Romance Scam und Geldwäsche – Der so genannte Romance Scam beginnt ganz harmlos mit einem kurzen Chat oder einer netten E-Mail von einem Fremden. Betrüger nutzen falsche Profile auf Online-Dating-Seiten und in sozialen Medien, um Opfer für diese moderne Form des Heiratsschwindels zu finden.

Sie erfinden bizarre Lebensgeschichten, um die Aufmerksamkeit ihrer Beute zu erregen. Während einige Männer behaupten, Architekten oder Ingenieure zu sein, geben sich andere Männer und Frauen als Krankenpfleger oder Lehrer aus. Bevor es zu einem persönlichen Treffen kommt, erfinden die Täter eine angebliche Notlage.

Von den Betrugsopfern erbitten sie eine finanzielle Unterstützung oder die Transaktion von fremden Geldern an sie. Dies stellt Geldwäsche dar und ist rechtlich gesehen eine Straftat.

Inhaltsverzeichnis

  1. Romance Scam und Geldwäsche – Erfahrungen & Beispiele
  2. Tatort Dating-App: Tinder und Co.
  3. Falsche Liebe – echter Betrug
    3.1 Geldwäsche & Romance Scamming: vom Opfer zum Täter
    3.2 Betrugsmaschen: Internet-Dating-Tricks
    3.3 Romance Scam – die Berichte häufen sich
    3.4 Gezielter Einsatz echter Identitäten
    3.5 Täter lokalisieren ist möglich
  4. Romance Scam & Geldwäsche: So schützen Sie sich

Unsere Rechtsanwälte der Kanzlei Herfurtner klären Sie über die Gefahr durch Romance Scams in Verbindung mit Geldwäsche Delikten auf. Weiterhin bieten wir Betrugsopfern umfassende Rechtsberatung.

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Romance Scam und Geldwäsche – Erfahrungen & Beispiele

Im Zusammenhang mit Romance Scam werden immer häufiger Betrugsopfer unfreiwillig selbst zu Tätern und machen sich der Geldwäsche strafbar.

So auch ein 53-jähriger Mann, der seiner Internetfreundin insgesamt 10.000 Euro in mehreren Beträgen auf verschiedene Konten im Ausland überwies – um ihr aus einer angeblichen Notsituation herauszuhelfen.

Die Frau behauptete, sie habe eine Erbschaft erhalten. Um Zugriff auf das Erbe zu erhalten, müssten Gebühren gezahlt werden, und der Mann müsse dies über sein Konto tun, da die Frau offenbar kein entsprechendes Konto besaß. Nach der Barzahlung sollte der Mann das Geld über einen Zahlungsdienstleister an eine Online-Bekanntschaft schicken.

Tatsächlich war das Bankkonto bald mit Bargeld gefüllt. Nach den vorliegenden Informationen wurden diese Gelder jedoch mit illegalen Mitteln beschafft. Der Mann übergab seiner vermeintlichen Freundin das Geld, was den Straftatbestand einer Geldwäsche darstellt.

Tatort: Tinder und Co.

Internet-Dating-Portale, Facebook und andere Social-Media-Seiten sind gängige Orte, an denen Opfer und Täter von „Romance Scam oder Love Scamming“ den ersten Kontakt herstellen. Die Betrüger nutzen Aufmerksamkeit und Zuneigungsbekundungen, um das Vertrauen ihrer Opfer zu gewinnen.

Ist das Vertrauen hergestellt, geben sie vor, aufgrund eines unerwarteten Ereignisses in eine finanzielle Notlage geraten zu sein und keine Möglichkeit zu haben, an ihr eigenes Geld zu kommen.

Da sie emotional auf den Täter angewiesen sind, überweisen die Opfer Geld auf sein Konto im Ausland. Meistens bleibt es nicht bei der Forderung nach Geld. Stattdessen fahren die Täter fort, das Opfer finanziell und emotional auszunutzen und erfinden dabei immer neue und ungeheuerlichere Behauptungen.

Tinder Betrug und Crypto Trading

Zunehmend beobachten die Rechtsanwälte der Kanzlei Herfurtner ein Betrugsschema im Zusammenhang mit Dating-Apps und dem Handel von Kryptowährungen.

Bei diesem Tinder Betrug stellt sich zunächst eine Person über die Dating-App vor. Nach anfänglichem Smalltalk, soll die Konversation über ein anderen Messenger, wie zum Beispiel WhatsApp erfolgen.

Die Kontaktperson berichtet von Crypto-Trading und Online-Trading als ihren Hobbies und erzählt von ihren vermeintlichen Gewinnen. Nachdem das Interesse beim Gegenüber geweckt wurde, erhält man einen Link zu einer Online-Trading-Plattform, auf der er ein Handelskonto eröffnen soll. Bei diesen Plattformen handelt es sich um unseriöse Anbieter, die auf betrügerische Art und Weise die Gelder der Kunden vereinnahmen und Gewinne niemals auszahlen.

Die Einzahlungen der Gelder erfolgen oftmals in Bitcoin und anderen Kryptowährungen. Begleitet wird der Vorgang von einer „Trading-Gruppe“ in WhatsApp, in der ein sogenannter „Teacher“ vermeintliche Trading-Tipps erteilt.

Generell rät die Polizei davon ab, Geld an Personen zu überweisen, deren Identität fraglich ist. So schützen Sie sich am besten davor, selbst zum Opfer zu werden oder in Betrug oder Geldwäsche verwickelt zu werden. Um Betrüger zu erkennen, braucht man mehr Informationen als nur eine Telefonnummer, eine Adresse und vielleicht sogar eine Kopie eines Ausweises. Denn auch dies können die Täter spielend leicht fälschen.

Falsche Liebe – echter Betrug

Betrügereien, bei denen die Liebe für ruchlose Zwecke missbraucht wird, sind in Deutschland an der Tagesordnung. Der dadurch angerichtete finanzielle Schaden ist immens und geht in die Hunderttausende. Die Opfer, vorwiegend Frau, werden gezielt und unwissentlich für kriminelle Zwecke ausgenutzt.

Opfer von Love Scam wurde kürzlich auch eine ahnungslose 34-jährige Biologielaborantin aus Hamburg. Gleich zweimal brachte ihr Tinder-Flirt die junge Frau dazu, in ihrem Namen Geld auf ein verdächtiges iranisches Bankkonto zu überweisen.

Auf diese Weise wurde das eigentliche Opfer schließlich auch zur Täterin wider Willen. Kennengelernt hatte sie ihren Freund auf der Dating-App Tinder. Sogar zu einem persönlichen Treffen war es gekommen. Nichts deutete für die junge Frau auf einen Betrug hin. Schließlich bat er sie um Hilfe bei der Geldüberweisung in den Iran.

Er transferierte einen Geldbetrag auf das Konto der Frau, der als Gehalt angegeben war. Daraufhin überwies die Hamburgerin das Geld weiter auf ein iranisches Bankkonto.

Das Geld allerdings wurde auf dubiose Weise beschafft. Der Täter oder möglicherweise einer seiner Komplizen hatte zuvor eine 60-jährige Lübeckerin mit einer anderen Betrugstechnik um mehr als 8.000 Euro betrogen. Als die 34-jährigen Frau durch die Polizei davon erfuhr, was ihr angeblicher Verehrer mit dem persischen Nachnamen bereits untergetaucht.

Wie die Opfer zu Tätern werden

Ähnlich erging es einer 42-jährigen Frau, die in einen beunruhigenden Fall von so genanntem Romance Scam in Verbindung mit dem Straftatbestand der Geldwäsche verwickelt ist Die Frau soll über ihr Bankkonto insgesamt 72.000 Euro auf ein Konto überwiesen haben. Ihre Rolle war die eines Mittlers zwischen ihrer Cousine und deren virtuellem Lebensgefährten, einem angeblichen amerikanischen Soldaten in Afghanistan.

Beiden Frauen wurde eine dramatische Lügengeschichte aufgetischt: der Soldat wolle wegen psychischer Probleme in Frührente gehen, sich aus seinem aktiven Dienst „freikaufen“ und benötige für verlangte Dokumente große Geldsummen. Um ihrer Cousine zu helfen, entschied sich die 42-jährige schließlich, ihre Ersparnisse einzusetzen.

Liebe auf den ersten Klick: Internet-Dating-Tricks

Die Liebe hat die unglückliche Tendenz, ihre Opfer zu blenden. Das müssen immer mehr Menschen erfahren, wenn sie auf Plattformen für Online-Partnervermittlung Opfer von Betrügern werden und ihr Geld verlieren. Betrügereien mit der Liebe stehen hoch im Kurs.

Viele einsame Menschen lernen sich online kennen, aber auch Betrüger und ihre Opfer finden sich auf diese Weise. Die Opfer werden nicht selten in den vollständigen finanziellen Ruin getrieben. Scham und verletzte Gefühle führen leider häufig dazu, dass Betrugsopfer keine Strafanzeige stellen und auch keine Hilfe beim Rechtsanwalt suchen.

Romance Scam: immer mehr Berichte über Liebesbetrug

Die Verbreitung von Online-Liebesbetrug, oft auch als „Romance Scamming“ bezeichnet, ist alarmierend. Seit Juli 2019 ist „Romance Scamming“ ein Schwerpunktthema des Bayerischen Landeskriminalamtes. Pro vollendeter Tat werden im Durchschnitt etwa 20.000 Euro überwiesen.

Die emotionale Abhängigkeit der Opfer von den Tätern ist eine gängige Taktik. Wer schickt schon Zehntausende von Euro an einen Online-Flirt, den er nie kennengelernt hat? Welche Strategie wenden die Angreifer an? Wenn man anfängt, im Internet zu chatten, ist das nur zum Spaß. Kontakte werden auf verschiedenen Plattformen geknüpft, nicht nur auf Dating-Websites. Die Täter nutzen auch soziale und berufliche Netzwerke, um mit potenziellen Opfern zu kommunizieren.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass sie sich als gutaussehend und wohlhabend darstellen, sagen Betrugsermittler. Sie geben sich unter anderem als Ingenieur auf einer Ölplattform, als Arzt, als Pilot oder als US-Soldat auf einer Mission in Übersee aus. Die Täter stellen sich bei ihren Verbrechen manchmal selbst als Opfer dar.

Sie erscheinen sympathisch und erzeugen Mitleid für ihre Situation. Schrecklicher Autounfall, schwerer Raubüberfall oder todkrankes Familienmitglied sind dabei einige der gängigen erlogenen Geschichten. So gelingt es dem oder den Tätern, das Vertrauen des Opfers zu gewinnen.

Nach Wochen oder Monaten kommen dann die ersten Geldforderungen, so die Experten für Online Betrug und Internetkriminalität.

In der Zwischenzeit drückt der Täter seine Zuneigung zu seinem Opfer aus. Er schmiedet Pläne für einen Besuch in Deutschland und kündigt ihn an. Doch es gibt immer einen Haken. Nach einem Missgeschick wendet er sich hilfesuchend an sein Opfer. Der Phantasie der Kriminellen sind beim Romance Scam keine Grenzen gesetzt.

Es beginnt mit der Forderung nach ein paar hundert Dollar, um die Kosten für Essen oder ein Hotelzimmer zu decken, nachdem sie behauptet haben, bestohlen worden zu sein. Ein Flugticket, Zollgebühren und andere Ausgaben wie ein Zertifikate oder kostspielige Ausweisdokumente müssten bezahlt werden.

Gezielte Imitationen echter Identitäten

Die Täter verwenden bei Videochats häufig gestohlene Profilfotos, so dass das Opfer gar nicht merkt, dass sein Gegenüber nicht echt ist. Ebenso fälschen sie Papiere – z. B. von den Vereinten Nationen, der US-Armee oder der britischen Regierung -, um ihre fiktiven Schicksalsschläge zu untermauern.

Selbst bei skeptischen Chat-Partnern bleiben die Kriminellen kreativ und routiniert. Fragen nach Beweisen für ihre Identität fälschen, stehlen oder entwenden sie ganz leicht aus dem Internet. Sie bedienen sich dabei aufwendige gefälschter Papiere. Sogar Fotos bereits gefallener Soldaten die in der Google Suche erscheinen, werden schamlos als Profilbilder in Dating-Apps und Social Media verwendet.

Vielzahl der Täter befindet sich in in Westafrika

Die Ermittler bezeichnen sie auch als „Nigeria-Connection“. Laut führenden Ermittlern gibt es aber auch Täter, die hier in Deutschland sitzen. Es sind gut eingespielte Banden, die gemeinsam kooperieren.  Die Hintermänner in Westafrika zu finden ist schwierig, wenngleich nicht unmöglich.

Auch die Wiederbeschaffung des Geldes ist in vielen Fällen eine Möglichkeit. Die Opfer sollten sich so schnell wie möglich an die Polizei wenden und ihre Anzeige aufgeben.

Romance Scam & Geldwäsche – so schützen Sie sich

Frauen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren werden am ehesten Opfer von Online-Liebesbetrügereien. Aber auch Männer und junge Menschen unter 30 Jahren sind laut Behörden anfällig für diese Art von Betrug. Offizielle Empfehlungen sind:

  • im Zweifelsfall eine umgekehrte Bildersuche im Internet durchzuführen, um die Identität des Gesprächspartners zu überprüfen.
  • Sie können das Bild auch auf einer Betrugs-Website wie Helga Grotheers Romancescambaiter veröffentlichen, um andere Personen zu warnen.
  • Überweisen Sie niemals Geld an eine Person, der Sie noch nie persönlich begegnet sind oder die Sie erst seit kurzem kennen.
  • Halten Sie sich über aktuelle Betrugsmaschen auf dem Laufenden.
  • Bleiben Sie skeptisch – gerade bei äußerst emotionalen, dramatischen Geschichten handelt es sich meist um eine Lüge.
  • Wenn Ihre Internetbekanntschaft von Ihnen Geld verlangt, brechen Sie den Kontakt ab und vertrauen Sie sich einer Ihnen nahestehenden Person an.
  • Falls Sie zum Opfer von Romance Scam (und Geldwäsche) geworden sind, kontaktieren Sie umgehend einen Anwalt.

Dieser Text wird Ihnen von der Rechtsanwaltskanzlei Herfurtner zur Verfügung gestellt. Deren Anwälte unterstützen ihre Mandantschaft aus Deutschland und ganz Europa, unabhängig von deren Wohn- oder Geschäftsort. Neben den Themengebieten Online-Trading, Internetkriminalität, Anlagebetrug, Scamming und Betrug, vertreten und beraten sie Privatleute, Betriebe und Organisationen auf weiteren Rechtsgebieten, etwa im Bank- und Kapitalmarktrecht, im Wirtschaftsrecht, im IT-Recht oder im Immobilienrecht.

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