Saisonkennzeichen – Der flexible Weg, Fahrzeuge rechtssicher und ökonomisch zu nutzen, ist für viele Fahrzeugbesitzer ein zunehmend interessanter Aspekt. Insbesondere Halter von Cabrios, Oldtimern, Motorrädern oder Wohnmobilen, die saisonbedingt nur wenige Monate aktiv genutzt werden, wissen um den Vorteil des saisonalen Kennzeichens. Doch was gilt es rechtlich zu beachten, wenn man ein Fahrzeug mit Saisonkennzeichen anmeldet, und welche Fallstricke lauern in den Vorschriften?

In diesem Beitrag erfahren Sie alles Wichtige rund um das Thema Saisonkennzeichen und erhalten praktische Tipps, um unnötige Ärgernisse zu vermeiden.

Inhaltsverzeichnis:

  • Rechtliche Grundlagen und Vorschriften für Saisonkennzeichen
  • Anforderungen an ein Saisonkennzeichen
  • Kfz-Versicherung und Steuern bei Saisonkennzeichen
  • Ummelden von Dauerkennzeichen auf Saisonkennzeichen
  • Was ist während der Stilllegungsperiode erlaubt und was nicht?
  • Fahrten außerhalb der Saison: Ausnahmeregelungen und Sondergenehmigungen
  • Parken und Unterstellen von Fahrzeugen mit Saisonkennzeichen
  • Umgang mit Bußgeldern und Strafen bei Verstößen
  • Verkauf und Kauf von Fahrzeugen mit Saisonkennzeichen
  • Saisonkennzeichen und Umweltzonen

Rechtliche Grundlagen und Vorschriften für Saisonkennzeichen

Im deutschen Straßenverkehrsrecht sind Saisonkennzeichen durch das Straßenverkehrsgesetz (StVG), die Fahrzeug-Zulassungsverordnung (FZV) und die Kraftfahrzeugsteuer-Durchführungsverordnung (KraftStDV) geregelt. In §25a FZV sind die Voraussetzungen und Bedingungen für die Zulassung von Fahrzeugen mit Saisonkennzeichen festgelegt, während sich die Regelungen zur Besteuerung von saisonal zugelassenen Fahrzeugen in §8 KraftStDV wiederfinden.

Anforderungen an ein Saisonkennzeichen

Ein Saisonkennzeichen besteht aus dem gleichen Aufbau wie ein übliches Kfz-Kennzeichen, ergänzt um zwei zweistellige Zahlen am rechten Rand. Diese Zahlen geben den Gültigkeitszeitraum des Kennzeichens an, wobei die linke Zahl den Start- und die rechte Zahl den Endmonat der Saison darstellen. Die Gültigkeitsdauer liegt zwischen zwei und elf Monaten und definiert die Zeitspanne, in der das Fahrzeug am öffentlichen Straßenverkehr teilnimmt.

Beispiel: Ein Kennzeichen mit den Zahlen „04-10“ wäre gültig von April bis Oktober. Das Fahrzeug kann somit in dieser Zeit uneingeschränkt genutzt werden.

Kfz-Versicherung und Steuern bei Saisonkennzeichen

Eine Besonderheit bei Fahrzeugen mit Saisonkennzeichen ist die Anpassung von Kfz-Versicherung und Kraftfahrzeugsteuer an den Gültigkeitszeitraum des Kennzeichens. Beide Kosten werden anteilig nach der Anzahl der Monate berechnet, die in der Saison liegen. Dadurch ergibt sich eine signifikante Ersparnis für den Fahrzeughalter gegenüber einem Dauerkennzeichen.

Zu beachten ist, dass die Kfz-Haftpflichtversicherung bei Fahrzeugen mit Saisonkennzeichen in der Stilllegungsperiode ruht, der Versicherungsschutz jedoch in der Regel erhalten bleibt. Während der Versicherungsschutz weiterhin gewährleistet ist, können Teilkasko- und Vollkaskoversicherungen in der Regel separat vereinbart werden.

Ummelden von Dauerkennzeichen auf Saisonkennzeichen

Wer bereits ein Fahrzeug mit Dauerkennzeichen besitzt und zu einem Saisonkennzeichen wechseln möchte, kann das Kennzeichen bei der zuständigen Zulassungsstelle ummelden lassen. Hierfür sind unter anderem folgende Unterlagen erforderlich:

  • Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein)
  • Zulassungsbescheinigung Teil II (Fahrzeugbrief)
  • Neues Saisonkennzeichen
  • Außerbetriebsetzung des Dauerkennzeichens
  • Nachweis einer gültigen Haftpflichtversicherung

Nach Vorlage der entsprechenden Dokumente und Bezahlung der Ummeldegebühren kann das Saisonkennzeichen angebracht und genutzt werden.

Was ist während der Stilllegungsperiode erlaubt und was nicht?

Während der Stilllegungsperiode ist das Fahrzeug nicht für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen und darf nicht gefahren, abgestellt oder geparkt werden. Auch das Führen des Fahrzeugs auf einem Anhänger ist untersagt. Ausnahmen gelten lediglich für Fahrten zur Hauptuntersuchung (HU) oder Abgasuntersuchung (AU), sofern die Untersuchungen im selben Zulassungsbezirk erfolgen und vorab bei der Zulassungsbehörde angemeldet wurden.

Fahrten außerhalb der Saison: Ausnahmeregelungen und Sondergenehmigungen

In Ausnahmefällen können Fahrten außerhalb des Gültigkeitszeitraums des Saisonkennzeichens mittels einer Tageszulassung oder Kurzzeitkennzeichen ermöglicht werden. Hierbei ist es jedoch wichtig, die Voraussetzungen und Anforderungen für die entsprechenden Sondergenehmigungen zu beachten und frühzeitig bei der zuständigen Zulassungsstelle vorzusprechen.

Parken und Unterstellen von Fahrzeugen mit Saisonkennzeichen

Während der Stilllegungsperiode darf das Fahrzeug nicht im öffentlichen Verkehrsraum abgestellt werden. Eine Unterbringung auf Privatgelände oder in einer Garage ist hingegen zulässig. Einige Städte und Gemeinden stellen zudem spezielle Abstellplätze für Fahrzeuge mit Saisonkennzeichen und Oldtimer zur Verfügung. Es ist ratsam, sich im Vorfeld über die örtlichen Regelungen und Angebote zu informieren.

Umgang mit Bußgeldern und Strafen bei Verstößen

Bei Verstößen gegen die Regelungen rund um das Saisonkennzeichen können empfindliche Bußgelder und Strafen drohen. So kann das Führen eines Fahrzeugs außerhalb des Gültigkeitszeitraums als fahren ohne Zulassung gewertet werden, was ein Bußgeld von bis zu 1.000 Euro nach sich ziehen kann. In schweren Fällen ist darüber hinaus der Entzug der Fahrerlaubnis möglich. In jedem Fall ist es ratsam, in solchen Situationen frühzeitig einen Rechtsanwalt einzubeziehen, um die rechtlichen Folgen bestmöglich abzufedern.

Verkauf und Kauf von Fahrzeugen mit Saisonkennzeichen

Beim Verkauf oder Kauf eines Fahrzeugs sollte darauf geachtet werden, dass der Betrag der Kfz-Steuer und Versicherungsprämie für die restliche Dauer des laufenden Jahres anteilig ermittelt und zwischen Verkäufer und Käufer aufgeteilt wird. Darüber hinaus kann das Fahrzeug mit dem bestehenden Saisonkennzeichen an den neuen Käufer weitergegeben werden, sofern dieser das Kennzeichen und den daraus resultierenden Gültigkeitszeitraum übernehmen möchte.

Saisonkennzeichen und Umweltzonen

Auch Fahrzeuge mit Saisonkennzeichen müssen den Vorgaben für Umweltzonen entsprechen und die entsprechende Feinstaubplakette besitzen. Bei Oldtimern mit H-Kennzeichen oder rotem 07er-Kennzeichen kann jedoch unter bestimmten Umständen eine Ausnahmegenehmigung für die Einfahrt in Umweltzonen erteilt werden. Es empfiehlt sich, sich in solchen Fällen bei der zuständigen Behörde über die Voraussetzungen und Antragsverfahren zu informieren.

FAQ – Häufig gestellte Fragen rund um das Saisonkennzeichen

Lassen Sie uns Ihnen mit den häufigsten Fragen und ihren Antworten weiterhelfen.

Wie lange ist ein Saisonkennzeichen gültig?

Ein Saisonkennzeichen kann für eine Gültigkeitsdauer von mindestens zwei und maximal elf Monaten eingerichtet werden. Der gewählte Gültigkeitszeitraum ist fest und muss bei der Zulassungsstelle beantragt werden.

Kann ich das Saisonkennzeichen nachträglich ändern?

Eine Änderung des Gültigkeitszeitraums ist grundsätzlich möglich, jedoch nur durch eine erneute Zulassung bei der Zulassungsbehörde. Hierfür entstehen zusätzliche Kosten und es muss ein neues Saisonkennzeichen mit dem geänderten Gültigkeitszeitraum angefertigt werden.

Wie verhält es sich mit Hauptuntersuchungen bei Fahrzeugen mit Saisonkennzeichen?

Die Hauptuntersuchung ist bei Fahrzeugen mit Saisonkennzeichen unabhängig vom Gültigkeitszeitraum des Kennzeichens durchzuführen. Das Fahrzeug kann auch während der Stilllegungsperiode zum TÜV oder zur Dekra gebracht werden, sofern die Untersuchung im selben Zulassungsbezirk erfolgt und diese Fahrt im Vorfeld bei der Zulassungsstelle gemeldet wurde.

Darf ich mein Fahrzeug mit Saisonkennzeichen im Ausland nutzen?

Ja, Fahrzeuge mit Saisonkennzeichen können innerhalb des Gültigkeitszeitraums auch im Ausland genutzt werden. Die Gültigkeit der Kfz-Versicherung und des Versicherungsschutzes sollte jedoch im Vorfeld bei der jeweiligen Versicherungsgesellschaft geklärt werden.

Gibt es spezielle Regelungen für Oldtimer?

Oldtimer können unter bestimmten Voraussetzungen ein H-Kennzeichen erhalten, das steuerliche und versicherungstechnische Vorteile bieten kann. Während bei H-Kennzeichen keine festgelegte Nutzungsdauer besteht, ist die Nutzung von Fahrzeugen mit Saisonkennzeichen auf den gewählten Gültigkeitszeitraum beschränkt. Eine Kombination von H-Kennzeichen und Saisonkennzeichen ist nicht möglich.

Checklisten für Fahrzeughalter: Was gilt es bei Saisonkennzeichen zu beachten?

Anmeldung eines Saisonkennzeichens

  1. Notwendige Unterlagen besorgen (Zulassungsbescheinigung Teil I und II, gültige HU-Bescheinigung, eVB-Nummer der Versicherung, Personalausweis oder Reisepass)
  2. Festlegung des Gültigkeitszeitraums (z.B. April bis Oktober)
  3. Wunschkennzeichen auswählen und reservieren (optional)
  4. Termin bei der Zulassungsstelle vereinbaren
  5. Neues Saisonkennzeichen anfertigen lassen
  6. Altes Kennzeichen abgeben und neues Saisonkennzeichen anbringen

Ummeldung von Dauerkennzeichen auf Saisonkennzeichen

  1. Entsprechende Unterlagen für die Ummeldung bereithalten (Zulassungsbescheinigungen Teil I und II, Fahrzeugschein, gültige HU-Bescheinigung, eVB-Nummer der Versicherung, Personalausweis oder Reisepass, Dauerkennzeichen)
  2. Festlegung des Gültigkeitszeitraums (z.B. Mai bis September)
  3. Termin bei der Zulassungsstelle vereinbaren
  4. Neues Saisonkennzeichen anfertigen lassen
  5. Altes Dauerkennzeichen abgeben und neues Saisonkennzeichen am Fahrzeug anbringen

Verhaltensregeln während der Stilllegungsperiode

  • Fahrzeug nicht im öffentlichen Straßenverkehr nutzen (auch nicht auf einem Anhänger)
  • Fahrzeug auf Privatgelände oder in einer Garage abstellen
  • Fahrzeug zu Wartungsarbeiten oder HU/AU nur in Absprache mit der Zulassungsstelle innerhalb des Zulassungsbezirks bewegen
  • Bei Verstößen gegen die Beschränkungen in der Stilllegung frühzeitig anwaltlichen Rat suchen

Weitere Tipps

  • Überprüfung des Versicherungsumfangs bei Saisonkennzeichen (z.B. Teilkasko- oder Vollkaskoversicherungen)
  • Regelungen bei Fahrten im Ausland bei der Kfz-Versicherung abklären
  • Im Falle eines Fahrzeugverkaufs oder -kaufs auf die anteilige Berechnung von Kfz-Steuer und Versicherungsprämie achten

Abschließende Gedanken zum Thema Saisonkennzeichen

Die Nutzung ist eine attraktive Möglichkeit, um Fahrzeuge saisonal bedingt zu nutzen und dabei Kosten sowie Ressourcen zu sparen. Durch die Kenntnis der rechtlichen Grundlagen und Vorschriften können mögliche Fallstricke und unnötige Ärgernisse vermieden werden. Es zahlt sich aus, sich eingehend mit dem Thema auseinanderzusetzen und die entsprechenden Regelungen und Fristen im Blick zu behalten.

Sollte es zu Unsicherheiten oder Fragen kommen, ist es empfehlenswert, sich von einem erfahrenen Rechtsanwalt beraten zu lassen. Unserer Kanzlei steht Ihnen hierfür gerne zur Verfügung, um Ihnen bei allen Belangen im Zusammenhang mit Saisonkennzeichen mit Expertise und Engagement zur Seite zu stehen. Darüber hinaus können Ihnen unsere FAQs, Praxisbeispiele und Checklisten wertvolle Anhaltspunkte und Hilfestellungen bieten, um den Gebrauch souverän und im Einklang mit den rechtlichen Vorgaben zu handhaben.

Unsere Rechtsanwälte stehen Ihnen bundesweit und im deutschsprachigen Ausland zur Verfügung.

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