Online Broker Schadensersatz – Die Börsenmärkte unterliegen immer wieder starken Kursbewegungen. Bedingt durch aktuelle weltpolitische Geschehnisse sowie der Verbreitung des Coronavirus, besteht großer Bedarf flexibel und kurzfristig an den Finanzmärkten handeln zu können.

Als neuer „Player“ an den Finanzmärkten machen sich zudem immer häufiger organisierte Social-Media-Kampagnen einen Namen, die durch ihre Einflussnahme zu unvorhersehbaren Kursbewegungen führen können.

Kunden von Online-Brokern sind daher abhängig von dem kurzfristigen Zugriff auf ihr Depot, um nicht dabei zusehen zu müssen, wie ihr Depot stetig an Wert verliert oder wie ein möglicher Gewinn an ihnen vorbeigeht. Aufgrund massenhafter Zugriffe können IT-Systeme jedoch vorübergehend versagen.

Online Broker Schadenersatz bei technischer Störung

Am 28. Januar 2021 stürzten gleich mehrere Trading-Apps der größten Online Broker ab und waren für mehrere Stunden nicht mehr erreichbar. Nutzer meldeten den Absturz diverser Broker-Apps auf DownDetector.

Auch der deutsche Neo-Broker Trade Republic war hiervon betroffen. App-Nutzer der Plattform wurden darüber benachrichtigt, dass aufgrund von technischen Störungen des Handelsplatzes der Handel nur eingeschränkt möglich sei.

Kurz darauf setzte Trade Republic den Aktienkauf von Gamestop, BlackBerry Limited, Nokia, AMC Entertainment, Express sowie Bed Bath & Beyond aus. Begründet wurde die Entscheidung mit koordinierten und heftigen Kursspekulationen.

Nur einen Tag später und nach heftiger Kritik in den sozialen Medien, äußerte sich das Unternehmen mit folgender Stellungnahme:

„Wir entschuldigen uns ausdrücklich für die vorübergehende Einschränkung Deiner Freiheit im Handel“

Offen ist bisher wie viele Online Broker insgesamt von der Überlastung betroffen waren.

Hintergrund

Der Absturz der Online Broker-Apps dürfte auf eine von Reddit-Nutzern initiierte Kampagne zurückzuführen sein. Diese hatten sich online organisiert, um sogenannten Shortsellern den Plan zu durchkreuzen. Die Shortseller hatten zuvor auf den fallenden Kurs von AMC- oder Gamestop (GME)-Aktien gewettet.

In ihrer Online-Kampagne riefen die Reddit-Nutzer zum Kauf von AMC- oder Gamestop-Aktien auf. Der darauf folgende massive Ansturm auf die Online Broker dürfte zum Absturz der Broker-Apps geführt haben.

Bereits einen Tag zuvor ist die Gamestop-Aktie aufgrund der Online-Kampagne um 134 Prozent gestiegen.

Großen Anteil an der Aktion hatte wohl auch der Tesla-Gründer Elon Musk. Dieser twitterte am 26. Januar 2021 „Gamestonk!!“ und verlinkte zudem das Forum „Wallstreetbets“ von Reddit, bei dem die Social-Media-Kampagne gestartet wurde.

Mehrere Broker schränken Handel mit Gamestop-Aktien und -Optionen ein

Aufgrund der starken Kursbewegungen haben nunmehr mehrere Broker den Handel mit Gamestop-Aktien und weiteren Wertpapieren eingeschränkt. Teilweise ermöglichen die Online Broker nur noch den Verkauf, jedoch nicht die Eröffnung neuer Positionen. Darunter auch Trade Republic.

Die Teilnehmer der Social-Media-Kampagne von Reddit schienen davon zunächst wenig beeindruckt: Bereits kurz nach der Handelsunterbrechung ging der Höhenflug der Gamestop-Aktie auf rund 400 US-Dollar weiter.

First Majestic Silver als neues Ziel der Reddit-Trader

Derweil scheinen sich die Nutzer von Reddit bereits ein neues Investitionsziel auserkoren zu haben. Bereits am 27. Januar 2021 wurde auf Reddit.com ein Artikel veröffentlicht mit dem Titel „The biggest short squeeze in the world $SLV Silver 25$ to 1000$“. Zudem wurde dazu aufgerufen Minenaktion zu kaufen.

Offenbar wurde erneut ein Ziel ausgewählt, an dem sich viele Shortseller beteiligt hatten.

Bereits nach kurzer Zeit stieg die Aktie von First Majestic Silver um 35 Prozent. Es bleibt abzuwarten, ob ein erneuter Ansturm auf die Online Broker folgt, der zum erneuten Absturz der Broker-Apps führt.

Online Broker Schadenersatz Trade Republic

Uns liegen Informationen darüber vor, dass Kunden, die sich an den Support von Trade Republic gewandt haben, um ihre Ansprüche geltend zu machen, lediglich standardisierte Antwort-E-Mails erhalten haben. Inhaltlich entschuldigte man sich für die Umstände, lehnte jedoch die Schadenersatzforderungen der Kunden ab.

Hier kann es sich anbieten den Rat eines Anwalts in Anspruch zu nehmen, um sich über seine rechtlichen Möglichkeiten informieren zu lassen. Melden Sie sich über unser Kontaktformular.

Online Broker nicht erreichbar? Was Kunden jetzt tun müssen!

App-Abstürze und die Nichterreichbarkeit der Online Broker müssen durch die Kunden dokumentiert werden, um einen möglichen entgangenen Gewinn nachweisen zu können.

Die entsprechenden Screenshots und weiteren Unterlagen sollten Kursverläufe und die entsprechende Uhrzeit dokumentieren, zu denen der Online Broker nicht erreichbar war. Der Kursstand muss zum Zeitpunkt der Verkaufsabsicht dokumentiert sein, um den entgangenen Gewinn als Schaden nachweisen zu können.

Haben Sie Schwierigkeiten auf Ihr Online Depot zuzugreifen? Blieb es Ihnen verwehrt, beispielsweise Teil- oder Komplettverkäufe zu tätigen?

Ihnen steht ein Anwalt für einen Austausch zu dieser Thematik zur Verfügung. Gerne beraten wir Sie in einem unverbindlichen und kostenlosen Erstberatungsgespräch.

Nutzen Sie hierfür unseren Kontaktbereich.

Online Broker Schadensersatz – Haftung wegen Verzögerungen beim Handel?

Online Handel bietet regelmäßig vor allem den Vorteil, schnell auf dem Aktienmarkt agieren zu können. In Zeiten der Globalisierung sind wirtschaftliche Spannungen teilweise kaum vorhersehbar und bedürfen rascher Eingriffe in den Finanzmarkt.

Insbesondere aufgrund der Verbreitung des Coronavirus (Covid-19-Pandemie) haben die internationalen Märkte mit starken Kurseinbrüchen zu kämpfen. Gerade in Zeiten stark schwankenden Kursen erwarten Anleger im Online Handel eine hohe Flexibilität hinsichtlich der Verwaltung und Organisation ihres Depots.

Wie ist die Rechtslage?

Zunächst ist zu untersuchen, aus welchem Grund ein Zugriff auf das Depot nicht möglich war oder ein Handel nicht stattfinden konnte.

Insbesondere ein technisches Versagen der EDV kann bereits eine vertragliche Pflichtverletzung darstellen, welche die weitere Überprüfung von konkreten Schadensersatzansprüchen zulässt. Nicht selten werben Online Broker ausdrücklich mit der Ausführung sekundenschneller Order.

Auch in diesem Zusammenhang besteht, wenn Aufträge erst mit stundenlanger Verzögerung ausgeführt werden, Möglichkeiten, die Anbieter unmittelbar in Haftung zu nehmen. In diesem Zusammenhang hat das Landgericht Nürnberg-Fürth ein Urteil erlassen (siehe Landgericht Nürnberg-Fürth, Az. 14 O 9971/98). Eine zeitnahe Prüfung wird empfohlen.

Online Broker – Haftung auf Schadensersatz: Wirksamer Ausschluss durch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs)?

Nicht selten versuchen Unternehmer gewisse Risiken über die Allgemeinen Geschäftsbedingungen durch AGB-Klauseln vermeintlich auf den Verbraucher umzuwälzen.

Dies hat selbstverständlich rechtliche Grenzen, die im Rahmen des Verbraucherschutzes gewährleistet werden müssen. So wurde beispielsweise vom Bundesgerichtshof entschieden, dass die Pflicht zur zeitnahen Ausführung der Order seitens der Online Broker nicht durch AGBs auszuschließen sind (siehe BGH, Urteil vom 12.12.2000, Az. XI ZR 138/00).

Informieren Sie sich gerne bei einem Rechtsanwalt, welche individuellen Rechte Ihnen zustehen. Zunächst ist dabei zu überprüfen welcher Betreiber das Online Depot zur Verfügung stellt, sowie welche AGBs dem zugrunde liegen.

Bei Brokern, die sich darauf berufen, dass die Verzögerung darauf zurückzuführen ist, dass diese durch das Handeln eines dritten Vertragspartner entstanden sind, entschied bereits das Oberlandesgericht Nürnberg mit Urteil vom 24.11.2003, (Az. 8 U 36/03): Danach haftet der Broker für das Verschulden von Erfüllungsgehilfen und kann damit ebenfalls haftbar gemacht werden. Auch dies eröffnet die Prüfung zur Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen.

Welcher Schaden ist zu ersetzen?

Aufgrund einer größeren Verzögerung der Order durch den Online Broker können signifikante Vermögensschäden entstehen. Es wird dem Anleger die Möglichkeit genommen, die Aktien später teurer oder billiger weiterzuverkaufen.

Grundsätzlich sieht das BGB (Bürgerliche Gesetzbuch) gemäß § 249 BGB die sogenannte „Naturalrestitution“ vor. Danach ist der Geschädigte so zu stellen, als wäre das schädigende Ereignis nie eingetreten.

Darüber hinaus erfasst das Gesetz auch den entgangenen Gewinn als Schaden. Wird also beispielsweise der Auftrag des Kunden vom Online Broker zu spät ausgeführt, so besteht der Schaden in der Kursdifferenz zwischen dem gewünschten Handelszeitpunkt und dem tatsächlichen Zeitpunkt.

Problematisch können hier durchaus Fragen der Beweisbarkeit werden.

Rechtsanwalt Arthur Wilms rät deshalb:

„Insbesondere bei der Abwicklung von Rechtsgeschäften im Internet, sollte der Verbraucher stets unter Berücksichtigung stellen, dass bei späteren Problemen die Beweisbarkeit einzelner Transaktionen und Bewegungen auf der Homepage eine herausragende Rolle spielen wird. Es wird deshalb empfohlen regelmäßig Daten in Form von Screenshots oder PDF-Ausdruck lokal abzuspeichern und diese zu sichern.“

Gerne überprüfen wir auch Ihre Unterlagen im Zusammenhang mit der Durchsetzung von Ansprüchen. Kontaktieren Sie uns unverbindlich in unserem Kontaktformular oder auch telefonisch zu unseren Gesprächszeiten.

Unser Sekretariat vereinbart mit Ihnen gerne einen Erstberatungstermin mit unseren Rechtsanwälten.

Online Broker Schadensersatz – Aktuelle Entwicklung

Kürzlich wurde berichtet, dass einige Online Broker Probleme bei der Ausführung von Aufträgen hatten.

Das System zeigte den Kunden eine Fehlermeldung „Response Queue Error“ an. Andere Benutzer erklärten, dass sie zeitweise nicht auf ihr Konto zugreifen konnten.

Erst durch das Neuladen der Homepage konnte dieser Fehler behoben werden. In solchen Fällen kann es durch zwischenzeitlich hohe Aktienschwankungen zu horrenden Verlusten oder Gewinneinbußen kommen. In solchen Fällen besteht dringender Handlungsbedarf, Ansprüche anzumelden.

Aufgrund der angespannten wirtschaftlichen und politischen Situation ist es nicht auszuschließen, dass demnächst bei weitere Online-Brokern durch die große Nachfrage nach schnellem Handel technische Probleme auftreten können.

Anleger sind Kursverlusten jedoch nicht schutzlos ausgesetzt. Vielmehr besteht die Möglichkeit, die Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen zu prüfen.