Die Jagdwilderei ist eine schwere Straftat, bei der Wildtiere ohne die erforderliche Erlaubnis oder in einer für diesen Zweck verbotenen Art und Weise getötet, gefangen oder gehandelt werden. Sie wird als Wilderei bezeichnet, wenn das Jagdpersonal nicht die geltenden nationalen Gesetze, Vorschriften oder internationalen Übereinkommen einhält. In diesem umfassenden Leitfaden werden wir die verschiedenen Aspekte der Jagdwilderei untersuchen, einschließlich der juristischen Rahmenbedingungen, Strafen und möglichen Verteidigungsstrategien, die ein erfahrener Rechtsanwalt anwenden kann.

Gründe für und Auswirkungen von Jagdwilderei

Die Gründe für Jagdwilderei sind vielfältig:

  • Finanzielle Motive: Wilderer können mit ihrem illegal eingenommenen Wild erhebliche Gewinne erzielen, indem sie Fleisch, Pelze oder Elfenbein verkaufen.
  • Traditionelle Praktiken: Einige Kulturen nutzen Wildtiere in ihren traditionellen Bräuchen und Praktiken, auch wenn diese international oder national verboten sind.
  • Subsistenzjagd: In einigen Gebieten betreiben Menschen Jagdwilderei, um Nahrung für ihre Familien zu sichern, weil sie nicht ausreichend auf dem Markt erhältliche oder erschwingliche Lebensmittel zur Verfügung haben.

Die Folgen der Jagdwilderei sind vielfältig und teils schwerwiegend:

  • Artenschutz: Jagdwilderei ist eine der Hauptursachen für den Rückgang der Tierpopulationen und trägt zum Aussterben zahlreicher Arten bei, darunter Elefanten, Nashörner und Großkatzen.
  • Ökosystemungleichgewicht: Durch die Entfernung bestimmter Tiere aus ihrem natürlichen Lebensraum entsteht ein Ungleichgewicht im Ökosystem, das sich auf zahlreiche andere Spezies und Pflanzenleben auswirken kann.
  • Ökotourismus: Die Jagdwilderei kann den Ökotourismus in betroffenen Ländern beeinträchtigen, indem sie weniger Besucher anzieht und damit die Einnahmen aus diesem Sektor verringert.
  • Organisiertes Verbrechen: Profitorientierte Wilderei ist oft mit dem organisierten Verbrechen verknüpft, einschließlich Drogenhandel und Menschenhandel.

Gesetzliche Grundlagen und Strafen für Jagdwilderei

Die Strafverfolgung von Jagdwilderei erfolgt sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. In diesem Abschnitt werden einige der wichtigsten Gesetze und Vorschriften untersucht:

Nationale Gesetze

In vielen Ländern sind Jagdgesetze und -vorschriften erlassen worden, um die Jagd auf Wildtiere zu regulieren und sicherzustellen, dass sie nachhaltig, ethisch und legal abläuft. Beispiele für solche Gesetze sind:

  • Deutschland: Bundesjagdgesetz (BJagdG), Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG)
  • USA: Lacey Act, Endangered Species Act (ESA), Migratory Bird Treaty Act (MBTA)
  • Indien: Wildlife Protection Act

Strafen für Jagdwilderei können Geldstrafen, Freiheitsstrafen oder eine Kombination aus beiden sein, abhängig von den Umständen und der Schwere des Vergehens.

Internationale Übereinkommen

Die internationale Gemeinschaft hat verschiedene Übereinkommen geschlossen, um den Handel mit Wildtieren zu regeln und sicherzustellen, dass er nachhaltig und ethisch erfolgt. Einige Beispiele für solche Übereinkommen sind:

  • Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen (CITES): Ein Abkommen, das den internationalen Handel mit bestimmten gefährdeten Arten reguliert und überwacht.
  • Übereinkommen zur Erhaltung der antarktischen Robben (CCAS): Ein Abkommen, das den Schutz und die Bewirtschaftung der Robbenbestände in der Antarktis regelt.
  • Übereinkommen über die Erhaltung der Wandervögel (AEWA): Ein Abkommen, das die Erhaltung und das nachhaltige Management von afro-eurasischen Wandervögeln und ihren Lebensräumen zum Ziel hat.

Verstöße gegen diese Übereinkommen können zu internationalen Sanktionen und Strafverfolgung führen und eventuell auch Auswirkungen auf den internationalen Ruf und Handel eines Landes haben.

Strafverfolgung und Verteidigung bei Jagdwilderei

Strafverfolgungsbehörden und Wildschützer haben eine Vielzahl von Methoden und Technologien entwickelt, um Wilderer aufzuspüren und zur Rechenschaft zu ziehen. Dazu gehören:

  • Überwachungskameras
  • Fernerkundung und Geographische Informationssysteme (GIS)
  • DNA-Analyse von Wildtierprodukten
  • Wildtierhandels-Überwachungsnetzwerke

Für diejenigen, die der Jagdwilderei beschuldigt werden, ist es wichtig, sich an einen erfahrenen Rechtsanwalt zu wenden, der sich mit Wildtierrecht und Strafverteidigung auskennt. Mögliche Verteidigungsstrategien können sein:

  • Nachweis, dass die Person zum Zeitpunkt der Tat die erforderliche Erlaubnis oder Lizenz besaß
  • Nachweis, dass die betreffenden Tiere oder Produkte legal erworben wurden
  • Geltendmachung von Verfahrensfehlern oder Unregelmäßigkeiten bei der Durchsuchung, Beschlagnahme oder Untersuchung
  • Einrede der Notwehr oder Notstand, wenn beispielsweise das Erlegen eines Tieres erforderlich war, um Leib und Leben zu schützen oder um eine unmittelbare Gefahr für die Umwelt abzuwenden.

Ausgewählte Gerichtsurteile und Beispiele zur Jagdwilderei

Nachfolgend werden einige interessante Gerichtsurteile und Beispiele zur Jagdwilderei dargestellt, um das Verständnis für die Komplexität und die Folgen dieser Straftaten zu vertiefen:

Fälle aus Deutschland

  • Bundesgerichtshof, Urteil vom 18. Januar 2017, Az. 1 StR 573/16: Der BGH hat entschieden, dass auch das unerlaubte Fotografieren von Wildtieren in der Natur unter Umständen als Jagdwilderei strafbar sein kann (Jagd mittels unerlaubter Fangvorrichtungen).
  • Oberlandesgericht Zweibrücken, Beschluss vom 29. April 2021, Az. 1 OLG 2 Ss 8/21: Das OLG hat klargestellt, dass das Einsammeln von „Fallwild“ (tot aufgefundene Wildtiere) eine Ordnungswidrigkeit darstellt, wenn man nicht über die erforderliche Erlaubnis verfügt.

Internationale Fälle

  • USA – Cody Scott Parker, 2018: Parker wurde zu 27 Monaten Gefängnis und einer Geldstrafe von 26.500 US-Dollar verurteilt, weil er illegal vier Elche, drei Damhirsche und einen Maultierhirsch getötet hatte.
  • Südafrika – Rhino-Poaching-Kingpin, 2021: Ein südafrikanisches Gericht verurteilte einen Mann, der für den Tod von mehr als 20 Nashörnern verantwortlich war und als „Rhino-Poaching-Kingpin“ bezeichnet wurde, zu 37 Jahren Haft.

FAQs zur Jagdwilderei

Ist Jagdwilderei nur auf gefährdete Arten beschränkt?

Nein, Jagdwilderei kann alle Arten von Wildtieren betreffen, nicht nur gefährdete oder geschützte Arten. Die rechtlichen Bestimmungen für Jagd und Wildtierhandel variieren von Land zu Land und von Art zu Art. Es ist wichtig, sich über die geltenden Gesetze und Vorschriften zu informieren, bevor man sich an Jagd- oder Wildtierhandelsaktivitäten beteiligt.

Was kann ich tun, um Wildtiere vor Jagdwilderei zu schützen?

Einige Maßnahmen, die jeder ergreifen kann, um Wildtiere vor Jagdwilderei zu schützen, sind:

  • Sich über Wildtiere und ihr Schutzbedürfnis informieren und das Wissen weitergeben
  • Den Kauf von Produkten aus Wildtieren oder illegalem Wildtierhandel vermeiden
  • Umwelt- und Tierschutzorganisationen unterstützen oder sich ehrenamtlich engagieren
  • Bei Verdacht auf Wilderei oder illegalen Wildtierhandel die zuständigen Behörden oder Tierschutzorganisationen informieren

Was sollte ich tun, wenn ich der Jagdwilderei beschuldigt werde?

Wenn Sie der Jagdwilderei beschuldigt oder einer Straftat im Zusammenhang mit Wildtieren verdächtigt werden, sollten Sie sofort die Hilfe eines erfahrenen Rechtsanwalts suchen, der sich auf das Wildtierrecht und die Strafverteidigung spezialisiert hat. Ihr Anwalt wird Ihnen helfen, Ihre Rechte zu wahren, Sie über die bestehenden Gesetze und mögliche Strafen informieren und die bestmögliche Verteidigung für Ihren Fall erarbeiten.

Schlussfolgerungen

Jagdwilderei ist ein weltweites Problem mit weitreichenden Folgen für die Umwelt, die Tierwelt und die menschliche Gesellschaft. Die Strafverfolgung von Wilderern, die Wahrung des Artenschutzes und die Aufklärung der Öffentlichkeit über die Auswirkungen der Wilderei sind wesentliche Bestandteile des Kampfes gegen dieses Verbrechen. Es ist wichtig, dass sowohl Individuen als auch Regierungen ihre Anstrengungen bündeln, um Wildtiere zu schützen und ihre künftige Lebensfähigkeit zu sichern.

Als erfahrener Rechtsanwalt in diesem Bereich bin ich darauf spezialisiert, Personen, die der Jagdwilderei beschuldigt werden, vor Gericht zu vertreten und fachkundige rechtliche Beratung zu bieten. Obwohl die Gesetze und Strafen je nach Land variieren, sind die Ziele immer dieselben: die Erhaltung der Tierwelt, der Schutz unserer Umwelt und letztendlich auch unser Erbe als Menschen.

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