Wiederverheiratungsklausel Testament – Ein wichtiger Aspekt bei der Gestaltung eines Testaments, der oftmals übersehen wird, ist die Regelung für den Fall einer Wiederverheiratung des überlebenden Ehegatten. Erfahren Sie in diesem Blogbeitrag, wie Sie Ihr Erbe in zweiter Ehe sichern können und welche rechtlichen Voraussetzungen dabei zu beachten sind. Wir erläutern den Zweck einer Wiederverheiratungsklausel und geben Ihnen praktische Beispiele sowie Checklisten an die Hand, damit Sie wissen, wie Sie Ihr Testament rechtssicher gestalten können.

Inhaltsverzeichnis:

  • Bedeutung der Wiederverheiratungsklausel im Testament
  • Die verschiedenen Arten der Wiederverheiratungsklauseln
  • Praxisbeispiele und Fallstudien
  • Rechtliche Anforderungen und Gestaltungstipps für eine effektive Wiederverheiratungsklausel
  • FAQ
  • Checkliste für die Erstellung einer Wiederverheiratungsklausel

Bedeutung der Wiederverheiratungsklausel im Testament

Die Wiederverheiratungsklausel ist eine testamentarische Regelung, die das Ziel verfolgt, Ihren Erben einen möglichst umfangreichen Vermögensschutz zu gewährleisten, wenn Ihr Ehepartner nach Ihrem Tod erneut heiratet. Die Sorge, dass das vererbte Vermögen durch die Einbindung eines neuen Partners in den Familienbesitz verloren gehen könnte, lässt sich durch eine solche Bestimmung im Testament ausräumen. Diese Regelung kann sowohl Ehepartnern als auch Lebenspartnern im Rahmen einer eingetragenen Lebenspartnerschaft zugutekommen.

Die verschiedenen Arten der Wiederverheiratungsklauseln

Im deutschen Erbrecht existieren vier Hauptformen der Wiederverheiratungsklauseln, die je nach individuellen Wünschen und Vermögensverhältnissen des Erblassers angewendet werden können: Unterstützungsklausel, Einzelwiederverheiratungsklausel, Gesamtwiederverheiratungsklausel und Verwirkungsklausel.

Unterstützungsklausel

Die Unterstützungsklausel stellt sicher, dass ein bestimmter Teil des Nachlasses dem überlebenden Ehepartner oder Lebenspartner dauerhaft zur Verfügung steht und nicht nur bis zur Wiederverheiratung. Der überlebende Ehegatte behält somit lebenslang das Nutzungsrecht an bestimmten Teilen des Vermögens. Bei einer Wiederverheiratung erlischt dieses Nutzungsrecht jedoch nicht, sondern bleibt bestehen.

Einzelwiederverheiratungsklausel

Im Falle einer Einzelwiederverheiratungsklausel wird dem überlebenden Ehegatten oder Lebenspartner das gesamte Vermögen des Verstorbenen vermacht, jedoch mit der Bedingung, dass dieses Vermögen wieder an die eigenen Nachkommen oder bestimmte Personen zurückfällt, sobald der Überlebende erneut heiratet. Diese Klausel bietet einen besonderen Vermögensschutz für die eigenen Nachkommen, Familienmitglieder oder Freunde.

Gesamtwiederverheiratungsklausel

Die Gesamtwiederverheiratungsklausel sieht vor, dass das gesamte Vermögen des Erblassers auf den überlebenden Ehegatten bzw. Lebenspartner übergeht, jedoch nur so lange dieser ledig oder verwitwet bleibt. Bei einer Wiederverheiratung wird das Vermögen an einen vorher festgelegten Dritten übertragen. Dies kann beispielsweise ein gemeinsames Kind, ein Geschwister oder ein guter Freund sein.

Verwirkungsklausel

Die Verwirkungsklausel ist eine rechtlich strengere Variante der Wiederverheiratungsklausel. Hierbei wird festgelegt, dass der überlebende Ehegatte oder Lebenspartner das gesamte Vermögen des Verstorbenen verliert, sollte er oder sie wieder heiraten. Das Vermögen geht dann unmittelbar auf einen vorher festgelegten Dritten über.

Praxisbeispiele und Fallstudien

Im Folgenden finden Sie drei Praxisbeispiele zur Veranschaulichung der verschiedenen Arten von Wiederverheiratungsklauseln:

Beispiel 1: Die Unterstützungsklausel

Herr Meier verstirbt und hinterlässt sowohl seine Ehefrau als auch drei gemeinsame Kinder. In seinem Testament hat er eine Unterstützungsklausel verankert. Seine Frau erhält daraufhin das gesamte Vermögen sowie ein lebenslanges Nutzungsrecht an der gemeinsamen Immobilie. Sollte Frau Meier wieder heiraten, bleibt das Nutzungsrecht weiterhin bestehen, sodass sie und ihre neue Familie in dem Haus wohnen bleiben können. Hierdurch wird die Versorgung der Familie sichergestellt.

Beispiel 2: Die Gesamtwiederverheiratungsklausel

Frau Müller hinterlässt bei ihrem Tod ihren Ehemann und zwei gemeinsame Kinder. In ihrem Testament hat sie eine Gesamtwiederverheiratungsklausel verankert, nach der ihr Mann das gesamte Vermögen erbt, solange er ledig oder verwitwet bleibt. Herr Müller heiratet nach einiger Zeit erneut, woraufhin das geerbte Vermögen automatisch auf die beiden gemeinsamen Kinder übergeht. Die Wiederverheiratungsklausel sichert somit das Vermögen der leiblichen Kinder.

Beispiel 3: Die Verwirkungsklausel

Herr und Frau Schmidt haben keine leiblichen Kinder. Im Falle des Todes von Frau Schmidt erbt Herr Schmidt das gesamte Vermögen gemäß der Verwirkungsklausel im Testament. Bei einer erneuten Heirat verliert Herr Schmidt jedoch sein Erbe zugunsten des festgelegten Dritten, der in diesem Fall ein Neffe von Frau Schmidt ist.

Rechtliche Anforderungen und Gestaltungstipps für eine effektive Wiederverheiratungsklausel

Um eine Wiederverheiratungsklausel wirksam in Ihr Testament aufzunehmen, sollten Sie die folgenden rechtlichen Anforderungen beachten:

  • Die Klausel muss klar und eindeutig formuliert sein.
  • Die jeweilige Klausel muss den gesetzlichen Regelungen entsprechen (z. B. muss die Unterstützungsklausel den gesetzlichen Pflichtteilansprüchen Rechnung tragen).
  • Die Regelungen dürfen nicht gegen die öffentliche Ordnung verstoßen (z. B. darf eine Wiederverheiratungsklausel nicht ausschließlich mit dem Zweck eingefügt werden, den überlebenden Ehegatten von einer erneuten Heirat abzuhalten).

Es empfiehlt sich, bei der Formulierung einer Wiederverheiratungsklausel die Unterstützung eines erfahrenen Rechtsanwalts oder Notars in Anspruch zu nehmen, um alle rechtlichen Anforderungen zu erfüllen und Ihr Testament rechtssicher zu gestalten.

FAQ

Hier finden Sie die meistgestellten Fragen auf einen Blick zusammengefasst.

Was passiert, wenn keine Wiederverheiratungsklausel im Testament enthalten ist?

Bei Fehlen einer Wiederverheiratungsklausel gilt das gesetzliche Erbrecht. Das bedeutet, dass der überlebende Ehegatte oder Lebenspartner in der Regel die Hälfte des Nachlasses erbt und die andere Hälfte auf die Kinder verteilt wird. Sollte der überlebende Ehegatte erneut heiraten, kann dies dazu führen, dass ein Teil des Vermögens in die neue Ehe einfließt und möglicherweise später auch an die Kinder der neuen Ehe vererbt wird.

Welche Klausel ist für meine individuelle Situation am besten geeignet?

Die Auswahl der am besten geeigneten Wiederverheiratungsklausel hängt von Ihren persönlichen Wünschen und Vermögensverhältnissen ab. Es empfiehlt sich, eine individuelle Beratung bei einem Rechtsanwalt oder Notar in Anspruch zu nehmen, um eine maßgeschneiderte Lösung für Ihre persönliche Situation zu finden.

Wie formuliere ich eine Wiederverheiratungsklausel rechtssicher?

Eine rechtssichere Formulierung ist entscheidend für die Wirksamkeit einer Wiederverheiratungsklausel. Fachkundige Beratung durch einen Rechtsanwalt oder Notar ist hierfür unerlässlich. Achten Sie darauf, dass die gewählte Klausel den gesetzlichen Anforderungen entspricht, klar und eindeutig formuliert ist und nicht gegen die öffentliche Ordnung verstößt.

Kann ich meine Meinung nach Erstellung eines Testaments mit einer Wiederverheiratungsklausel ändern?

Ja, Sie können Ihr Testament jederzeit ändern, solange Sie testierfähig sind. Sie können die Wiederverheiratungsklausel abändern oder ganz aus Ihrem Testament entfernen. Bei einer Änderung des Testaments sollte eine erneute rechtliche Beratung in Anspruch genommen werden, um die Wirksamkeit der neuen Regelungen zu gewährleisten.

Checkliste für die Erstellung einer Wiederverheiratungsklausel

Um Ihnen einen Überblick über die verschiedenen Schritte bei der Erstellung einer Wiederverheiratungsklausel zu geben, haben wir die folgende Checkliste für Sie zusammengestellt:

  • Definieren Sie das Hauptziel Ihrer Wiederverheiratungsklausel: Wollen Sie beispielsweise die Versorgung Ihres überlebenden Ehegatten sicherstellen oder den Vermögensschutz Ihrer Nachkommen gewährleisten?
  • Entscheiden Sie, welche der vier Wiederverheiratungsklausel-Typen (Unterstützungsklausel, Einzelwiederverheiratungsklausel, Gesamtwiederverheiratungsklausel oder Verwirkungsklausel) für Ihre individuelle Situation am besten geeignet ist.
  • Konsultieren Sie einen Rechtsanwalt oder Notar, um die gewählte Wiederverheiratungsklausel rechtssicher zu formulieren und diese in Ihr Testament aufzunehmen.
  • Achten Sie darauf, dass alle rechtlichen Anforderungen erfüllt sind, und dass die Wiederverheiratungsklausel nicht gegen die öffentliche Ordnung verstößt.
  • Fertigen Sie eine Kopie Ihres Testaments an und bewahren Sie diese an einem sicheren Ort auf.
  • Informieren Sie gegebenenfalls Ihre Angehörigen oder andere Vertrauenspersonen über die Existenz der Wiederverheiratungsklausel in Ihrem Testament.

Fazit: Wiederverheiratungsklausel für Vermögensschutz und Versorgung Ihrer Erben

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Wiederverheiratungsklausel im Testament eine bedeutende und wirkungsvolle Regelung darstellt, um den Vermögensschutz Ihrer Erben bei einer Wiederverheiratung des überlebenden Ehegatten oder Lebenspartners sicherzustellen. Mit einer maßgeschneiderten und rechtssicheren Gestaltung der Wiederverheiratungsklausel – mithilfe der Beratung eines erfahrenen Rechtsanwalts oder Notars – können Sie dafür sorgen, dass Ihr Erbe in den gewünschten Händen bleibt und Ihre Angehörigen im Fall der Fälle gut versorgt sind.

Eine sorgfältige Prüfung Ihrer individuellen Situation und Bedürfnisse ist entscheidend, um die am besten geeignete Wiederverheiratungsklausel auszuwählen. Die verschiedenen Typen – Unterstützungsklausel, Einzelwiederverheiratungsklausel, Gesamtwiederverheiratungsklausel und Verwirkungsklausel – bieten unterschiedliche Vor- und Nachteile, die sich nach Ihren persönlichen Zielen richten.

Letztendlich gewährleistet die rechtzeitige und umsichtige Gestaltung einer Wiederverheiratungsklausel keinen vollkommenen Schutz des Erbes, jedoch stellt sie eine wichtige präventive Maßnahme dar, um Ihre Erben bestmöglich abzusichern. Mit einem durchdachten Testament und einer effektiven Wiederverheiratungsklausel können Sie so in Ruhe sicherstellen, dass Ihr Vermögen und Ihre Wünsche auch nach Ihrem Tod erfüllt werden.

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