Telefonbetrug – Schutz vor Abzocke am Telefon

Telefonbetrug ist ein großes Problem. In den Jahren 2019 und 2020 wurden in Deutschland jährlich mehr als 800.000 Betrugsfälle registriert. Dabei handelt es sich auch um Telefonbetrug, der erhebliche finanzielle Schäden verursacht.

Die Betrüger versuchen nach allen Regeln der Kunst, ihr Gegenüber am anderen Ende der Leitung zu täuschen. Vor allem ältere Menschen werden regelrecht über den Tisch gezogen. Sie werden um ihr Geld, ihr Vermögen und ihr Vertrauen gebracht.

Inhaltsverzeichnis

  1. Telefonbetrug – Vorgehen der Täter
    1.1 Gezieltes Ausfragen
    1.2 Versuch der Einschüchterung
  2. Telefonbetrug vermeiden – Tipps zum Verhalten
  3. Betrugsmaschen am Telefon: 3 Beispiele
    3.1 Unbedachtes „Ja“ kann teuer werden
    3.2 Telefonbetrug: Möglichkeiten für Betrugsopfer
    3.3 Call-ID-Spoofing – was ist das?
    3.4 Vorsicht vor der Ping-Falle

Telefonbetrug – wie die Täter vorgehen

Telefonbetrüger, die an die Ersparnisse, das Bargeld und die Wertsachen älterer Menschen herankommen wollen, gehen ziemlich clever vor. Denn sie rufen zum Beispiel zu unmöglichen Tageszeiten an – extrem früh oder zu später Stunde – und nutzen aus, dass ihr Opfer unausgeschlafen oder müde oder noch nicht ganz auf der Höhe ist.

Weiterhin bauen die Täter gleich zu Beginn des Gesprächs eine Vertrautheit auf, die nur vorgetäuscht ist. Oder sie locken den Angerufenen mit falscher Freundlichkeit in die Falle.

Gezieltes Ausfragen

Die Betrüger wissen genau, wie sie am besten vorgehen, um ihr Ziel zu erreichen.  Sie bemühen sich beim Telefonbetrug, so viel wie möglich über ihre Zielperson zu erfahren, indem sie intelligente Fragen stellen.

So erkundigen sie sich beispielsweise, ob das Opfer allein zu Hause sei, ob der Partner anwesend sei oder ob das Opfer über Bargeld verfüge. Dabei spielen sie auf Zeit und setzen auf die Beantwortung einer Vielzahl von Fragen, was das Opfer ermüden soll.

Wenn sich Angerufene weigern, zur Bank zu gehen und ihr Geld und ihre Habseligkeiten auszuhändigen, versuchen die Betrüger, sie so lange am Telefon zu halten, bis sie schließlich einwilligen.

Versuch der Einschüchterung

Angerufene, die misstrauisch reagieren, z. B. wenn ein falscher Polizist anruft, können beschuldigt werden, wichtige Ermittlungen zu behindern oder zur Hilfeleistung verpflichtet zu sein. In dieser Situation können Sie nur eines tun: Geben Sie dem Druck nicht nach und legen Sie auf.

Telefonbetrug vermeiden – wie man sich verhalten sollte

Telefonbetrug lässt sich vermeiden, indem man einige Verhaltensstrategien befolgt, die sich in der Vergangenheit als wirksam erwiesen haben:

  • Wenn Sie den Anrufer nicht kennen, lassen Sie sich nicht auf ein Gespräch ein und beantworten Sie keine persönlichen Fragen.
  • Wenn Sie einen Anruf von einer unbekannten Person erhalten, seien Sie misstrauisch. Nicht jeder hat gleich Böses im Schilde und man kann sich auch verwählen – jedoch ist grundsätzlich Vorsicht angeraten.
  • Fordert jemand am Telefon von Ihnen Geld, gehen Sie nicht darauf ein, und vermeiden Sie es darüber hinaus, Fremden in gutem Glauben an der Tür Wertsachen oder Bargeld auszuhändigen.
  • Sobald Ihnen im Gespräch etwas merkwürdig vorkommt, beenden Sie dieses und legen Sie auf. Das ist nicht unhöflich, sondern die passende Reaktion auf ungewollte Telefonate.
  • Besprechen Sie das Thema Telefonbetrug im Familienkreis und denken Sie dabei insbesondere an die älteren Generationen, die leider meistens im Fokus der Betrüger stehen. Vorbeugende Sensibilisierung hilft dabei, Betrugsversuche zu erkennen und rechtzeitig zu unterbinden.

Drei bekannte Maschen beim Telefonbetrug

Telefonbetrug folgt häufig Mustern, was es erleichtert, einen Betrugsversuch als solchen zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Zu den häufigsten Maschen beim Telefonbetrug gehören die drei folgenden:

Ein „Ja“ zur falschen Zeit kann teuer werden

Verträge, die angeblich am Telefon ausgehandelt werden, üben einen wachsenden Druck auf die Verbraucher aus. Diejenigen, die davon betroffen sind, erzählen davon, dass sie am Telefon laut und deutlich „Ja“ sagen sollen. Die Anrufer erreichen dies durch gezielte Fragen, wie zum Beispiel „Hören Sie mich?“

Denjenigen, die auf diese Art kontaktiert wurden, schicken Betrüger einige Tage später Vertragsvereinbarungen oder Rechnungen zu. Offensichtlich, so das Argument der Betrüger, hätten die Empfänger im Telefongespräch zugestimmt.

In den Medien wurde von extremen Beispielen für das Zusammenschneiden von Telefongesprächen berichtet, bei denen das „Ja“ genau dann gesprochen wurde, wenn es für den Abschluss eines Geschäfts erforderlich war. Jedoch ist es tatsächlich nie zum Abschluss eines Vertrags gekommen.

Keine Zahlungspflicht und Recht auf Beschwerde

Deshalb sollten Sie sich darüber im Klaren sein, dass Sie nicht verpflichtet sind, diese Zahlungen zu leisten. Sie sollten sie jedoch nicht einfach ausblenden, sondern sich behaupten und wehren. Es wäre zwar konsequent, ein „Ja“ während eines Telefongesprächs zu vermeiden, jedoch lässt sich das in der Praxis kaum verhindern.

Eine gute Strategie um den Tätern bei einem Telefonbetrug nicht in die Karten zu spielen ist es daher, Fragen immer mit einem ganzen Satz zu beantworten. Beantworten Sie etwa die Frage „Bin ich gut zu verstehen?“ mit der Antwort „Ich verstehe Sie“. Sagen Sie es Ihrem Gesprächspartner außerdem klipp und klar, wenn Sie an seinen Produkten oder Dienstleistungen nicht interessiert sind.

Und wenn Sie sich nicht sicher sind, legen Sie einfach den Hörer auf. Notieren Sie sich zu Ihrem eigenen Schutz den Namen des Anrufers, das Unternehmen, das Datum, die Uhrzeit und die Telefonnummer sowie das, was während des Gesprächs besprochen wurde.

Wenn Sie ohne Ihre Erlaubnis von einem Werber kontaktiert werden, nutzen Sie diese Informationen zudem, um eine Beschwerde bei der Bundesnetzagentur und der Verbraucherzentrale einzureichen.

Sollten Sie zum Opfer eines Telefonbetrugs geworden sein, ist es in vielen Fällen hilfreich, Strafanzeige wegen Betrug zu erstatten. Unsere Rechtsanwälte der Kanzlei Herfurtner beraten Sie umfassend zu diesem Thema. Daneben vertreten wir auch auf den Gebieten Cybercrime, Bitcoin Betrug, Internetbetrug, Anlagebetrug und Online Betrugsmaschen die Interessen von Betrugsopfern. Nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf.

Falscher Anschluss unter dieser Nummer – Call-ID-Spoofing

Man erhält einen Anruf von einer Nummer, die man kennt (z. B. von der Polizei), aber tatsächlich kommt er von einer ganz anderen Leitung. Ein vermeintlicher „Polizist“ ruft ältere Menschen an und verlangt von ihnen am Telefon Kreditkarteninformationen, Schmuck oder Geldüberweisungen ins Ausland.

Die Betrüger versuchen dabei, das Vertrauen der Menschen in die Polizei auszunutzen, indem sie sich als Polizisten ausgeben. Deshalb sollte man niemals Kontonummern oder andere persönliche Informationen am Telefon herausgeben und vor allem ältere Menschen aus dem Bekannten- und Familienkreis entsprechend informieren.

Denn kein Polizeibeamter würde jemals Daten oder Geld von einem Anrufer verlangen. Im Zweifelsfall rufen Sie bei Ihrer örtlichen Polizeidienststelle an und erkundigen sich. Alternativ können Sie die Notrufnummer 110 wählen, dann aber nicht über die Rückruftaste.

Telefonbetrug: kleiner Rückruf, große Kosten – die Ping-Falle

Nach einem kurzen Klingeln verstummt das Telefon. Das Ziel ist es, Sie dazu zu bringen, den Anrufer zurückzurufen. Das Problem hierbei: Die Anrufer sitzen häufig nicht in Deutschland, sondern irgendwo in Afrika oder im Nahen Osten.

Anrufe in diese Teile der Welt kosten viel Geld, und ein Teil davon landet in den Geldbörsen der Betrüger. Die Telefonnummern stammen übrigens entweder von Adressverkäufern oder, was noch häufiger vorkommt, von Computerprogrammen, die Vorwahlen für Mobiltelefone und Telefonnummernblöcke auf automatisierter Basis anwählen.

Bei einer Telefonnummer, von der man nur kurz angeklingelt wurde, sollte man genau hinsehen. Das „+“-Symbol oder zwei Nullen stehen vor der Nummer? Wenn Sie die Telefonnummer nicht erkennen, sollten Sie diesen Anruf nicht erwidern. Es ist auch keine gute Idee, unterdrückte Nummern anzurufen, wenn Sie nicht zum Opfer werden wollen.

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Patrick Wilson
Rechtsanwalt / Associate

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