Die Umfinanzierung, auch als Umschuldung bekannt, kann ein leistungsstarkes Werkzeug sein, um Ihre finanzielle Lage zu verbessern. Durch kluges Umstrukturieren bestehender Finanzierungen können Sie Zinsen sparen, Ihre monatlichen Raten reduzieren oder Ihre finanziellen Verpflichtungen besser an Ihre aktuellen Bedürfnisse anpassen. In diesem umfassenden Leitfaden erfahren Sie, wann eine Umfinanzierung sinnvoll ist und wie sie erfolgreich umgesetzt werden kann.

Was ist eine Umfinanzierung?

Eine Umfinanzierung beinhaltet die Ablösung bestehender Kredite oder Darlehen durch neue Kredite, meist mit besseren Konditionen oder einer günstigeren Zinsstruktur. Ziel ist es, die Gesamtkosten der Finanzierung zu reduzieren oder die monatlichen Belastungen zu optimieren.

Es gibt verschiedene Formen der Umfinanzierung:

  • Privatkredite: Umschulden von Konsumentenkrediten oder Ratenzahlungen
  • Immobilienfinanzierungen: Ablösen oder Umschulden von Baufinanzierungen
  • Unternehmenskredite: Neustrukturierung von Geschäftsdarlehen

Wann ist eine Umfinanzierung sinnvoll?

Eine Umfinanzierung kann in verschiedenen Szenarien und bei unterschiedlichen finanziellen Zielen sinnvoll sein. Hier sind einige häufige Gründe für eine Umfinanzierung:

Niedrigere Zinsen

Ein häufiger Grund für eine Umfinanzierung ist die Möglichkeit, niedrigere Zinssätze zu nutzen. Wenn die Marktzinsen gesunken sind oder wenn Ihre Bonität sich verbessert hat, können Sie möglicherweise einen Kredit zu besseren Konditionen erhalten.

Beispiel:
Wenn Sie vor ein paar Jahren einen Immobilienkredit zu einem Zinssatz von 4 % abgeschlossen haben und derzeit Kreditzinsen von 2 % angeboten werden, könnte eine Umfinanzierung erhebliche Einsparungen bedeuten.

Reduzierung der monatlichen Belastung

Eine Umfinanzierung kann auch dazu verwendet werden, Ihre monatlichen Raten zu reduzieren. Dies kann durch eine Verlängerung der Laufzeit des Kredits erreicht werden, wodurch sich die monatlichen Zahlungen verringern.

Beispiel:
Sie haben einen Kredit mit einer Restlaufzeit von 5 Jahren und einer monatlichen Rate von 800 Euro. Durch eine Umfinanzierung mit einer neuen Laufzeit von 10 Jahren könnten sich Ihre monatlichen Zahlungen auf 450 Euro reduzieren, was Ihre monatliche Belastung senkt.

Zusammenfassen mehrerer Kredite

Wenn Sie mehrere Kredite oder Darlehen haben, können Sie diese in einem einzigen Kredit zusammenfassen. Das kann die Verwaltung erleichtern und möglicherweise insgesamt günstigere Konditionen verschaffen.

Beispiel:
Statt mehrere Kredite mit unterschiedlichen Zinssätzen und Zahlungsfristen zu bedienen, kann ein einzelner Kredit mit einem festen Zinssatz und einer einheitlichen Laufzeit übersichtlicher und kostengünstiger sein.

Verkürzung der Laufzeit

Manchmal möchten Kreditnehmer die Laufzeit ihrer Kredite verkürzen, um schneller schuldenfrei zu sein. Eine Umfinanzierung kann hierbei helfen, sofern höhere monatliche Zahlungen erschwinglich sind.

Beispiel:
Wenn Sie in einer besseren finanziellen Lage sind und den bestehenden Kredit schneller abzahlen möchten, können Sie durch eine Umfinanzierung die Laufzeit verkürzen und eventuell auch Zinskosten sparen.

Änderung der Kreditbedingungen

Es kann auch vorkommen, dass Sie flexiblere Kreditbedingungen benötigen, die Ihnen zum Beispiel die Möglichkeit bieten, Sondertilgungen vorzunehmen oder Zahlpausen einzulegen.

Beispiel:
Ein neuer Kreditgeber bietet die Möglichkeit, jährliche Sondertilgungen zu leisten, was Ihnen hilft, den Kredit schneller abzubezahlen oder unvorhergesehenen Einkommensveränderungen besser zu begegnen.

Wie führt man eine Umfinanzierung durch?

Der Prozess der Umfinanzierung kann unterschiedlich komplex sein, je nach Art des bestehenden Kredits und den individuellen Gegebenheiten. Hier sind die wesentlichen Schritte zur erfolgreichen Umfinanzierung:

1. Bestandsaufnahme und Zielsetzung

Der erste Schritt besteht darin, eine Bestandsaufnahme Ihrer aktuellen Kreditverpflichtungen vorzunehmen. Finden Sie heraus, welche Kredite zu welchen Bedingungen bestehen und was Ihre Ziele sind.

Fragen zur Bestandsaufnahme:

  • Wie hoch ist das Restdarlehen?
  • Welche Zinssätze gelten aktuell?
  • Wie lange laufen die bestehenden Kredite noch?
  • Was sind Ihre finanziellen Ziele (z.B. Zinsen sparen, monatliche Raten senken)?

2. Marktanalyse und Vergleich

Vergleichen Sie die aktuellen Kreditangebote auf dem Markt. Nutzen Sie Vergleichsportale, sprechen Sie mit verschiedenen Banken und Kreditgebern und lassen Sie sich Angebote machen. Achten Sie darauf, dass Sie die Gesamtbedingungen, einschließlich Nebenkosten, bewerten.

Wichtige Aspekte beim Vergleich:

  • Aktuelle Zinssätze
  • Laufzeiten und Tilgungskonditionen
  • Nebenkosten wie Abschlussgebühren oder Bearbeitungsgebühren
  • Möglichkeiten für Sondertilgungen und Tilgungspausen

3. Berechnung der Einsparungen

Berechnen Sie die potenziellen Einsparungen durch die Umfinanzierung. Berücksichtigen Sie hierbei die Restschuld, den neuen Zinssatz und eventuell anfallende Gebühren.

Formel zur Berechnung der Einsparung:
Erwartete Ersparnis = (Alter Zinssatz – Neuer Zinssatz) x Restschuld / 100

Beispiel:
Restschuld: 50.000 Euro
Alter Zinssatz: 4 %
Neuer Zinssatz: 2 %
Ersparnis: (4 % – 2 %) x 50.000 Euro / 100 = 1.000 Euro pro Jahr

4. Antragstellung und Abwicklung

Sobald Sie das beste Angebot gefunden haben, stellen Sie den Kreditantrag bei dem neuen Kreditgeber. Achten Sie darauf, alle erforderlichen Unterlagen vollständig und korrekt einzureichen.

Erforderliche Unterlagen können sein:

  • Identitätsnachweis (Personalausweis oder Reisepass)
  • Gehaltsnachweise oder Einkommensnachweise
  • Nachweise über bestehende Kredite (Kreditverträge, Kontoauszüge)
  • aktueller Nachweis der Restschuld beim bisherigen Kreditgeber

5. Ablösung des alten Kredits

Nach der Genehmigung des neuen Kredits wird der Kreditbetrag genutzt, um den alten Kredit abzulösen. Achten Sie darauf, dass die Ablösung reibungslos verläuft und alle formalitäten korrekt bearbeitet werden.

Schritte zur Kredittilgung:

  • Bekanntgabe der Ablöseinformation an den alten Kreditgeber
  • Überweisung des Ablösebetrags durch den neuen Kreditgeber
  • Bestätigung der Ablösung erhalten und aufbewahren

Welche Kosten können bei einer Umfinanzierung anfallen?

Bei einer Umfinanzierung können verschiedene Kosten entstehen, die berücksichtigt werden sollten:

Vorfälligkeitsentschädigung:
Wenn Sie einen Kredit vorzeitig zurückzahlen, kann der bisherige Kreditgeber eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen. Informieren Sie sich im Kreditvertrag und berücksichtigen Sie diese Kosten in Ihrer Berechnung.

Bearbeitungsgebühren:
Einige Kreditgeber erheben Bearbeitungsgebühren für die Umfinanzierung. Vergleichen Sie diese Kosten bei verschiedenen Anbietern.

Notarkosten und Grundbuchgebühren:
Bei Immobilienfinanzierungen können Notar- und Grundbuchkosten anfallen, wenn eine neue Grundschuld eingetragen werden muss.

Fazit

Eine Umfinanzierung kann in vielen Situationen sinnvoll sein, um finanzielle Belastungen zu reduzieren und Zinskosten zu sparen. Die sorgfältige Planung und der Vergleich verschiedener Angebote sind der Schlüssel zum Erfolg. Nutzen Sie die bereitgestellten Informationen, um festzustellen, ob eine Umfinanzierung für Sie sinnvoll ist und wie Sie den Prozess effektiv durchführen können.

Achten Sie darauf, alle Aspekte und potenzielle Kosten zu berücksichtigen und bei Bedarf professionelle Beratung durch einen Finanzberater oder Steuerberater in Anspruch zu nehmen, um Ihre individuellen Bedürfnisse optimal zu unterstützen. So können Sie Ihre finanzielle Situation langfristig verbessern und Ihre Ziele erfolgreicher erreichen.

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