Schadensersatz: Schuldverhältnisse sind die Grundbedingung für Ausgleichszahlungen. Mit Schadensersatz ist gemeint, dass die Pflicht besteht, einen Schaden auszugleichen. Bei Schäden handelt es sich um Nachteile, die durch bestimmte Ereignisse hervorgerufen wurden. Darunter fallen sowohl materielle als auch immaterielle Schäden (§ 253 BGB).

Erstere sind Vermögensschäden, die in der Regel durch Geldzahlungen ausgeglichen werden. Dies ist beispielsweise dann der Fall, falls es zur Beschädigung von Gegenständen kommt. Immaterielle Schäden sind hingegen nicht exakt ermittelbar.

Im folgenden Beitrag informieren wir Sie darüber, in welchen Fällen Sie Schadensersatzansprüche geltend machen können und wie sich diese berechnen lassen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Schadensersatz: materielle vs. immaterielle Schäden
  2. Welche Schuldverhältnisse existieren?
  3. Schadensersatz bei Pflichtverletzungen
  4. Die Ermittlung von Schadensersatzansprüchen
  5. Verbraucherverträge und Aufwandsentschädigungen

Schadensersatz für materielle und immaterielle Schäden

Grundsätzlich ist es möglich, materielle Schäden genau zu berechnen. Sie treten häufig an Wohnungen, Autos oder elektronischen Geräten auf. Zu den häufigsten materiellen Schäden zählen:

  • anfallende Kosten für einen Sachverständiger,
  • Geldausgaben für Reparaturen,
  • Provisionen für Rechtsberatungen,
  • Verdienstausfälle in Folge eines erlittenen Schadens,
  • Ausgaben für die Ersatzbeschaffung
  • sowie Behandlungskosten für Krankenhausaufenthalte.

Im Gegensatz dazu können immateriellen Schäden nicht genau in Geldwerte angegeben werden. Damit sind insbesondere Gesundheitsschäden oder Ehrverletzungen gemeint. Folgende immaterielle Schäden können beispielsweise im Alltag auftreten.

  • Jemand hat Sie beleidigt und somit in Ihrer Persönlichkeit verletzt.
  • Aufgrund eines erlittenen Schadens sind Sie körperlich beeinträchtigt, sodass Sie Prothesen und einen Rollstuhl benötigen.
  • Die Folgen sind so groß gravierend, dass Sie Ihren Beruf nicht mehr ausüben können und eine Umschulung finanzieren müssen.
  • Sie wurden wegen Ihres Geschlechts oder Alters diskriminiert.

Haben Sie einen immateriellen Schaden erlitten, indem Sie körperlich, sexuell, freiheitlich oder gesundheitlich verletzt wurden? Dann haben Sie eventuell ein Anrecht auf Schmerzensgeld. Wie hoch dieses ausfällt, hängt von mehrere Faktoren – wie etwa Lebensalter, Behandlungsdauer oder Ausmaß der Verletzung – ab.

Bedenken Sie jedoch, dass für Schadensersatzansprüche verschiedene Verjährungsfristen gelten. In der Regel können Sie davon ausgehen, dass Schadensersatzansprüche frühestens nach 3 Jahren und spätestens nach 30 Jahren erloschen sind.

Schadensersatz: Welche Schuldverhältnisse gibt es?

Damit ein Schadensersatzanspruch überhaupt existiert, muss es entweder ein gesetzliches oder ein vertragliches Schuldverhältnis geben. Folgende Beispiele verdeutlichen Ihnen, wann Sie bei vertraglichen Verhältnissen Schadensersatzansprüche geltend machen können.

  • Darlehensvertrag: Ihre Bank verbreitet Gerüchte über Ihre angebliche Zahlungsunfähigkeit, sodass Sie bei anderen Kreditgebern keine Darlehen bekommen.
  • Arbeitsvertrag: Aufgrund fehlender Umsetzung von Arbeitsschutzmaßnahmen erleiden Sie an Ihrer Betriebsstätte körperliche Schäden.
  • Leihvertrag: Sie haben jemandem beispielsweise eine intakte Motorsäge ausgeliehen, die jedoch bei der Rückgabe beschädigt ist.
  • Pachtvertrag: Auf einem verpachteten Grundstück ist die Erde durch Schadstoffe belastet, sodass Sie kein Gemüsebeet anlegen können.
  • Mietvertrag: Nachdem Sie die Wohnung Ihres Mieters begutachtet haben, stellen Sie fest, dass sich im Wohnzimmer Schimmel aufgrund fehlender Lüftung gebildet hat.
  • Kaufvertrag: Sie erwerben ein neues Motorrad und erleiden einen schweren Unfall, weil der Verkäufer bewusst Mängel verschwiegen hat.

Beispiele für Schadenersatzansprüche, die sich aus gesetzlichen Schuldverhältnissen ergeben, sind die Folgenden.

  • Produkthaftung: Es kommt zu schweren körperlichen Verletzungen, die durch einen Produktfehler hervorgerufen wurden.
  • Ungerechtfertigte Bereicherung (§ 812 BGB): Sind Kaufverträge ungültig, können Sie das bereits gezahlte Geld im Nachhinein zurückverlangen.
  • Unerlaubte Handlung (§ 823 BGB): Jemand greift Sie körperlich an, sodass Sie verletzt werden und Ihre Kleidung ruiniert ist.
  • Tierhalterhaftung (§ 833 BGB): Sie gehen mit Ihrem Hund spazieren. Plötzlich wird dieser von einem anderen Hund durch Bisse schwer verletzt.
  • Fahrzeughalterhaftung (§ 7 StVG): Während Sie mit Ihrem Fahrrad unterwegs sind, werden Sie von einem Auto angefahren und erleiden dadurch schwere körperliche Verletzungen.

Ein Schuldverhältnis besteht aus einem Schuldner und einem Gläubiger. Während der Gläubiger Leistungen verlangt, ist der Schuldner verpflichtet diese zu erbringen. Darüber hinaus ist der Gläubiger immer derjenige, der Schadensersatzansprüche geltend macht, wohingegen der Schuldner als Verursacher eines Schadens zu betrachten ist.

Schadensersatz bei Pflichtverletzungen

Hinsichtlich des vertraglichen Schadensersatzanspruchs existieren drei Pflichten, gegen die verstoßen werden kann.

  • Hauptleistungspflichten: Damit sind beispielsweise ausbleibende Lohnzahlungen gemeint.
  • Nebenleistungspflichten: Dabei handelt es sich um Leistungen, die zur Erfüllung von Hauptleistungspflichten dienen. In der Regel ist damit die Fürsorgepflicht von Unternehmen gemeint.
  • Nebenpflichten: Sie gehen über die herkömmlichen Leistungspflichten hinaus und sollen beispielsweise sicherstellen, dass sich Arbeitnehmer in Ihrer Freizeit für neue Jobs bewerben können.

Bevor Sie Schadensersatzansprüche geltend machen können, ist zuvor eine Fristsetzung essenziell – ausgenommen davon sind Nebenleistungspflichten.

Zudem ist nachzuweisen, dass der Schädiger entweder vorsätzlich oder fahrlässig gehandelt hat. Sobald ein Schuldner Erfüllungsgehilfen einsetzt, haftet er auch für deren Verschulden in vollem Umfang.

Wie werden Schadensersatzansprüche ermittelt?

Schadensersatz: Im folgenden Abschnitt präsentieren wir Ihnen drei Methoden zur Berechnung von Schadensersatzansprüchen.

  • Differenzmethode: Experten ermitteln, wie hoch der Wert von Gegenständen sowohl vor als auch nach dem Schadensfall ist. Aus der Differenz zwischen den zwei Werten ergibt sich schließlich der jeweilige Schadensersatzanspruch.
  • Abstrakte Schadensberechnung: Diese Methode wenden Experten immer dann an, wenn die entstandenen Schäden nicht exakt ermittelt werden können. In diesem Zusammenhang gehen sie von einem durchschnittlichen Richtwert aus, der von Fall zu Fall unterschiedlich sein kann.
  • Konkrete Schadensberechnung: Die entstandenen finanziellen Schäden werden mittels eines Gutachtens genau ermittelt.

Grundsätzlich wird bei der Ermittlung von Schadensersatzansprüchen der Beitrag des Geschädigten berücksichtigt. Erst danach ist es möglich eine Haftungsquote zu berechnen. Beachten Sie, dass auch eine vollständige Schuld des Geschädigten möglich ist. Überdies können Sie zur Verantwortung gezogen werden, wenn eine Gefährdungshaftung vorliegt.

Verbraucherverträge und Aufwandsentschädigungen

Unternehmen sind gegenüber ihren Verbrauchern dazu verpflichtet, für Transparenz zu sorgen. Die in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) enthaltenen Regelungen für etwaige Schadensersatzpauschale sind jedoch oft ungültig. Folgendes Beispiel hilft Ihnen zur besseren Veranschaulichung.

Sie haben ein neues Notebook erworben und stellen im Nachhinein Mängel fest. Da sich diese nach einer vereinbarten Frist nicht beheben lassen, treten Sie vom Kaufvertrag zurück. Da ein vergleichbares Notebook nun mehr Geld kostet, können Sie Schadensersatzansprüche gegenüber dem Verkäufer geltend machen.

Was ist mit Schadensersatz neben der Leistung gemeint?

Behalten Sie im Hinterkopf, dass Sie nicht in jedem Fall eine Frist zur Beseitigung von Mängeln setzen müssen. In bestimmten Fällen ist es möglich, dass unmittelbar nach dem erlittenen Schaden ein Anspruch auf Schadensersatzzahlungen besteht. Zum Beispiel, wenn ein beauftragter Maler Wände streicht und mit seiner Leiter bleibende Schäden an Böden verursacht, die nicht behoben werden können.

Wann können Sie Aufwandsentschädigungen erhalten?

Alternativ besteht für Sie auch die Option einen Ersatz für vergebliche Aufwendungen zu verlangen. Beispielsweise ist dies möglich, wenn Sie für den Kauf einer Wohnung einen Vertrag von einem Anwalt erstellen lassen und gleichzeitig einen Kredit für die Finanzierung aufnehmen. Im Nachhinein sagt Ihnen jedoch der Immobilienmakler überraschenderweise ab. Gegebenenfalls haben Sie dann ein Anrecht auf eine Aufwandsentschädigung.