Savedroid ist ein deutsches FinTech-Unternehmen, das im Jahr 2015 gegründet wurde und sich zum Ziel gesetzt hat, Kryptowährungen zu „demokratisieren“. Hauptprodukt des Unternehmens ist eine Spar-App, die der anvisierten Zielgruppe der 14- bis 44-jährigen dabei helfen soll, Geld zu sparen, quasi als digitale Alternative zum Sparschwein.

Zur Finanzierung des Unternehmens erfolgte im Jahr 2018 ein millionenschwerer ICO, bei dem Anleger sogenannte Token gegen die Zahlung von Euro erwerben konnten.

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Savedroid ICO

Im Frühjahr 2018 erfolgte der Savedroid ICO, bei dem Investoren knapp 4 Milliarden Savedroid Tokens in einem angenommenen Gegenwert zwischen 35 und 40 Millionen Euro erwarben. Mit dem eigenommenen Kapital wollte Savedroid an der Umsetzung der eigenen Pläne arbeiten: eine Handelsplattform für Kryptowährungen aufzubauen und eine App zum Sparen zu entwickeln.

Auf der deutschen Website https://www.savedroid.de/ wird die Savedroid App für iOS und Android-Geräte vorgestellt. Im oberen Bereich der Website sieht man Abbildungen aus der App, direkt daneben sind Trust-Siegel von Bankingcheck und dem TÜV Saarland platziert, die Vertrauen aufbauen sollen.

Kernidee der App sei es, zu sparen, um sich Wünsche erfüllen zu können. Dies soll mit der App auf eine spielerische Art und Weise geschehen. Somit sei die Savedroid Alternative spannender und reizvoller sei als das Sparen mit dem Sparschwein oder dem Sparbuch.

Digitale Alltagshelfer dieser Art sind sehr populär. Eine Tankstellen App (oder Tank App), eine Angebote App oder eine Haushalts App zu entwickeln, kann daher für den Anbieter zum lukrativen Geschäft werden.

Personalisiertes Sparen mit Algorithmen

Um zu erklären wie die App funktioniert, steht für den User ein Video auf der Website bereit. Es erklärt, wie man in der App sogenannte „Wenn-Dann-Regeln“ anlegen oder vorkonfigurierte Einstellungen nutzen kann.

Das Prinzip ist es, anlassbezogen verschiedene Beträge zu sparen, die von dem eigenen Girokonto abgebucht und dem kostenlosen Savedroid-Konto gutgeschrieben werden.

So ist es möglich, bei jedem Geldeingang auf das Girokonto automatisch einen bestimmten Prozentsatz auf das Sparkonto abbuchen zu lassen. Auch für den Besuch des Fitnessstudios oder für jeden Tweet von Donald Trump kann eine automatisierte Abbuchung erfolgen. Die verschiedenen Regeln bezeichnet der Anbieter als „smooves“.

Auf diese Art und Weise ließe sich zielgerichtet auf bestimmte Wünsche sparen, die man sich erfüllen möchte. Außerdem gebe es verschiedene, individuell abgestimmte Verträge, mit denen sich Geld sparen lasse.

Hierzu gehören beispielsweise Verträge mit Stromanbietern. Zusätzlich würden selbstlernende Algorithmen die Einnahmen und Ausgaben des Girokontos analysieren, um individuell den passenden Sparbetrag zu ermitteln.

Zum Zeitpunkt der Betrachtung war es mit der deutschen App wohl nur möglich, FIAT-Geld zu sparen, Kryptowährungen wurden weder auf der Website noch im Produktvideo erwähnt.

Konto eröffnen

Wie man ein Konto auf Savedroid eröffnet, wird auf der Website nicht explizit beschrieben. Es ist zu vermuten, dass dies im Rahmen der Account-Eröffnung erfolgt, wenn man die Savedroid App auf dem Smartphone installiert hat und diese nutzen möchte.

Auch wie sich das Savedroid Konto löschen lässt, wird auf der Website nicht thematisiert. Denkbar ist, dass dies eine Funktion ist, die registrierten Kunden nach dem Savedroid Login zur Verfügung steht und die sich ebenfalls innerhalb der App aktivieren lässt.

Savedroid und Kryptowährungen

Unter der URL https://ico.savedroid.com/ gibt es eine zweite, englischsprachige Website. Diese ist mit der Überschrift „Kryptowährungen für jedermann“ betitelt. Hier findet man ein weiteres Video, in welchem der Unternehmensgründer zu sehen ist. Er spricht davon, dass es die Vision von Savedroid sei, den Massenmarkt für Kryptowährungen zu demokratisieren.

Heutzutage sei der Erwerb von Crypto Currencys äußerst komplex und mit vielen Hürden verbunden, die überwunden werden müssten. Die Rede ist hier von der Auswahl der geeigneten Kryptobörse, von verwirrenden Bid-/Ask-Preisen, von der Aufbewahrung von Schlüsseln oder von der Entscheidung, die passende Wallet für die Aufbewahrung der Coins auszuwählen. Insgesamt sei der Status Quo nicht massentauglich.

Diese Probleme will Savedroid eliminieren und somit Anlegern einen leichten Zugang zu Kryptowährungen ohne technologische Barrieren verschaffen. Dies würde realisiert, indem Savedroid die Ersparnisse der Nutzer automatisch von FIAT- in Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum konvertiere.

Zusätzlich würde eine sichere Wallet für die Aufbewahrung angeboten, und die Verwendung von Kryptowährungen im Alltag würde durch eine virtuelle Kreditkarte ermöglicht.

Insgesamt würde Savedroid der gesamten Krypto-Community helfen, indem durch Simplifizierung der Prozesse aus einem Nischen- ein Massenmarkt entstehe.

Roadmap und nächste Schritte

Unterhalb des Videos auf der Website findet man einen Link zu einem englischsprachigen Whitepaper vom Januar 2018, in welchem Savedroid das gesamte Projekt ausführlich beschreibt.

Nachdem die Savedroid-Spar-App bereits erhältlich ist, sollen in einem nächsten Schritt die selbstlernenden KI-Algorithmen das Sparen von Kryptowährungen ermöglichen. Explizit sind diese Kryptowährungen aufgelistet:

  • Bitcoin
  • Ethereum
  • Bitcoin Cash
  • Ripple
  • Litecoin
  • IOTA
  • Dash
  • Stellar

Die darauffolgende Stufe beschäftige sich damit, intelligentes Sparen und Ausgeben von Kryptowährungen zu ermöglichen, ebenfalls basierend auf einem selbstlernenden Algorithmus. In der anschließenden Phase ginge es darum, intelligente Investments in Kryptowährungs-Portfolios, Futures und ICOs zu ermöglichen.

Savedroid Kurs

Savedroid firmiert als Aktiengesellschaft und hat seinen Unternehmenssitz in Frankfurt am Main. Hervorgegangen sei das Unternehmen aus dem Unibator-Programm der Goethe Universität.

Insgesamt habe man über 3 Millionen Euro von renommierten Investoren einwerben können. Auch sei man innerhalb kürzester Zeit eine Partnerschaft mit Wirecard eingegangen, um in der eigenen App ein Sparkonto anbieten zu können.

Von diesen Daten überzeugt, investierten – so liest man es auf verschiedenen Seiten im Internet – ca. 35.000 Kleinanleger einen Betrag von knapp 40 Millionen Euro in den Savedroid Token.

Dieser ist ein „Utility-Token“, der seinen Besitzer dazu berechtigt, ihn als Zahlungsmittel innerhalb der Savedroid App einzusetzen. Einen eigenen Savedroid Coin als eigenständige Kryptowährung, so wie etwa der Bitcoin, gibt es nicht.

Der Savedroid Token musste jedoch bereits am ersten Handelstag massive Verluste hinnehmen, glaubt man einem Bericht auf finanz-szene.de. Von bis zu 88 % Verlust ist hier die Rede.

Savedroid-Skandal, vermeintlicher Exit Scam

Unter anderem das Handelsblatt und die FAZ berichteten darüber hinaus von einem vermeintlichen Skandal um Savedroid. So gab es im April 2018 Anzeichen dafür, dass sich die Gründer des Unternehmens mit dem eingesammelten Kapital ins Ausland abgesetzt hätten.

Die Website des Unternehmens war nicht mehr aufrufbar, stattdessen wurde eine Szene aus der Comicserie South Park zu sehen, verbunden mit der Überschrift „And it’s gone.“ Auf dem Savedroid Twitter Account hieß es „Over and out …“. Zusätzlich tauchten Fotos des Gründers auf, die eine Flughafen- und eine Strandszene zeigten, was auf eine Flucht ins Ausland schließen ließ.

Indes – die gesamte Geschichte stellte sich als PR-Stunt heraus. Dieser sollte bezwecken, im Rahmen eines ICO auf die mögliche Gefahr des Betrugs und der Veruntreuung hinzuweisen und Anleger zu sensibilisieren.

Man wolle insbesondere mit Regulierungsbehörden kooperieren und gemeinsam dafür sorgen, dass Kryptowährungen sicherer werden, um somit Vertrauen bei den Anlegern zu gewinnen.

Kein Gefallen für die Krypto-Szene

Die Reaktionen auf das vermeintliche Aus waren allerdings gegenteilig – viele Anleger waren sehr besorgt, dass sie ihre Investitionen abschreiben mussten. Unter dem Strich sei der gesamten Krypto-Community durch die falschen Savedroid News ein Bärendienst erwiesen worden.

Savedroid dürfte sein Ziel einer gesteigerten Aufmerksamkeit erreicht haben. Allerdings begannen nun auch Journalisten vermehrt, sich für die Vorgänge zu interessieren. Unter anderem auf dem Portal Gründerszene findet sich ein Artikel, der die Geschehnisse aufarbeitet und insgesamt kein gutes Licht auf den Gründer wirft.

Man habe unter anderem mit Mitarbeitern von Savedroid gesprochen, die sich negativ über die Arbeitsbedingungen, ausbleibende Gehälter, zweckentfremdete Einlagen oder manipulierte Bewertungen äußerten.

Risiko Kryptowährungen?

Auch wenn sich die Befürchtungen der Anleger im Fall von Savedroid nicht bewahrheiteten, ist nicht von der Hand zu weisen, dass Investments in Kryptowährungen mit hohen Risiken verbunden sind.

Wolfgang Herfurtner, Rechtsanwalt: Kryptowährungen unterliegen keinerlei staatlicher Regulierung und Aufsicht. Deshalb ist es umso bedeutender, sich mit den bestehenden Risiken auseinanderzusetzen.

Viele Anleger beschäftigen sich mit alternativen Anlagemöglichkeiten, die bessere Renditen abwerfen als beispielsweise Tagesgeldkonten oder Sparbücher. In diesem Zusammenhang wecken Kryptowährungen verstärkt das Interesse, nicht zuletzt durch den enormen Höhenflug des Bitcoins zu Beginn des Jahres 2018.

Allerdings sind Kryptowährungen mit enormen Kursschwankungen verbunden. Eine Investition zum falschen Zeitpunkt kann daher dazu führen, dass die Ertragsziele nicht erreicht werden. Im Gegenteil muss man mit Verlusten rechnen, und es ist unklar, ob die Kurse wieder dauerhaft steigen, damit das Investment profitabel wird.

Haben Sie selbst in Kryptowährungen investiert und wurden dabei mit Schwierigkeiten konfrontiert? Dann haben Sie die Möglichkeit, sich mit einem Rechtsanwalt zu diesem Thema auszutauschen.

Bei Problemen sollte man zunächst das Gespräch mit dem Vertrags- bzw. Handelspartner suchen, um die Ursachen zu ergründen und eine Lösung herbeizuführen.

Bleibt dieses Vorhaben ergebnislos, kann man sich von Rechtsanwälten beraten und prüfen lassen, ob eventuell Ansprüche gegen den Anbieter bestehen. Ist dies der Fall, kann beispielsweise die Kanzlei Herfurtner damit beauftragt werden, diese Ansprüche durchzusetzen. So kann es unter Umständen gelingen, verlorenes Geld ganz oder teilweise wiederzubeschaffen.