finanzielle Risiken zu minimieren.
  • Bau- und Projektmanagement: Ein professionelles Bau- und Projektmanagement reduziert die Wahrscheinlichkeit von Baufehlern und Kostenüberschreitungen.
  • Solide Verträge: Gut ausgearbeitete und rechtlich geprüfte Verträge mit Mietern und Geschäftspartnern schaffen Sicherheit und Klarheit.
  • Bonitätsprüfung: Vor der Vertragsunterzeichnung sollte eine gründliche Bonitätsprüfung von potenziellen Mietern und Geschäftspartnern erfolgen.

Rechtliche und regulatorische Aspekte

Die Gründung und Führung einer Immobiliengesellschaft erfordert die Einhaltung verschiedener rechtlicher und regulatorischer Vorschriften. Diese betreffen sowohl die Gründung als auch den laufenden Geschäftsbetrieb und können je nach Gesellschaftsform unterschiedlich sein:

  • Gewerbeanmeldung: Jede Gesellschaft, die gewerbliche Tätigkeiten ausführt, muss entsprechend angemeldet werden.
  • Steuerliche Registrierung: Eine steuerliche Registrierung beim Finanzamt ist erforderlich, und es müssen regelmäßige Steuererklärungen abgegeben werden.
  • Gesellschaftsvertrag: Ein detaillierter und rechtlich einwandfreier Gesellschaftsvertrag ist essenziell und muss bei Notar beurkundet werden.
  • Jahresabschlüsse: Je nach Gesellschaftsform sind Jahresabschlüsse und gegebenenfalls eine Publizierung im Bundesanzeiger erforderlich.
  • Datenschutz: Da im Immobilienbereich zahlreiche personenbezogene Daten verarbeitet werden, ist eine Einhaltung der DSGVO zwingend notwendig.

Beispiel: Bedeutung des Gesellschaftsvertrages

Der Gesellschaftsvertrag bildet das Fundament jeder Gesellschaft und enthält wesentliche Regelungen zur Organisation und Geschäftsführung. Beispielsweise sollten folgende Punkte gut durchdacht und klar definiert sein:

  • Bezeichnung und Sitz der Gesellschaft
  • Gegenstand des Unternehmens
  • Stammkapital und Geschäftsjahresende
  • Gesellschafter und deren Einlagen
  • Geschäftsführung und Vertretung
  • Gewinnverteilung und Verlustzuweisung
  • Regelungen zur Auflösung der Gesellschaft

Eine klare und vorausschauende Gestaltung des Gesellschaftsvertrages kann spätere Streitigkeiten vermeiden und dient als wichtige Orientierungshilfe im Geschäftsalltag. Es wird empfohlen, bei der Erstellung eines Gesellschaftsvertrages rechtlichen Rat hinzuzuziehen.

Praktische Beispiele und Fallstudien

Die Theorie ist ein wichtiger Aspekt der strategischen Planung, doch zeigen praktische Beispiele und Fallstudien, wie die Gründung und Führung einer Immobiliengesellschaft tatsächlich funktioniert:

Fallstudie 1: Erfolgreiche Sanierung und Vermietung eines Altbaus

Ein Investorenkonsortium gründet eine GmbH zur Sanierung und Vermietung eines historischen Gebäudes in der Innenstadt. Die Investoren bringen Eigenkapital in Höhe von 2 Millionen Euro ein und nehmen ein Darlehen über 4 Millionen Euro auf. Durch ein durchdachtes Sanierungskonzept und Nutzung großer Abschreibungen gelingt eine hochwertige Sanierung. Das Gebäude wird erfolgreich vermietet und erzielt stabile Mieteinnahmen. Fazit: Durch die rechtliche Struktur der GmbH bleibt die Haftung beschränkt, und steuerliche Vorteile können optimal genutzt werden.

Fallstudie 2: Entwicklung eines Neubauprojekts durch eine GmbH & Co. KG

Ein Bauträger und mehrere private Investoren schließen sich zusammen, um ein neues Wohnquartier am Stadtrand zu entwickeln. Dafür gründen sie eine GmbH & Co. KG. Die GmbH übernimmt die Rolle des Komplementärs, während die Investoren als Kommanditisten auftreten. Ein durchdachter Businessplan und strategische Eigen- und Fremdkapital-Kombination ermöglichen die erfolgreiche Umsetzung des Projekts. Die Kommanditisten profitieren von Steuerersparnissen und sicheren Mietrenditen, die Haftung liegt jedoch bei der GmbH und ist somit beschränkt. Fazit: Diese Kombination schafft Vertrauen bei Investoren und erlaubt eine flexible und steueroptimierte Projektumsetzung.

Checkliste: Schritte zur Gründung einer Immobiliengesellschaft

Die Gründung einer Immobiliengesellschaft erfordert sorgfältige Planung und Vorbereitung. Diese Checkliste bietet eine Übersicht über die notwendigen Schritte und Punkte, die zu beachten sind:

  • Klärung der Geschäftsidee und Erstellung eines Businessplans
  • Wahl der geeigneten Gesellschaftsform (GmbH, KG, AG, GmbH & Co. KG)
  • Planung der Kapitalausstattung (Eigenkapital, Fremdkapital)
  • Erstellung eines Gesellschaftsvertrages
  • Gewerbeanmeldung und steuerliche Registrierung
  • Eröffnung eines Geschäftskontos
  • Abschluss erforderlicher Versicherungen
  • Rechtsschutzprüfung und juristische Beratung
  • Planung und Durchführung des Bau- oder Erwerbsvorhabens
  • Marketing und Vermarktung der Immobilie
  • Vertragsmanagement (Mietverträge, Dienstleistungsverträge)
  • Regelmäßige Buchführung und Erstellung von Jahresabschlüssen
  • Einhaltung rechtlicher und steuerlicher Vorgaben

Schlussgedanken zur Gründung einer Immobiliengesellschaft

Die Gründung einer Immobiliengesellschaft kann eine sehr lohnende Entscheidung sein, allerdings ist sie mit einem hohen Maß an Planung und sorgfältiger rechtlicher und steuerlicher Überlegung verbunden. Die Auswahl der richtigen Gesellschaftsform, die Beschaffung von Kapital, das Risikomanagement und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften sind nur einige der zentralen Punkte, die zu berücksichtigen sind.

Eine gut geführte Immobiliengesellschaft bietet jedoch nicht nur steuerliche Vorteile und Haftungsschutz, sondern auch die Möglichkeit, Investitionsprojekte jeglicher Größe und Komplexität erfolgreich umzusetzen. Durch die Nutzung von Fallstudien und praktischen Beispielen konnten anregende Einblicke in die tatsächliche Funktionsweise solcher Unternehmungen gegeben werden.

Ob durch umfangreiche Sanierungsprojekte, Neubauten oder die Verwaltung von Immobilienbeständen – eine Immobiliengesellschaft ermöglicht es Ihnen, Ihre strategischen Ziele optimal zu realisieren und langfristig Vermögen aufzubauen.

Wie bei jedem unternehmerischen Vorhaben ist es ratsam, fachkundigen Rat einzuholen und sicherzustellen, dass alle rechtlichen und finanziellen Aspekte gründlich durchdacht sind. Mit der richtigen Vorbereitung und fundiertem Wissen steht einer erfolgreichen Immobiliengesellschaft nichts im Wege.

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