Online Banking Betrug – neue Welle von Internet-Banking-Betrügereien überschwemmt Deutschland. Mehr als die Hälfte der Deutschen nutzt Online Banking, um ihre Finanzgeschäfte abzuwickeln. Die Tatsache, dass dies ganz praktisch mit dem Smartphone möglich ist, macht es noch attraktiver.

Cyberkriminelle machen sich dies zunutze. Sie versuchen, die Passwörter zu stehlen und ihre Betrugsopfer um ihre Finanzen zu bringen. Betrugsfälle dieser Art werden sich aller Vorrausicht nach in den kommenden Monaten, vielleicht sogar Jahren, weiter häufen.

Wurde Ihnen beim Online Banking Betrug ein Teil Ihrer Ersparnisse oder möglicherweise Ihr ganzes Vermögen gestohlen? In vielen Fällen, halten sich die Täter im Ausland auf. Ein Umstand, der es erschwert, das Geld wieder zurück zu holen.

Und wie reagieren die Banken in der Regel? Häufig verweisen diese die Geschädigten auf ihre Pflichten als Bankkunden, die sie angeblich verletzt haben. Ist das wirklich der Fall?

Inhaltsverzeichnis

  1. Online Banking Betrug: das Vorgehen der Täter
  2. Der Betrugsfall ist eingetreten – was tun?
  3. Rechtslage, Schadensersatz, Haftung
  4. Konto gehackt: Geld zurückholen? 
  5. Ganz konkret: 10 Tipps zum Schutz vor Online Banking Betrug
  6. Online Banking Betrug – Anwalt hilft und unterstützt

Wie begehen die Betrüger ihre Straftaten?

Die kriminellen Täter haben eine Reihe von Möglichkeiten, sich in Online Banking Konten einzuhacken und Betrug zu begehen. Viele nutzen Phishing- und Pharming-Techniken.

Das Ziel eines Phishing-Angriffs ist der Identitätsdiebstahl. Eine gängige Taktik besteht darin, gefälschte E-Mails oder Websites zu erstellen, die so aussehen, als würden sie von den Banken verwendet, für die sie sich ausgeben. Die Benutzer werden aufgefordert, ihre eigenen Passwörter einzugeben, die dann an die Betrüger weitergegeben werden.

Beim Pharming werden Computer-Viren eingesetzt, mit denen die Verbraucher auf eine gefälschte Website umgeleitet werden, selbst wenn sie die richtige URL eingeben. Betrüger können diese Schadsoftware sogar so einsetzen, dass Kontonummern ausgetauscht werden.

Auf diese Weise machen sie sich selbst zu Empfängern von Finanztransaktionen. Selbst mit einer speziellen TAN, die eigentlich für sichere Banktransaktionen benötigt wird, ist es nicht mehr möglich, sich hinlänglich vor Betrügern zu schützen.

Was ist bei einem Betrugsfall zu beachten?

Diese Art von Online Banking Betrug zu erkennen, ist recht schwierig. Oft wird das Problem erst entdeckt, wenn die Kontostände einen Geldmangel aufweisen. Einige dieser Fälle können auch erst später ans Licht kommen, als sie sollten.

Das heißt, Sie müssen sich im Vorfeld so gut es geht schützen. Wenn Sie aufgefordert werden, persönliche Daten oder TANs anzugeben, sollten Sie sehr wachsam sein, da es sich um einen Phishing Betrug handeln könnte.

Vergessen Sie nicht, Ihre Kontonummern sorgfältig zu überprüfen, wenn Sie eine kleine Veränderung auf Ihrer gewohnten Bankwebsite feststellen. Wenden Sie sich sofort an Ihre Bank, wenn Sie etwas Verdächtiges bemerken.

Wenn Sie trotz aller vorbeugenden Maßnahmen Opfer eines Online Banking Betrugs geworden sind, sollten Sie umgehend handeln. Setzen Sie sich sofort mit einem Anwalt in Verbindung. Gegebenenfalls können betreffende Konten gesperrt werden.

Um herauszufinden, ob der oder die Täter bereits Geld von Ihrem Konto abgehoben haben, sollten Sie Ihre Kontoauszüge prüfen. So schnell wie möglich ist auch die Polizei zu alarmieren.

Rechtliche Regelungen & Schadensersatz

Wer trägt die Beweislast und haftet für entstandenen finanziellen Schaden? Wer ist in Fällen von Online Banking Betrug zuständig?

Wenn ein Dritter, sich unautorisiert Zugang zu Ihrem Konto verschafft und unerlaubte Transaktionen vornimmt, haben Sie als Betrugsopfer grundsätzlich einen Anspruch auf Schadensersatz gegen die Bank (vgl. § 675u BGB). Sie müssen der Bank lediglich nachweisen, dass nicht Sie, sondern ein unberechtigter Dritter das Geld überwiesen hat.

Auch Banken können unter Umständen auf Schadenersatz klagen. Wenn eine Person ihrer Verantwortung gegenüber der Bank nicht nachkommt, kann sie für ihre Handlungen haftbar gemacht werden (§ 675v BGB).

Online Banking Betrug – wer haftet im Betrugsfall?

Immer mehr Bankkunden, sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen, fallen Internetbetrügern zum Opfer. Trojaner oder Phishing Software werden von Cyberkriminellen eingesetzt, um persönliche Daten der Kunden zu stehlen und ihre Bankkonten zu leeren.

Doch wer trägt die Verantwortung für ein gehacktes Bankkonto? Welche Sorgfaltspflichten hat der Bankkunde, um eine Mithaftung zu vermeiden?

Online-Banking – klare Sorgfaltspflichten des Kontoinhabers

Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) schreibt in § 675I vor, dass Online-Banking-Kunden alle zumutbaren Maßnahmen ergreifen müssen, um sicherzustellen, dass ihre persönlichen Sicherheitsmerkmale nicht von Dritten eingesehen werden können. Ein offensichtlicher Verstoß liegt vor, wenn jemand Folgendes tut:

  • seine PIN auf einem Zettel notiert und diesen zusammen mit seiner EC-Karte aufbewahrt oder mit sich führt
  • Online-Banking auf einem ungeschützten (ohne Virenschutzprogramme, Firewall u.ä.) oder öffentlich zugänglichen Computer (Bibliothek, Internet-Café) durchführt
  • bei telefonischer oder elektronischer Kontaktaufnahme seine PIN und TAN angibt oder diese anderweitig an unberechtigte Dritte weitergibt.

Unterlässt ein Kontoinhaber diese Vorsichtsmaßnahmen, so trifft ihn nach § 675v Abs. 2 BGB ein grob fahrlässiges Verschulden.

Konto gehackt? Haftungsansprüche

Im Falle eines gehackten Bankkontos wird die Haftung des Kreditinstituts im Einzelfall ermittelt. Für den Fall des Online-Banking-Betrugs hat der Gesetzgeber jedoch mit den §§ 675 ff. BGB zusätzliche Schutzvorkehrungen getroffen.

Wenn Ihr Bankkonto gehackt wird und Sie dadurch Geld verlieren, haben Sie möglicherweise Anspruch auf Entschädigung durch die Bank. Zahlungsdienstleister sind verpflichtet, dem Opfer eines gestohlenen Betrags das Geld schnell zu erstatten oder den vorherigen Zustand des Kontos wiederherzustellen, wenn ein unrechtmäßiger Zahlungsvorgang stattgefunden hat.

Der Kunde muss jedoch nachweisen können, dass die Überweisung von einem Betrüger und nicht von ihm selbst veranlasst wurde. Wenn ein Dieb eine EC-Karte benutzt, um Geld von einem Geldautomaten abzuheben, muss das Opfer nachweisen können, dass die Bankkarte verloren gegangen oder gestohlen worden ist.

Darum ist es umso wichtiger, eine gestohlene oder verlorene EC-Karte schnellstmöglich beim Bankinstitut zu melden.

Wenn zwei Ansprüche vor Gericht angefochten werden

Online-Banking-Betrug ist eine zweischneidige Angelegenheit. Nach § 675u BGB und § 675v BGB in Verbindung mit § 675l BGB hat auch die Bank einen Anspruch auf Rückgabe des verlorenen Geldes.

Nichtsdestotrotz gilt: Die Bank muss das betroffene Konto wieder in den Zustand versetzen, in dem es sich ohne die rechtswidrige Zahlung befunden hätte, wenn der Kunde seine Sorgfaltspflicht erfüllt hat.

Die beiden Forderungen werden miteinander verrechnet, wenn festgestellt wird, dass der Verbraucher seine Sorgfaltspflichten verletzt hat. Die Aufrechnung nach § 387 BGB führt dazu, dass beide Parteien einen Anspruch in gleicher Höhe gegeneinander haben.

Daraus ergibt sich für keine der beiden Seiten eine finanzielle Verpflichtung. Da Sie in diesem Fall Ihr gestohlenes Geld nicht zurückbekommen, ist das äußerst ärgerlich.

Die wichtigsten Informationen noch einmal zusammengefasst:

  1. Zunächst muss die Bank aktiv werden. Auch wenn die Betrüger Ihre PIN benutzt haben, um einen Auftrag über Ihr Bankkonto zu erteilen, muss Ihr Bankinstitut nachweisen können, dass eine echte PIN verwendet wurde und die Systeme der Bank keine Anzeichen einer Störung aufweisen. Wenn Sie die notwendigen Vorkehrungen getroffen haben, um einen unerwünschten Zugriff zu verhindern, ist dies der Fall.
  2. Wenn der Mobilfunkbetreiber die von der Bank per SMS übermittelte Transaktionsnummern abfängt, sind Sie nicht haftbar. Die Bank ist in diesem Fall gesetzlich verpflichtet, für den Schaden aufzukommen.
  3. Wenn Störungen an Ihrem Handy auftreten, sind Sie nicht verpflichtet, dies der Bank mitzuteilen.

Online-Bankkonto gehackt: Geld zurückholen?

Ist es möglich, das Geld zurückzubekommen, nachdem Ihr Online-Banking-Konto gehackt und geleert wurde? Es gibt zwei Möglichkeiten, dies rechtlich anzugehen.

  1. Möglichkeit: Wurde das Konto von Kriminellen gehackt, obwohl der Kontoinhaber seiner Sorgfaltspflicht nachgekommen ist, kann er seinen Anspruch auf Rückzahlung des Geldes gegen das Finanzinstitut geltend machen. Das entwendete Geld kann auf diese Weise zurückerlangt werden.
  2. Möglichkeit: Das Geld von den Tätern zurückzuerlangen.

Dies ist allerdings häufig ein nahezu aussichtsloses Unterfangen – vor allem, wenn der vom Betrug Betroffene zu langsam handelt. In der überwiegenden Mehrheit der Fälle können die Täter nicht überführt werden. Auch Finanzkuriere oder Mittelsmänner können beteiligt sein. Teilweise findet auch zunächst eine Überweisung auf ein inländisches Bankkonto statt.

Es kommt häufig vor, dass Kontonutzer Geldsorgen haben und mit einem attraktiven Jobangebot gelockt werden: Sie stellen den Tätern ihr Konto zur Verfügung und beteiligen sich an den illegalen Transaktionen. Nach einem erfolgreichen Hacking-Versuch wird das Geld, das auf dem Konto landet, gegen eine Gebühr an die eigentlichen Täter überwiesen.

Diese haben häufig internationale Konten: Den Geldtransfer rückgängig zu machen, ist fast ebenso unmöglich wie die Identifizierung des Täters.

10 konkrete Handlungsempfehlungen zum Schutz vor Online Banking Betrug

In den meisten Fällen sollten Sie selbst für die Sicherheit Ihres Online Bankings sorgen. Im Folgenden finden Sie 10 praktische Hinweise, wie Sie vermeiden können, Opfer eines Betrugs zu werden.

  1. Seien Sie vorsichtig mit Ihren persönlichen Daten. Achten Sie darauf, dass Sie Ihr Passwort und Ihre PIN nicht offen herumliegen lassen, und schreiben Sie sie nicht auf. Geben Sie Ihr Passwort unter keinen Umständen an andere Personen weiter.
  2. Es sollte eine Antiviren-Software installiert sein. Mit einer aktuellen Firewall ist es weniger wahrscheinlich, dass Betrüger Ihre persönlichen Daten in die Hände bekommen. Sie können auch den Phishing-Schutz in Ihrem Browser aktivieren.
  3. Wenn Sie nach Ihrer Online Banking Seite suchen, geben Sie die URL manuell ein. Vermeiden Sie es, die Vorschläge der Suchleiste zu verwenden, und stellen Sie keine Verbindung zu anderen Websites her. Vergessen Sie nicht, Ihre Internetverbindung zu sichern.
  4. Darüber hinaus ist es wichtig, die neuesten TAN-Verfahren zu verwenden. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Bank nach Sicherheitsverfahren.
  5. Achten Sie darauf, dass Ihr Passwort ausreichend viele Ziffern hat, wenn Sie es selbst manuell ändern können. Zahlen, Groß- und Kleinschreibung sowie Sonderzeichen sollten verwendet werden.
  6. Die Festlegung eines Überweisungslimits ist der letzte Schritt. Auf diese Weise verlieren Sie im Falle einer betrügerischen Transaktion nicht mehr als den angegebenen Betrag.
  7. Wenn Sie Dateien übertragen, ist es ratsam, dies zu Hause zu tun. Öffentliche drahtlose Netzwerke machen es Kriminellen leichter, Ihre persönlichen Daten zu stehlen.
  8. Wenn Sie sich erfolgreich schützen wollen, müssen Sie auf die Details achten. Loggen Sie sich nicht in das Internet-Banking ein, wenn Ihnen etwas nicht richtig vorkommt.
  9. Achten Sie besonders auf Mobile Banking und die so genannten Smartphone-Banken.
  10. Sie sollten Ihre Bank in jedem Fall umgehend benachrichtigen, wenn Sie Opfer eines Online Banking Betrugs geworden sind. Ändern Sie Ihr Passwort und rufen Sie die Polizei, wenn Sie gehackt wurden.

Online Banking Betrug – Rechtsanwälte helfen

Der Beistand eines Anwalts ist unerlässlich, wenn zwei Ansprüche – der des Kunden und der der Bank – aufeinandertreffen. Sollten Sie also jemals in die Situation kommen, Opfer eines Online Banking Betrugs geworden zu sein, ist unser Anwaltsteam für Sie da. Setzen Sie sich mit uns in Verbindung. Wir helfen Ihnen gerne.

Sobald eine Bank einen Betrugsverdacht hegt, geht sie davon aus, dass der Kunde ein Verschulden trifft und er folglich für alle Verluste selbst aufkommen muss. Sie müssen wissen, dass Sie die Möglichkeit haben, sich dagegen zu wehren.

Wenn Sie Opfer eines Online-Banking-Betrugs geworden sind, sollten Sie umgehend die Polizei benachrichtigen. Die strafrechtliche Relevanz wird geprüft und gegebenenfalls werden Beweise gesichert.

Eine Rechtsschutzversicherung kann Ihnen bei der Suche nach einem kompetenten Anwalt hilfreich sein und Sie vor den finanziellen Folgen eines Rechtsstreits mit Ihrem Finanzinstitut schützen.

Immer wieder kontaktieren uns verzweifelte Mandanten, die auf Internetbetrug hereingefallen sind. Der erste wichtige Schritt ist die Kontaktaufnahme mit einer Rechtsanwaltskanzlei.

Gemeinsam mit Ihnen rekonstruieren wir den genauen Ablauf der Ereignisse und erarbeiten eine Strategie mit dem Ziel, Ihr Geld zurückzubekommen.