In diesem Blog-Beitrag werden wir uns eingehend mit dem Thema Innenentwicklung vor Außenentwicklung beschäftigen und die verschiedenen rechtlichen Aspekte und Auswirkungen dieses Grundsatzes auf die Stadt- und Raumplanung beleuchten. Wir werden uns unter anderem ansehen, wie das Prinzip der Innenentwicklung vor Außenentwicklung tatsächlich funktioniert, welche gesetzliche Grundlage es hat und wie die praktische Umsetzung in unterschiedlichen Städten und Gemeinden aussehen kann.

Als erfahrene Anwaltskanzlei ist es uns ein besonderes Anliegen, dass Sie als Beteiligte an städtebaulichen Prozessen – sei es als Stadtplaner, Architekt, Bauherr oder Bürgermeister – die rechtlichen Rahmenbedingungen dieser Grundsätze richtig verstehen und sicher anwenden können. Daher haben wir zu diesem Thema gründlich recherchiert und möchten Ihnen in diesem Blog-Beitrag die wichtigsten Informationen vermitteln. Abschließend geben wir Ihnen auch Antworten auf verschiedene häufig gestellte Fragen (FAQs) zum Themenbereich Innenentwicklung vor Außenentwicklung.

Was bedeutet Innenentwicklung vor Außenentwicklung?

Innenentwicklung vor Außenentwicklung ist ein zentraler Grundsatz der Raum- und Stadtplanung, der besagt, dass bei der Planung und Entwicklung von Siedlungsflächen zunächst vorhandene Flächen innerhalb der bestehenden Bebauung, etwa durch Sanierung, Umnutzung oder Baulücken, genutzt werden sollen, bevor neue Siedlungsflächen im Außenbereich erschlossen und bebaut werden.

Dieses Prinzip verfolgt im Wesentlichen zwei Zielsetzungen:

  • Optimaler Umgang mit vorhandenen Flächenressourcen: Durch die Nutzung von bereits erschlossenen oder brachliegenden Flächen im Innenbereich der Stadt wird der Flächenverbrauch reduziert und der Landschaftsverbrauch begrenzt.
  • Attraktivität und Funktionalität der Innenstädte erhalten: Eine gut ausgebaute und attraktive Innenstadt fördert die wirtschaftliche Entwicklung und Lebensqualität einer Stadt, indem sie kurze Wege, vielfältige Nutzungsmöglichkeiten und ein lebendiges Stadtbild ermöglicht.

Die rechtliche Grundlage für das Prinzip der Innenentwicklung vor Außenentwicklung

Der Grundsatz der Innenentwicklung vor Außenentwicklung ist in Deutschland im Baugesetzbuch (BauGB) verankert. Die Grundlage für das Prinzip findet sich insbesondere in § 1 Abs. 5, § 2a, § 8 und § 15 BauGB.

In die Bauleitplanung (vgl. § 1 Abs. 6 Nr. 1 BauGB) und bei der regionalen und örtlichen Raumordnung (vgl. § 5 Abs. 2 Nr. 4 ROG) ist das Grundsatz der Innenentwicklung vor Außenentwicklung inzwischen explizit eingebettet. Die Bauleitplanung ist die Gesamtheit der Entscheidungen, die für die städtebauliche Entwicklung und Ordnung getroffen werden. Die Bundesländer spielen hierbei eine große Rolle in der Abstimmung und Umsetzung mit den Gemeinden.

Innenentwicklung vor Außenentwicklung in der Praxis

Die Umsetzung der Innenentwicklung vor Außenentwicklung kann in der Praxis sehr unterschiedlich aussehen, je nachdem, welche lokalen Gegebenheiten vorherrschen. Im Folgenden möchten wir Ihnen anhand von drei beispielhaft beschriebenen Fällen einen Überblick darüber geben, wie sich das Prinzip der Innenentwicklung vor Außenentwicklung konkret auswirken kann:

Sanierung und Umnutzung von Bestandsgebäuden

In einer Stadt gibt es zahlreiche alte und untergenutzte Gebäude, die entweder saniert und für den Wohnungsbau umgewidmet oder abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden können. Indem man diese Flächen nutzt, entsteht neuer Wohnraum, der Bedürfnissen der Bevölkerung entspricht, ohne dass dafür Flächen im Außenbereich erschlossen werden müssen.

Nutzung von Baulücken und Brachflächen

Baulücken sind unbebaute Grundstücke innerhalb einer sonst geschlossenen Bebauung. Diese können vielfältige Gründe haben, beispielsweise eine frühere Nutzung, die aufgegeben wurde, oder eine geplante Bebauung, die nie realisiert wurde. Durch die gezielte Nutzung solcher Baulücken und Brachflächen im Rahmen der Innenentwicklung können vorhandene Flächenressourcen optimal genutzt werden.

Nachverdichtung von Siedlungsgebieten

Nachverdichtung bedeutet, dass bereits bebaute Gebiete noch weiter verdichtet werden. Das kann durch Erweiterung von Bestandsgebäuden oder Aufstockung von Flachdachgebäuden ebenso geschehen wie durch Neubau auf bisher untergenutzten Flächen innerhalb der Siedlungsgebiete. Eine solche Nachverdichtung kann dazu beitragen, Wohnraum zu schaffen, ohne dass dafür neue Flächen im Außenbereich in Anspruch genommen werden müssen.

Einfluss des Umweltrechts auf Innenentwicklung vor Außenentwicklung

Das Umweltrecht hat einen wesentlichen Einfluss auf die Umsetzung der Innenentwicklung vor Außenentwicklung, da hierdurch auch Umweltbelange mitberücksichtigt werden. Insbesondere die Europäische Union hat in den letzten Jahren durch verschiedene Richtlinien und Verordnungen Anforderungen und Schutzmaßnahmen für Umweltgüter vorgegeben, die sich direkt oder indirekt auf die Umsetzung der Innenentwicklung vor Außenentwicklung in den Mitgliedsstaaten auswirken. In Deutschland sind die Umweltbelange gemäß § 1 Abs. 4 BauGB sowie gemäß § 2 Abs. 3 Raumordnungsgesetz (ROG) bei der Aufstellung von Bauleitplänen und der regionalen Raumordnung ebenfalls zu berücksichtigen.

Anreizsysteme und Förderungen für die Innenentwicklung

Um die Umsetzung des Grundsatzes der Innenentwicklung vor Außenentwicklung zu fördern und zu unterstützen, gibt es zahlreiche finanzielle Anreize und steuerliche Vorteile. Dazu gehören unter anderem:

  • Städtebauförderung: Hierbei handelt es sich um ein Förderprogramm, das verschiedene Maßnahmen im Bereich der Innenentwicklung, wie zum Beispiel die Sanierung, Modernisierung und Revitalisierung von Stadtquartieren, finanziell unterstützt.
  • Denkmalschutz: Beim Erhalt und der Sanierung denkmalgeschützter Gebäude lassen sich unter bestimmten Voraussetzungen steuerliche Vorteile in Anspruch nehmen.
  • Landes- und kommunale Förderprogramme: Viele Bundesländer und Kommunen bieten eigene Förderprogramme für die Innenentwicklung an, zum Beispiel für die Sanierung von Wohngebäuden oder die Schaffung von Wohnraum in Innenstadtbereichen.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Grundsatz der Innenentwicklung vor Außenentwicklung

In dieser Sektion beantworten wir verschiedene häufig gestellte Fragen (FAQs) zum Thema Innenentwicklung vor Außenentwicklung und geben Ihnen damit eine kurze Übersicht über zentrale Punkte, die in der Praxis wichtig sind.

Was ist der Unterschied zwischen Innen- und Außenentwicklung?

Innenentwicklung bezieht sich auf die Nutzung und Weiterentwicklung von Flächen, die bereits innerhalb der bestehenden Bebauung liegen (z. B. Sanierung, Umnutzung, Baulückenschließung). Außenentwicklung betrifft dagegen die Erschließung und Nutzung von neuen, bisher unbebauten Flächen im Außenbereich, insbesondere die Ausweisung von neuen Baugebieten.

Warum ist das Prinzip der Innenentwicklung vor Außenentwicklung wichtig?

Das Prinzip der Innenentwicklung vor Außenentwicklung ist wichtig, weil es dazu beiträgt, Flächenressourcen effizient zu nutzen und so die Umweltbelastung durch Landschaftsverbrauch und Zersiedelung zu reduzieren, die Lebensqualität durch eine attraktive und funktionsfähige Innenstadt zu erhöhen und gleichzeitig ökonomische Synergieeffekte innerhalb städtischer Gebiete zu schaffen.

Welche Rolle spielen Kommunen und Bürger in der Umsetzung von Innenentwicklung vor Außenentwicklung?

Kommunen sind für die Umsetzung des Grundsatzes der Innenentwicklung vor Außenentwicklung direkt verantwortlich, indem sie die örtliche Bauleitplanung, die Raumordnung sowie die Ausweisung von Baugebieten steuern. Bürger können aktiv an der persönlichen Gestaltung von Innenstädten teilnehmen, indem sie sich mit ihren Interessen einbringen und an öffentlichen Diskussionen rund um Stadtentwicklungsprojekte teilnehmen.

Wie kann man die Umsetzung von Innenentwicklung vor Außenentwicklung in seiner Gemeinde fördern?

Um die Umsetzung von Innenentwicklung vor Außenentwicklung in Ihrer Gemeinde zu fördern, können Sie auf verschiedenen Ebenen Maßnahmen ergreifen, wie zum Beispiel:

  • Austausch mit Entscheidungsträgern: Sprechen Sie mit Stadtplanern, der Stadtverwaltung und politischen Vertretern über Ihre Ideen zur Innenentwicklung.
  • Bürgerengagement und öffentliche Diskussion: Informieren Sie sich über Stadtentwicklungsprojekte und bringen Sie Ihre Vorstellungen und Bedenken aktiv in die öffentliche Diskussion ein.
  • Nachhaltiger Umgang mit Flächen: Hinterfragen Sie bei Bau- und Planungsprojekten deren Flächenverbrauch und setzen Sie sich für eine gezielte Nutzung vorhandener Flächen ein.

Wie kann man sicherstellen, dass bei Bauprojekten Innenentwicklung vor Außenentwicklung berücksichtigt wird?

Um sicherzustellen, dass Innenentwicklung vor Außenentwicklung bei Bauprojekten berücksichtigt wird, ist es wichtig, dass alle beteiligten Akteure – von der Kommune über den Bauherrn bis hin zu den Planern und Anwohnern – auf dieses Prinzip achten und bestehende gesetzliche Regelungen und fachliche Kriterien beachten. Bei konkreten Bauprojekten kann es hilfreich sein, sich bei einem Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Baurecht oder Stadtplanung Unterstützung und fachlichen Rat einzuholen.

Fazit und Ausblick

Das Prinzip der Innenentwicklung vor Außenentwicklung spielt in der Raum- und Stadtplanung eine entscheidende Rolle und ist inzwischen fest im Baugesetzbuch und anderen rechtlichen Vorgaben verankert. Durch eine gezielte Anwendung dieses Grundsatzes können einerseits Landschaftsverbrauch und Umweltbelastungen reduziert und andererseits die Lebens- und Aufenthaltsqualität in Innenstädten erhalten und verbessert werden. Die erfolgreiche Umsetzung der Innenentwicklung vor Außenentwicklung bedarf der Zusammenarbeit und gegenseitigen Unterstützung von Kommunen, Bauherrn, Planern und engagierten Bürgern.

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesem Blog-Beitrag einen umfassenden Überblick über das Thema Innenentwicklung vor Außenentwicklung und die damit verbundenen rechtlichen Rahmenbedingungen und Praxisaspekte geben konnten. Sollten Sie Fragen haben oder rechtlichen Rat in Bezug auf dieses Thema benötigen, sind wir als kompetente und erfahrene Anwaltskanzlei gerne für Sie da. Nehmen Sie Kontakt mit uns auf und wir beraten Sie individuell zu Ihrem Anliegen.

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