**Verkehrsrecht Unfallflucht** – Ein unerlaubtes Entfernen vom Unfallort, allgemein bekannt als Unfallflucht, kann schwerwiegende rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Doch was genau zählt als Unfallflucht, welche Strafen drohen und welche Maßnahmen können ergriffen werden, um sich zu verteidigen? In diesem Artikel erläutern wir die rechtlichen Grundlagen, mögliche Strafen und Verteidigungsstrategien bei Unfallflucht. Erfahren Sie, wie Sie sich korrekt verhalten und welche rechtlichen Möglichkeiten bestehen, um Ihre Rechte zu wahren.

Grundlagen der Unfallflucht

Unfallflucht wird im Strafgesetzbuch (StGB) unter dem Begriff „Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort“ (§ 142 StGB) geregelt. Ein Fahrer begeht Unfallflucht, wenn er nach einem Verkehrsunfall den Unfallort verlässt, ohne seinen rechtlichen Pflichten nachzukommen.

Rechtliche Pflichten am Unfallort

Nach einem Unfall hat jeder Beteiligte bestimmte Pflichten:

  • **Sofortiges Anhalten**: Der Fahrer muss unverzüglich anhalten.
  • **Absicherung der Unfallstelle**: Absicherung der Unfallstelle, um weitere Gefährdungen zu vermeiden.
  • **Austausch der Personalien**: Austausch von Namen, Adresse und Versicherungsdaten mit den anderen Unfallbeteiligten.
  • **Wartepflicht**: Anwesend bleiben, bis die Polizei eintrifft oder eine angemessene Zeit warten, wenn kein anderer Unfallbeteiligter vor Ort ist.
  • **Polizeiliche Meldung**: Bei Personenschäden oder erheblichem Sachschaden ist die Polizei zu verständigen.

Beispiel: Richtiges Verhalten nach einem Unfall

Ein Fahrer verursacht einen Auffahrunfall. Er handelt korrekt, indem er anhält, die Unfallstelle absichert, seine Personalien austauscht und im Falle von Verletzungen die Polizei ruft.

Strafen bei Unfallflucht

Die Strafen für Unfallflucht können erheblich sein und variieren je nach Schwere des Verstoßes und Schadensumfang.

Geldstrafen

Bei Unfallflucht können Geldstrafen verhängt werden, die sich nach dem Tagessatzsystem richten und das Einkommen des Täters berücksichtigen. Typischerweise liegt die Höhe der Geldstrafe zwischen 30 und 90 Tagessätzen, kann aber in schweren Fällen auch höher ausfallen.

Freiheitsstrafen

In schwerwiegenden Fällen kann Unfallflucht auch mit Freiheitsstrafe geahndet werden. Diese kann bis zu drei Jahre betragen, insbesondere bei Personenschäden oder hohem Sachschaden.

Führerscheinentzug

Neben Geld- oder Freiheitsstrafen drohen auch verwaltungsrechtliche Konsequenzen wie der Entzug der Fahrerlaubnis. In der Regel wird die Fahrerlaubnis für mindestens sechs Monate entzogen. Ein Fahrverbot von bis zu drei Monaten ist ebenfalls möglich.

Beispiel: Führerscheinentzug nach Unfallflucht

Ein Fahrer begeht Unfallflucht nach einem Verkehrsunfall mit hohem Sachschaden. Neben der Verhängung einer Geldstrafe wird ihm die Fahrerlaubnis für 12 Monate entzogen.

Verteidigungsstrategien bei Unfallflucht

Es gibt mehrere Verteidigungsstrategien, um sich gegen den Vorwurf der Unfallflucht zu wehren oder die Strafe zu mildern.

Unkenntnis des Unfalls

Eine mögliche Verteidigungsstrategie besteht darin, dass der Fahrer den Unfall nicht bemerkt hat. Dies kann insbesondere bei geringfügigen Zusammenstößen der Fall sein. In solchen Fällen muss die Unkenntnis glaubhaft dargelegt werden.

Schockzustand

Ein Schockzustand nach dem Unfall kann dazu führen, dass sich der Fahrer irrational verhält und den Unfallort verlässt. Eine solche Reaktion kann strafmildernd berücksichtigt werden, wenn glaubhaft gemacht werden kann, dass der Schockzustand ursächlich für das Verhalten war.

Nachträgliche Meldung

Kommt der Fahrer seinen Pflichten am Unfallort nicht nach, meldet den Unfall aber innerhalb von 24 Stunden nachträglich bei der Polizei, kann dies strafmildernd wirken. Hierbei spielt allerdings der Umstand des Unfalls eine Rolle.

Beispiel: Glaubhafte Unkenntnis des Unfalls

Ein Fahrer bemerkt einen leichten Anstoß beim Ausparken nicht und fährt weiter. Später stellt er einen Kratzer am eigenen Fahrzeug fest und meldet den Vorfall umgehend bei der Polizei. Sein Anwalt kann die Unkenntnis des Unfalls glaubhaft darlegen, was zu einer geringen Geldstrafe führt.

Maßnahmen nach Unfallflucht

Sollten Sie des unerlaubten Entfernens vom Unfallort beschuldigt werden, gibt es bestimmte Maßnahmen, die Sie ergreifen sollten, um Ihre Situation zu verbessern.

Rechtliche Beratung

Eine frühzeitige rechtliche Beratung ist essenziell. Ein Fachanwalt für Verkehrsrecht kann den Sachverhalt prüfen und eine geeignete Verteidigungsstrategie entwickeln. Er kann Sie auch bei der Kommunikation mit Behörden und Gerichten unterstützen.

Dokumentation und Beweissicherung

Sichern Sie so viele Beweise wie möglich. Fertigen Sie Fotos vom Unfallort, Schäden und Fahrzeugen an und notieren Sie alle wichtigen Informationen. Eventuelle Zeugen sollten kontaktiert und deren Aussagen dokumentiert werden.

Kooperation mit der Polizei

Arbeiten Sie mit der Polizei zusammen und machen Sie wahrheitsgemäße Angaben. Eine kooperative Haltung kann sich positiv auf das Verfahren auswirken.

Beispiel: Erfolgreiche Verteidigung durch professionelle Beratung

Ein Beschuldigter wendet sich nach einer Unfallflucht sofort an einen erfahrenen Verkehrsrechtsanwalt. Dank der rechtlichen Beratung kann ein Schockzustand nachgewiesen werden, was zur Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung einer geringen Geldstrafe führt.

Praktische Tipps zur Vermeidung von Unfallflucht

Um Unfallflucht zu vermeiden, sollten Sie im Fall eines Unfalls richtig und besonnen reagieren.

Korrektes Verhalten am Unfallort

Im Falle eines Unfalls sollte jeder Beteiligte am Unfallort sofort anhalten, die Unfallstelle absichern und die vorgeschriebenen Maßnahmen ergreifen.

Kontaktinformationen austauschen

Tauschen Sie immer die Kontakt- und Versicherungsinformationen mit anderen Unfallbeteiligten aus und dokumentieren Sie den Unfall sorgfältig.

Polizei verständigen

Bei Personenschäden oder erheblichen Sachschäden sollte immer die Polizei verständigt werden. Dies ist auch wichtig, um den Unfall amtlich zu dokumentieren und sich rechtlich abzusichern.

Beispiel: Vorbildliches Verhalten nach einem Unfall

Ein Autofahrer verursacht einen Unfall mit geringem Sachschaden. Er bleibt vor Ort, sichert die Stelle ab, tauscht Informationen mit dem anderen Fahrer aus und verständigt die Polizei. Die Polizei dokumentiert den Unfall, und beide Fahrer erhalten eine offizielle Bestätigung der Unfallaufnahme.

Fazit: Verkehrsrecht Unfallflucht – Strafen und Maßnahmen

Unfallflucht ist ein ernstzunehmender Verstoß gegen das Verkehrsrecht und kann erhebliche rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Es ist entscheidend, nach einem Unfall die gesetzlichen Pflichten zu beachten und am Unfallort korrekt zu reagieren. Sollten Sie des unerlaubten Entfernens vom Unfallort beschuldigt werden, ist eine frühzeitige rechtliche Beratung durch einen Fachanwalt für Verkehrsrecht ratsam. Durch die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben und eine besonnene Reaktion können Strafen vermieden und Ihre Rechte gewahrt werden. Benötigen Sie Unterstützung oder Beratung im Bereich Verkehrsrecht, steht Ihnen die Kanzlei Herfurtner zur Verfügung. Kontaktieren Sie uns für eine umfassende und kompetente Beratung.

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