Startup Geschäftsführer ohne Bezahlung kein Gehalt – Wenn man das Abenteuer der Unternehmensgründung wagt, steht man oft vor grundlegenden Entscheidungen. Eine davon ist die Frage der Bezahlung für Geschäftsführer. Nicht selten agieren Gründer und Gesellschafter von Startups jedenfalls am Anfang gleichzeitig als Geschäftsführer (sog. Gesellschafter-Geschäftsführer). Gerade bei Startups ist zu Beginn der Unternehmung oft das Geld knapp – und auf eine Bezahlung des Gründers für seine Tätigkeit als Geschäftsführer soll (erstmal) verzichtet werden.

Dieser Artikel beleuchtet detailliert die verschiedenen Aspekte dieser Thematik und versucht, Gründern einen umfassenden Leitfaden an die Hand zu geben. Erfahren Sie, welche rechtlichen Rahmenbedingungen es gibt, welche steuerlichen Überlegungen angestellt werden müssen und welche praktischen Tipps für die Gründungsphase relevant sind.

Einführung in das Thema: Geschäftsführer ohne Gehalt

Der Traum vieler Unternehmer und Gründer ist es, ein erfolgreiches Startup zu führen und Innovationen auf den Markt zu bringen. Doch der Weg dorthin kann steinig sein, und finanzielle Herausforderungen sind an der Tagesordnung. Häufig steht die Frage im Raum, ob und wie der Geschäftsführer eines Startups vergütet werden sollte. In vielen Fällen entschließen sich Gründer dazu, zunächst ohne Gehalt zu arbeiten, um das Unternehmen zu stabilisieren und zu wachsen. Doch was bedeutet dies aus rechtlicher und steuerlicher Sicht? Und welche langfristigen Auswirkungen hat diese Entscheidung?

Rechtliche Rahmenbedingungen

Geltende Gesetze und Vorschriften

Wenn Geschäftsführer in einem Startup auf Gehalt verzichten, gibt es verschiedene gesetzliche Vorschriften, die beachtet werden müssen. Das deutsche GmbH-Gesetz gibt klare Richtlinien vor, wie ein Geschäftsführer entlohnt werden sollte. Ein Vertrag mit Regelungen zur Gehaltszahlung beziehungsweise deren Aussetzung ist zentral und muss rechtlich wasserdicht sein, um spätere Konflikte zu vermeiden.

Vertragsgestaltung

Ein wesentlicher Punkt ist die Vertragsgestaltung. Der Geschäftsführeranstellungsvertrag muss klar regeln, ob und wann ein Gehalt gezahlt werden sollte. Hierbei ist es wichtig, auch alternative Vergütungsmodelle wie Beteiligungen am Unternehmenserfolg oder Boni zu berücksichtigen. Besonders für Gründer kann es vorteilhaft sein, flexible und an den Unternehmenserfolg geknüpfte Entlohnungen zu vereinbaren. Grundsätzlich wird die Vergütung des Geschäftsführers im Geschäftsführervertrag geregelt. Dieser muss übrigens nicht schriftlich sein und kommt auch zustande, wenn es nur eine mündliche Absprache oder einen Vertragsschluss durch konkludentes Handeln gibt – etwa, wenn der Geschäftsführer über längere Zeit für die Gesellschaft tätig und als solcher bestellt ist.

Fremdvergleich und steuerliche Implikationen

Die Höhe der Vergütung bestimmt dabei die Gesellschaft erst einmal ganz frei – in den Startup-Konstellationen ist das oft der Gründer selbst. Aber Achtung: Gesellschafter-Geschäftsführer müssen sich vor steuerlichen Implikationen und dem Vorwurf der verdeckten Gewinnausschüttung schützen. Das bedeutet, das Gehalt sollte einem sog. Fremdvergleich standhalten und nicht höher sein, als Fremdgeschäftsführer anderer Gesellschaften in derselben Branche mit ähnlichen Qualifikationen auch verdienen.

Steuerliche Überlegungen

Steuererklärung und Gehaltsverzicht

Die steuerlichen Auswirkungen eines Gehaltsverzichts sind keineswegs zu vernachlässigen. Einerseits könnte kein festgelegtes Gehalt bedeuten, dass der Geschäftsführer keine Einkünfte zu versteuern hat. Andererseits müssen jedoch mögliche spätere Gehaltszahlungen und Boni in die steuerlichen Überlegungen einfließen. Ein Steuerberater kann hier wertvolle Dienste leisten und dazu beitragen, die steuerliche Belastung zu optimieren.

Fiktive Einkünfte und verdeckte Gewinnausschüttung

In einigen Fällen könnte der Verzicht auf ein Gehalt steuerliche Implikationen haben, da fiktive Einkünfte unter Umständen als solche vom Finanzamt anerkannt werden. Dies kann zu einer steuerlichen Belastung führen, obwohl tatsächlich keine Auszahlung erfolgt ist. Hier müssen alle Eventualitäten bedacht und steuerrechtlich beurteilt werden. Geschäftsführer müssen sich vor dem Risiko der verdeckten Gewinnausschüttung schützen, um keine unnötigen steuerlichen Nachteile zu erfahren.

Praktische Überlegungen und Empfehlungen

Traffic und Ressourcenmanagement

Auch praktisch gesehen stellt der Gehaltsverzicht eine strategische Entscheidung dar. Gründer müssen überlegen, wie sie mit begrenzten Ressourcen wirtschaften. Dazu gehören nicht nur finanzielle sondern auch personelle Ressourcen. Startups müssen in den ersten Monaten und Jahren oft mit niedrigem Budget auskommen und dabei kreative Lösungen finden, um trotzdem erfolgreich zu sein.

Notfallpläne und Liquiditätsmanagement

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Liquiditätsmanagement. Es empfiehlt sich, Notfallpläne zu haben und mögliche finanzielle Engpässe frühzeitig zu planen. Ein Gehaltsverzicht des Geschäftsführers kann hier ein wichtiger Aspekt sein, um die Liquidität des Unternehmens zu sichern und flexibel auf wirtschaftliche Schwankungen zu reagieren.

Unentgeltliche Tätigkeit als Geschäftsführer

Aber kann nun ein Geschäftsführer auch unentgeltlich tätig werden? Grundsätzlich: ja. Es gibt dabei aber einiges zu beachten:

  • Der Geschäftsführer darf nicht Arbeitnehmer sein.
  • Die Unentgeltlichkeit der Tätigkeit sollte eindeutig geregelt werden.
  • Über Alternativen zur Unentgeltlichkeit sollte vorab nachgedacht werden.
  • Ein Steuerberater sollte steuerliche Nachteile für die Gesellschaft ausschließen.

Keine Arbeit umsonst von Arbeitnehmern

Erstes Kriterium: Der Geschäftsführer darf kein Arbeitnehmer sein. Denn: Arbeitnehmer dürfen nicht bzw. nur unter bestimmten Voraussetzungen umsonst arbeiten, etwa im Rahmen der Ausbildung. Ansonsten gilt der Grundsatz: Keine Arbeit ohne Lohn.

Wann Geschäftsführer Arbeitnehmer sind und wann nicht, darüber sind sich der Bundesgerichtshof und das Bundesarbeitsgericht nicht immer einig. Das BAG stellt darauf ab, dass der infrage stehende Geschäftsführer weisungsabhängig in den Betrieb eingegliedert ist. Hier kann es auf die genaue Formulierung im Geschäftsführervertrag ankommen.
Für Startups entscheidend: Gesellschafter-Geschäftsführer sind dann jedenfalls nicht weisungsabhängig, wenn sie über einen so großen Anteil an der Gesellschaft verfügen, dass sie „maßgeblichen Einfluss“ auf die Entscheidungen in der Gesellschafterversammlung haben. Jedenfalls bei der Mehrheit der Anteile ist das der Fall, im Übrigen muss eine Abwägung im Einzelfall erfolgen.

Eindeutige Regelung im Geschäftsführervertrag notwendig

Entscheidet sich ein Geschäftsführer zur unentgeltlichen Tätigkeit, sollte das unbedingt schriftlich im Geschäftsführervertrag festgehalten werden. Denn es gibt den Grundsatz, dass eine Vergütung als stillschweigend vereinbart gilt, wenn diese Art der Dienstleistung den Umständen nach nur gegen Vergütung zu erwarten ist. Für eine hauptberufliche Vollzeit-Tätigkeit als Geschäftsführer ist das wohl in den meisten Fällen der Fall.

Dass auf eine Bezahlung verzichtet wurde, muss im Zweifel die Gesellschaft beweisen. Da das vor Gericht schwierig werden könnte, sollte aus Rechtssicherheit eine Unentgeltlichkeit unbedingt schriftlich vereinbart werden.

Alternative zur Unentgeltlichkeit

Geschäftsführer von Startups sollten immer darüber nachdenken, ob sie ihre Tätigkeit wirklich komplett unentgeltlich erbringen wollen – oder ob ihrem Ansinnen, das Unternehmen anfangs finanziell nicht zu belasten, vielleicht auch auf andere Art Rechnung getragen werden kann. So ist es durchaus möglich und in manchen Fällen vielleicht auch interessengerechter, eine Vergütung des Geschäftsführers zwar zu vereinbaren, aber anschließend zu stunden und den Zeitpunkt der Auszahlung auf einen Zeitpunkt zu verlegen, wenn die Gesellschaft finanziell besser da steht.

Im Rahmen einer solchen Vereinbarung sollte dann aber unbedingt ein Nachrang bzw. ein qualifizierter Rangrücktritt vereinbart werden, damit die ausstehende Schuld gegenüber dem Geschäftsführer nicht bilanziell zur Insolvenz der Gesellschaft und der Insolvenzantragspflicht des Geschäftsführers führt.

Prüfung durch Steuerberater erforderlich

Gerade wenn es um die Vereinbarung eines qualifizierten Rangrücktritts geht, sollte ein Steuerberater immer einen prüfenden Blick auf den Geschäftsführervertrag werfen und abschließend grünes Licht geben, um steuerliche Nachteile für die Gesellschaft durch die Stundung oder Unentgeltlichkeit der Arbeit des Geschäftsführers zu vermeiden. Der Steuerberater kann im Übrigen auch die fehlende Arbeitnehmereigenschaft des Gesellschafter-Geschäftsführers aus steuerlicher Perspektive noch einmal überprüfen.

Psychologische und Soziale Aspekte

Motivation und Engagement

Natürlich sollte man auch den menschlichen Faktor in die Überlegungen einbeziehen. Ein CEO, der keine Bezahlung erhält, muss dennoch motiviert und engagiert bleiben. Dies kann durch alternative Anreizsysteme wie Unternehmensanteile oder spezielle Erfolgsboni erreicht werden. Langfristige Motivation ist entscheidend für den anhaltenden Erfolg des Startups.

Teamdynamik und Mitarbeiterbindung

Die Entscheidung eines Geschäftsführers, auf Gehalt zu verzichten, kann auch das Team beeinflussen. Es kann die Moral und den Zusammenhalt stärken, aber auch zu Missgunst oder Unsicherheiten führen. Eine transparente Kommunikation über die finanziellen Entscheidungen und die langfristigen Pläne des Unternehmens ist daher unerlässlich, um das Team motiviert zu halten.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Thema

Kann ich als Startup-Geschäftsführer gänzlich auf Gehalt verzichten?

Ja, als Geschäftsführer eines Startups können Sie auf Gehalt verzichten. Es ist jedoch unerlässlich, dies vertraglich klar zu regeln und sämtliche rechtlichen sowie steuerlichen Implikationen zu bedenken. Ein gut ausgearbeiteter Geschäftsführeranstellungsvertrag ist daher essenziell.

Welche steuerlichen Auswirkungen hat ein Gehaltsverzicht?

Der Verzicht auf ein Gehalt kann sowohl steuerliche Vorteile als auch Nachteile mit sich bringen. Es ist möglich, dass das Finanzamt fiktive Einkünfte ansetzt, wodurch eine steuerliche Belastung entstehen könnte, obwohl tatsächlich kein Geld geflossen ist. Eine professionelle steuerrechtliche Beratung ist hier empfehlenswert.

Wie kann ich als Geschäftsführer ohne Gehalt motiviert bleiben?

Alternative Anreizsysteme wie Unternehmensanteile, Boni bei Erreichen bestimmter Meilensteine oder besondere Erfolgsvergütungen können eine starke Motivation darstellen. Zudem ist die Vision und der Glaube an das eigene Unternehmen oft ein starker Antrieb für Gründer.

Wie wirkt sich der Gehaltsverzicht auf mein Team aus?

Die Entscheidung kann das Team sowohl positiv als auch negativ beeinflussen. Eine klare und offene Kommunikation über die Gründe des Gehaltsverzichts und die langfristigen Pläne ist entscheidend, um das Vertrauen und die Moral der Mitarbeiter hoch zu halten.

Zusammenfassung und Ausblick

Die Entscheidung als Startup Geschäftsführer ohne Bezahlung kein Gehalt zu arbeiten, ist komplex und von vielen Faktoren abhängig. Gründer müssen rechtliche, steuerliche und praktische Überlegungen genau abwägen und klare vertragliche Regelungen treffen. Motivation und Teamdynamik sind ebenfalls zentrale Aspekte, die nicht vernachlässigt werden dürfen. Eine fundierte und ganzheitliche Herangehensweise ist die beste Voraussetzung, um diese Herausforderung erfolgreich zu meistern.

Wenn Sie unsicher sind oder detaillierte Beratung zu diesem Thema benötigen, zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren. Das Team der Kanzlei Herfurtner steht Ihnen mit Rat und Tat zur Seite, um Ihnen in allen rechtlichen Fragen rund um Ihre Startup-Gründung zu helfen.

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