Der Kauf eines Gebrauchtwagens bringt viele Unsicherheiten mit sich. Eine davon ist die Tacho Manipulation, bei der der Kilometerstand des Fahrzeugs reduziert wird, um den Wagen auf dem Markt zu einem höheren Preis verkaufen zu können. In diesem Blog-Beitrag erfahren Sie alles Wissenswerte zum Thema Tacho Manipulation: die Rechtslage, mögliche Strafen und wie Sie sich als Käufer oder Verkäufer vor juristischen Konsequenzen schützen können.

Inhaltsverzeichnis

Definition der Tacho Manipulation

Die Tacho Manipulation beschreibt den Vorgang, bei dem der Kilometerstand eines Fahrzeugs absichtlich reduziert wird, um den Wert des Fahrzeugs zu erhöhen. Dadurch kann ein Verkäufer einen höheren Verkaufspreis erzielen und der Käufer wird in die Irre geführt, da er denkt, dass das Fahrzeug weniger gefahren wurde, als tatsächlich der Fall ist. Manipulation des Tachos ist in den meisten Ländern, einschließlich Deutschland, illegal und kann zu hohen Strafen und zivilrechtlichen Klagen führen.

Rechtslage zur Tacho Manipulation

In Deutschland ist die Manipulation des Tachos gemäß § 22a Abs. 1 Nr. 2 Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) untersagt. Darüber hinaus kann die Manipulation des Kilometerstands auch als Betrug gemäß § 263 Strafgesetzbuch (StGB) gewertet werden, wenn dadurch dem Käufer ein Vermögensschaden entsteht. Auch die Anstiftung oder Beihilfe zur Tacho Manipulation ist strafbar.

Die Rechtslage ist in Deutschland klar geregelt und untersagt sowohl das Manipulieren des Kilometerstands als auch das Inverkehrbringen eines Fahrzeugs mit manipuliertem Tacho. Dies gilt sowohl für den Verkäufer als auch für den Käufer eines Fahrzeugs. Zudem kann die Tacho Manipulation auch zivilrechtliche Folgen haben, beispielsweise Schadensersatzansprüche des Käufers gegen den Verkäufer.

Mögliche Strafen bei Tacho Manipulation

Bei Verstößen gegen das Verbot der Manipulation können verschiedene Strafen verhängt werden. Diese können sowohl zivil- als auch strafrechtlicher Natur sein und hängen von den Umständen des Einzelfalls ab.

Strafrechtliche Strafen

Bei einer Verurteilung wegen Betrugs gemäß § 263 StGB kann eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe verhängt werden. In besonders schweren Fällen, beispielsweise bei gewerbsmäßigem Handeln, kann die Freiheitsstrafe sogar auf bis zu zehn Jahre ansteigen.

Wer als Werkstatt oder Dienstleister die Manipulation vornimmt oder dabei hilft, kann als Anstifter oder Gehilfe ebenfalls bestraft werden. Auch hier drohen Freiheitsstrafen oder Geldstrafen.

Zivilrechtliche Strafen

Der Käufer eines Fahrzeugs mit manipuliertem Tacho hat grundsätzlich das Recht, vom Kaufvertrag zurückzutreten und den Kaufpreis zurückzuverlangen. Zudem kann er Schadensersatzansprüche gegen den Verkäufer geltend machen. Dies kann beispielsweise den Ersatz von Kosten für Reparaturen oder den Wertverlust des Fahrzeugs umfassen.

Es ist zu beachten, dass der Käufer in der Beweispflicht ist, um zu belegen, dass der Tacho tatsächlich manipuliert wurde. Dies kann durch einen Sachverständigen oder durch die Auswertung von Fahrzeugdokumenten geschehen.

Wie wird Tacho Manipulation aufgedeckt?

Die Aufdeckung kann auf verschiedene Weise erfolgen. Hier sind einige Beispiele:

  • Überprüfung der Fahrzeugdokumente: Durch die Auswertung von Fahrzeugdokumenten wie Serviceheften, TÜV-Berichten oder Reparaturrechnungen kann ein auffälliger Kilometerstand festgestellt werden. Widersprüche in den Angaben können auf eine Manipulation hindeuten.
  • Sachverständigen-Gutachten: Ein Kfz-Sachverständiger kann ein Gutachten erstellen, in dem der tatsächliche Kilometerstand des Fahrzeugs ermittelt wird. Dabei werden unter anderem Verschleißteile, der Zustand des Fahrzeugs und die Fahrzeugelektronik untersucht.
  • Überprüfung der Fahrzeugelektronik: Viele Fahrzeuge haben mehrere Speicherorte für den Kilometerstand, beispielsweise im Motorsteuergerät oder im Kombiinstrument. Durch die Auslesung dieser Daten können Unstimmigkeiten festgestellt werden.

Die Aufdeckung von Tacho Manipulation ist für den Laien oft schwierig, weshalb es ratsam ist, bei Verdacht einen Sachverständigen einzuschalten.

Schutz des Käufers vor Tacho Manipulation

Als Käufer eines Gebrauchtwagens können Sie einige Maßnahmen ergreifen, um sich vor Manipulation zu schützen:

  • Überprüfung der Fahrzeugdokumente: Prüfen Sie die Fahrzeugdokumente sorgfältig auf Unstimmigkeiten im Kilometerstand. Achten Sie auf Lücken im Serviceheft oder Ungereimtheiten in den TÜV-Berichten.
  • Verkäufer hinterfragen: Fragen Sie den Verkäufer nach dem Grund für den Verkauf und eventuellen Unstimmigkeiten im Kilometerstand. Ein seriöser Verkäufer sollte dazu in der Lage sein, plausible Erklärungen zu liefern.
  • Sachverständigen-Gutachten: Beauftragen Sie bei Verdacht auf Tacho Manipulation einen Kfz-Sachverständigen, um den tatsächlichen Kilometerstand zu ermitteln.
  • Vertragliche Regelungen: Vereinbaren Sie im Kaufvertrag, dass der Verkäufer für die Richtigkeit des angegebenen Kilometerstands haftet. Dies erleichtert die Durchsetzung von Ansprüchen im Falle einer Tacho Manipulation.

Schutz des Verkäufers vor Vorwürfen der Tacho Manipulation

Als Verkäufer eines Gebrauchtwagens sollten Sie ebenfalls Maßnahmen ergreifen, um sich vor unberechtigten Vorwürfen der Manipulation zu schützen:

  • Dokumentation: Bewahren Sie alle relevanten Fahrzeugdokumente auf, die den Kilometerstand belegen, wie Serviceheft, TÜV-Berichte oder Reparaturrechnungen. Diese Dokumente können Ihnen helfen, die Richtigkeit des Kilometerstands nachzuweisen.
  • Vertragliche Regelungen: Vereinbaren Sie im Kaufvertrag, dass der angegebene Kilometerstand nach bestem Wissen und Gewissen korrekt ist. So signalisieren Sie dem Käufer Ihre Bereitschaft, für die Richtigkeit des Kilometerstands einzustehen.
  • Kommunikation mit dem Käufer: Informieren Sie den Käufer proaktiv über eventuelle Unstimmigkeiten im Kilometerstand und liefern Sie plausible Erklärungen dafür. So können Sie möglichen Vorwürfen der Tacho Manipulation entgegenwirken.
  • Aufklärung über Fahrzeughistorie: Legen Sie dem Käufer alle relevanten Informationen über die Historie des Fahrzeugs offen, beispielsweise Vorbesitzer, Unfälle oder Reparaturen. Dadurch schaffen Sie Vertrauen und reduzieren das Risiko von Vorwürfen der Tacho Manipulation.

Häufig gestellte Fragen

Nachfolgend die häufigsten Fragen für Sie auf einen Blick.

Ist die Tacho Manipulation immer illegal?

Ja, die Manipulation ist in Deutschland gemäß § 22a Abs. 1 Nr. 2 StVZO verboten. Zudem kann sie als Betrug gemäß § 263 StGB gewertet werden. Die Manipulation des Kilometerstands ist somit stets illegal und strafbar.

Wie häufig kommt Tacho Manipulation vor?

Die Häufigkeit ist schwer einzuschätzen, da viele Fälle unentdeckt bleiben. Schätzungen gehen jedoch davon aus, dass etwa jeder dritte Gebrauchtwagen in Deutschland einen manipulierten Tacho haben könnte.

Was kann ich tun, wenn ich ein Fahrzeug mit manipuliertem Tacho gekauft habe?

Wenn Sie ein Fahrzeug mit einem manipulierten Tacho gekauft haben, können Sie vom Kaufvertrag zurücktreten und den Kaufpreis zurückverlangen. Zudem können Sie Schadensersatzansprüche gegen den Verkäufer geltend machen. Wir empfehlen Ihnen, sich in diesem Fall anwaltlich beraten zu lassen, um Ihre Ansprüche durchzusetzen.

Kann ich als Käufer eines Fahrzeugs mit manipuliertem Tacho belangt werden?

Als Käufer eines Fahrzeugs mit manipuliertem Tacho können Sie in der Regel nicht strafrechtlich belangt werden, es sei denn, Sie waren an der Manipulation beteiligt oder haben das Fahrzeug trotz Kenntnis des manipulierten Tachos erworben und weiterverkauft. In jedem Fall sollten Sie jedoch den Verkäufer kontaktieren und Ihre Rechte als Käufer geltend machen.

Kann ich mein Fahrzeug selbst überprüfen, um festzustellen, ob der Tacho manipuliert wurde?

Die Überprüfung des Kilometerstands auf Manipulation ist für Laien schwierig, da moderne Fahrzeugelektronik meist nur von Fachleuten ausgelesen werden kann. Zudem ist die Manipulation oft nicht ohne weiteres erkennbar. Bei Verdacht empfehlen wir Ihnen, einen Kfz-Sachverständigen zu beauftragen.

Wie kann ich mich als Verkäufer vor unberechtigten Vorwürfen der Tacho Manipulation schützen?

Als Verkäufer sollten Sie alle relevanten Fahrzeugdokumente aufbewahren, die den Kilometerstand belegen, und im Kaufvertrag klarstellen, dass der angegebene Kilometerstand nach bestem Wissen und Gewissen korrekt ist. Zudem sollten Sie transparent über die Fahrzeughistorie informieren und eventuelle Unstimmigkeiten im Kilometerstand proaktiv ansprechen.

Kann ich gegen eine Werkstatt vorgehen, die die Tacho Manipulation durchgeführt hat?

Ja, gegen Werkstätten oder Dienstleister, die die Manipulation durchgeführt haben, können sowohl strafrechtliche als auch zivilrechtliche Schritte eingeleitet werden. Sie können beispielsweise Schadensersatzansprüche geltend machen oder Anzeige wegen Beihilfe zum Betrug erstatten.

Was kann ich tun, um Tacho Manipulation generell zu verhindern?

Als Käufer eines Gebrauchtwagens sollten Sie stets wachsam sein und die Fahrzeugdokumente sorgfältig prüfen. Bei Verdacht auf Tacho Manipulation empfehlen wir, einen Kfz-Sachverständigen zu beauftragen. Als Verkäufer sollten Sie transparent über den Kilometerstand und die Fahrzeughistorie informieren und sich gegen unberechtigte Vorwürfe absichern.

Fazit

Tacho Manipulation ist ein ernstzunehmendes Problem auf dem Gebrauchtwagenmarkt, das sowohl Käufer als auch Verkäufer betrifft. Die Rechtslage in Deutschland ist klar: Tacho Manipulation ist illegal und kann zu hohen Strafen führen. Um sich vor den Folgen der Manipulation zu schützen, sollten Käufer und Verkäufer achtsam sein und bei Verdacht auf Manipulation entsprechende Maßnahmen ergreifen.

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